„So schlafen die Tiere“ von Maike Harel sowie Laura und Florian Fuchs

Das Bilderbuch „So schlafen die Tiere“ von Maike Harel sowie Laura und Florian Fuchs auf einer hellen Kuscheldecke liegend.

„Komm, wir gehen schlafen, komm, es wird Zeit.“
„Och nö, echt nicht, Mama, ich bin nicht so weit.
Erzähl mir von Tieren, das wäre nett!“
„Erzählen? Von Tieren? Die gehen jetzt ins Bett!“

In Wiesen und Wäldern, im Fluss und im Meer. In Savanne, Dschungel und am Nordpol. Genauso wie auf dem Bauernhof und der ein oder anderen Stadtwohnung. Überall machen die Tiere ihre Augen zu.

„Hier schnarcht der Hund im Stall schläft die Kuh,
und jetzt, kleines Traumkind, jetzt schläfst auch du!“

Ausschnitt einer Innenseite des Bilderbuches „So schlafen die Tiere“ von Maike Harel sowie Laura und Florian Fuchs

„So schlafen die Tiere“ – und auch wir kommen zur Ruhe

Rückseite des Gute-Nacht-Buchs „So schlafen die Tiere“ von Maike Harel sowie Laura und Florian Fuchs

Sanft vorgelesenen begleitet dieses atmosphärische Bilderbuch still und sacht in den Schlaf. Die Verse verleihen den Worten einen behutsamen Rhythmus. Genau richtig ist es lang, um zur Ruhe zu kommen.

Die großformatigen Illustrationen füllen müde Kinderaugen mit friedlichen Bildern. Bieten viele Details, überfordern jedoch nicht. So dass die Kleinen zusammen mit Eisbär, Löwe, Wal und Otter ins Land der Träume reisen.

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„Das Konsortium oder Die ungenaue Zeit“ von Martin Gries

Der Roman „Das Konsortium oder Die ungenaue Zeit“ von Martin Gries

Mejouffrouw Mariettas Vater brach das Dritte Gesetz. Die Uhren des Mechanikers wurden zu genau. Und jeder weiß: Die Zeit gehört dem Konsortium. Wer Zeit genau misst, ist des Todes.“ Marietta hat keine Wahl: Nachdem ihr Vater verhaftet wurde, flüchtet die junge Frau. Mit der viel zu genauen Uhr im Gepäck.

Charles Vater hält sich genauestens an die Gesetze. Als Ingenieur baut er dem Konsortium die wertvollen Leuchttürme. Die mit ihrem Licht Orientierung in die orientierungslosen Welt bringen. Nachdem sein Vater jedoch plötzlich stirbt, muss Charles die Verantwortung für seine Mutter, die kleine Schwester und den Großvater übernehmen. Mit einem Erbe und einem Versprechen im Gepäck, das gegen das zweite Gesetz verstößt: Die Sterne gehören dem Konsortium. Wer sie betrachtet, ist des Todes.“

Offen, philosophisch, aufklärerisch.

Mehr mag ich gar nicht verraten über dieses bemerkenswerte Buch. Überhaupt, es fällt mir schwer zu formulieren, was „Das Konsortium“ mit mir machte. Wie es auf mich wirkte. Es lässt sich in keine Schublade stecken. Überraschte mich mit Schreibstil und Erzählweise, Charakterentwurf und Buch-Design. Ich bin versucht, ihm den Stempel anspruchsvolle Jugendliteratur aufzudrücken. Doch nur weil die Protagonisten jung sind.

Junge Menschen, die auf ihrem Weg durch ein vorindustrielles Gaslight-Universum taumeln. Auf der Flucht. Auf der Suche. Es könnte eine Heldenreise sein. Ein Steampunk-Roman. Wilde Coming-of-Age Story und inspirierender Entwicklungsroman. Offen, philosophisch, aufklärerisch. Eine Analogie europäischen Kolonialismus und gewinnorientierter Technokratie. Sensible Comingout-Romanze. Poetisches Experiment. Literarisches Meisterwerk.

Wer will, kann tief in Atmosphäre und Welt treiben.

Rückseite des Romans „Das Konsortium oder Die ungenaue Zeit“ von Martin Gries

Nachdem mich Martin Gries‘ Kinderbuch „Käpt’n Waschbär und die Luftpiraten“ absolut begeisterte, wollte ich dringend mehr von diesem Menschen lesen. Also schenkte ich mir seinen Roman zum Weihnachtsfest 2020. Und las ihn wenig später. Dass ich ihn erst jetzt vorstelle, liegt vor allem daran, dass Rezensionsexemplare einfach Vorfahrt haben. Zusätzlich fürchtete ich, dass meine Worte nur unzureichend sein würden.

Wie soll ich beschreiben, dass ich fast ehrfurchtsvoll in der Sprache versank? Obwohl sie gewöhnungsbedürftig ist. Obwohl sie Aufmerksamkeit fordert. Und einen wachen Geist. Gerade deshalb. Dass ich staunend, Formulierungen und Ideen inhalierte. Dankbar für den frischen Wind, der durch die Seiten blies.

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„Fonk – Geheimagent aus dem All“ von Tobias Goldfarb und Lisa Hänsch

Das Kinderbuch „Fonk - Geheimagent aus dem All“ von Tobias Goldfarb und Lisa Hänsch

Während seine Mutter irgendetwas für seinen Geburtstag vorbereitet, genießt Florian die Ruhe an seinem Lieblingsplatz: Der Astgabel des großen Kletterbaumes im Wilden Land. Dem kleinen Fleckchen Natur hinter Flos Garten. Als neben ihm eine blaue Keksdose pfeifend in den Baum knallt, ahnt der Junge nicht, welch unglaubliche Abenteuer vor ihm liegen.

Denn die Keksdose entpuppt sich als Raumschiff. An Bord: Fonk der Fantastische. Geheimagent vom Planeten Badschi. Fonk reist inkognito! Im Auftrag des Planetenbundes ILSE soll er herausfinden, ob die Menschheit bereit ist. Bereit, sich der Intergalaktischen Liga Sanftmütiger Existenzen (ILSE) anzuschließen. Oder ob die Erdlinge nicht doch eher ein Fall für die fiesen Sternenfresser sind.

Fonk: Auf der Suche nach dem Guten im Menschen

Rückenansicht des Kinderbuches „Fonk - Geheimagent aus dem All“ von Tobias Goldfarb und Lisa Hänsch

Damit der weltraumreisende Spion nicht auffällt, tarnt er sich als Wellensittich. Und wenn er nicht so ein unglaubliches Plappermaul wäre, dann würde die leuchtende Antenne auf seinem Kopf auch bestimmt kaum auffallen…

Jedenfalls steckt Florian plötzlich mittendrin. Im Test der Menschheit. So gut es geht, versucht er den durchgeknallten Außerirdischen vom Guten im Menschen zu überzeugen. Dabei unterstützt ihn überraschend Nerd-Freundin Karlotta. Und auch ihr nerviger Klassenkamerad – Jung-Influencer Boris – offenbart Seiten, die sie nicht erwartet hätten.

Mehr Umweltkrimi als Science-Fiction

Das Kinderbuch „Fonk - Geheimagent aus dem All“ von Tobias Goldfarb und Lisa Hänsch

„Fonk – Geheimagent aus dem All“ ist ein quirliger, leicht abgedrehter Roman für Kinder ab acht Jahren. Mehr Umweltkrimi als Science-Fiction. Mit witzig verpacktem Ethikdiskurs und frechen Charakteren, die sich schnell zu einem Dreamteam mausern.

Sowohl der fluffige Text von Tobias Goldfarb als auch die kecken Illustrationen von Lisa Hänsch kommen natürlich divers und trotz Stereotypen vorurteilsfrei daher.

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„Kuchen zum Frühstück: Leckere Backrezepte für Kinder“ von Cynthia Cliff

„Kuchen zum Frühstück: Leckere Backrezepte für Kinder“ von Cynthia Cliff

Kuchen zum Frühstück? Klar, da sind wir dabei! Mit großer Begeisterung wählte der Vize (4) das erste Rezept aus dem Kochbuch für Kinder heraus.

Die vegane Schokoladentorte. Obwohl Mama skeptisch reagierte, blieb er hartnäckig. Also besorgten wir Mandelmilch und legten los. Von dem Flüchtigkeitsfehler im Text ließen wir uns nicht aus der Ruhe bringen (in der Zutatenliste steht Mandelmilch, im Rezept Hafermilch).

Bei den Mengenangaben von Zucker und „veganer Butter“ für die Creme intervenierte ich allerdings. 325 g Fett mit 430 g Puderzucker? Nein, wirklich nicht! Ich reduzierte die Butter auf 250 g, den Zucker auf 100 g und ergänzte dafür den Backkakao-Anteil mit noch weiteren 100 g Trinkkakao. Das ergab eine sehr ausgewogene Creme, die von der Menge her absolut ausreichte.

Mächtig lecker

Kleiner Fauxpas am Rande: Ich vergas Margarine zu kaufen. So war unser veganer Schokokuchen am Ende doch nicht vegan. Denn als bewusst essende Allesfresser hatten wir Butter im Kühlschrank. Und letztendlich dann auch in der Creme. 🙈

Welche echt lecker war. Auch zusammen mit dem Boden. Insgesamt kam der – sehr mächtige – Kuchen enorm gut an. Bei Chef, Vizechef, Schulfreundin und kleiner Schwester. Selbst bei uns Großen. Dabei war ich wirklich kritisch. Mein Lieblingskuchen wird er nicht. Aber als veganes Angebot für Gäste, kommt er auf die Merkliste.

So mögen wir Gemüse

Als nächstes wagten wir uns an die Schoko-Cookies mit Zucchini. Hier war nicht nur ich skeptisch. Doch das Ergebnis überzeugte zumindest den Vierjährigen voll und ganz. Der Achtjährige fand die Müslihaufen warm noch ganz lecker. Abgekühlt mochte er sie gar nicht mehr.

Ich fand sie so lala. Der Mann ganz ok. Jedenfalls angenehm kernig und saftig. Der Vize mochte sie auch noch am zweiten Tag. Obwohl sie da schon etwas zäh waren. Was ihn nicht störte. Er verputzte sie fast ganz allein. 😆


Am besten kamen bisher die Kürbis-Empanadas an. „Ihhh, Kürbis!“, sagte der Große noch. Um mehr zu verlangen sobald wir die Teigtaschen verputzt hatten. Was enorm schnell ging. Die kommen definitiv auf unsere Favoriten-Liste.

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HUCKEPACK Bilderbuchpreis – die Nominierten 2021

HUCKEPACK Bilderbuchpreis 2021

Hach, gerade kommt ein bisschen Messestimmung in mir auf. Denn die Shortlist des Huckepack Bilderbuchpreises ist da! Das Bremer Institut für Bilderbuchforschung (BIBF) und das Projekt „Vorlesen in Familien“ der Phantastischen Bibliothek Wetzlar vergeben diesen Preis nun schon zum sechsten Mal.

Der Preis zeichnet ganz besondere Bilderbücher aus. Die nicht nur mit Wort und Bild überzeugen, sondern auch mit ihrer Wirkung. Es handelt sich um Bücher, die Kinder ermutigen und emotional stärken. Die zu Selbstverstrauen verhelfen oder ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Bücher, die Kinder ernst nehmen und die zeigen, was sie alles schaffen können.

All das trifft nicht nur auf das Gewinnerbuch zu. Aus 444 Büchern wählte die Jury elf Titel für die Shortlist aus. Die Nominierungsliste strotzt nur so vor wundervollen, diversen, klischeefreien Bilderbüchern.

Diese Bücher sind für den HUCKEPACK Bilderbuchpreis 2021 nominiert:

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Geh weg, du Problem!“ von Rachel Rooney und Zehra Hicks

„Geh weg, du Problem!“ von Rachel Rooney und Zehra Hicks

„Probleme sind Monster.“ Das ist mal klar. „Sie graben dir Gruben… Vermasseln den Spaß… Verfinstern den Himmel, verdunkeln das Gras.“

Dass die meisten Probleme gar nicht so monströs sind, zeigt das grandiose Bilderbuch „Geh weg, du Problem!“. Seine Botschaft: Mit Ruhe, Mut und frischem Blick lösen sich viele Probleme einfach auf. Ok, manchen muss man sich zuwenden. Manche muss man lösen. Doch bei vielen hilft: „Nicht füttern! Nicht streicheln! Sei klug, halt Dich fern.“ Nach einem Schläfchen verschwinden sie gern. Auch drüber reden hilft furchtbar gut. Und mit anderen zusammen, wächst dann der Mut.

Hier ist alles bunt: Monster, Räume, Kinder

„Geh weg, du Problem!“ von Rachel Rooney und Zehra Hicks

Die mutmachenden Verse von Rachel Rooney reimen sich durch Zehra Hicks‘ bunte Illustrationen. Und hier ist alles bunt: Monster, Räume, Kinder. „Geh weg, du Problem!“ ist ein Paradebeispiel für unbeschwerte Diversität in Kinderbüchern. Denn Probleme hat jede*r. Egal welche Hautfarbe er oder sie hat. Das Kind im Rollstuhl hat welche, genauso wie die Kids mit dem Ball.

Ich bin ganz hin und weg. Die Kinder hier sind Kinder – nicht Jungs oder Mädchen. Farben und Formen gehören jedem.

Ok, die Mama ist von der Vielfalt und der Diversität begeistert. Chef (7) und Vizechef (fast 4) fällt nichts Besonderes auf. Und auch das begeistert die Mama.

Geh weg, du Problem! Ich bin nicht allein!!!

Ganz wichtig finde ich die Botschaften des Buches. Bleib ruhig. Schau Dir die Sache mal aus einem anderen Blickwinkel an. Hab Verständnis für die Probleme von anderen. Auch, wenn Du darin gar kein Problem sehen solltest. Und besonders: Rede über Probleme. Du bist nicht allein!

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„Agentin Yeshi“ von Gabriela Kasperski

„Agentin Yeshi“ von Gabriela Kasperski
„Agentin Yeshi“

Die Herbstferien verbrachte die zehnjährige Yeshi bei ihrem Herzpapa in London. Dort lebt er seit einer Weile. Tja, und da verlor Yeshi ihren Papa in der Tube-U-Bahn. Doch dann fand sie ganz allein zum London Eye. Da wollten sie nämlich hin. Ganz agentenmäßig schaffte Yeshi das. Traf ihren Papa und alles ging gut.

Zurück in der Schweizer Großstadt muss sie nun all ihre Agentenkräfte mobilisieren. Denn die neue Klassen-Queen Liv meint, Prinzessinnen wären alle weiß. Deswegen könne Yeshi mit ihrer braunen Haut auf gar keinen Fall die Hauptrolle in der Weihnachtsaufführung spielen. Das sei nun mal so.

„Agentin Yeshi“ von Gabriela Kasperski

Aber Yeshi wäre nicht Yeshi, wenn sie einfach klein beigeben würde. Nach einer gründlichen Recherche zum Thema dunkelhäutige Prinzessinnen, schreib Yeshi kurzerhand ein eigenes Weihnachtsstück. Zwar sind ihre besten Freunde gerade keine große Hilfe – Doro hat nur noch Fußball im Kopf; Lian trainiert die ganze Zeit für die Aufnahmeprüfung auf der Tanzschule… Doch Yeshi packt das. Im Yeshi-Style.

Schlaue Gedanken und kindliche Weisheit

„Agentin Yeshi“ von Gabriela Kasperski

Yeshi springt uns vom „Agentin Yeshi“-Cover entgegen. Ein wildes Lächeln im Gesicht und mit fliegenden Zöpfen. So platzt Yeshi mit ihrer Offenheit, ihren schlauen Gedanken und ihrer kindlichen Weisheit in unser Leben. In unsere Herzen. Ihrer Spontanität, Herzenswärme und sprudelndem Übermut kann man sich einfach nicht entziehen.

Ihr Flatterherz denkt von den Menschen immer das Beste und gibt auch gerne zweite Chancen. Sie ist ein glitzerluftiges Supermädchen, das alle Herausforderungen bewältigt. Mit ihrem Tanzfuß, ihrer Fantasie und letztendlich auch mit ihren Freunden.

Genau die richtige Mischung

Gabriela Kasperskis zweiter „Yeshi“-Band gefiel mir richtig, richtig gut. Fand ich den Ersten („Einfach Yeshi“) etwas zu Problem beladen, trifft der Zweite genau die richtige Mischung aus Kinderalltag, Abenteuer und Themen wie Mobbing, Alltagsrassismus und Ausgrenzung.

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„Mina entdeckt eine neue Welt“: Die Farbe der Sprache

„Mina entdeckt eine neue Welt“ von Sandra Niebuhr-Siebert und Lars Baus

Lust hat Mina keine. Aber Mama möchte es gerne. Und Mina hat Mama lieb. Also geht sie morgen das erste Mal in den Kindergarten. Dort fühlt sich alles farblos an. Immerhin wird sie von einer Frau mit warmen, freundlichen Augen begrüßt. Doch was die Frau sagt, das versteht Mina nicht. Deswegen schweigt sie lieber. „Wer schweigt, kann nichts Falsches sagen.“

Nach und nach versteht Mina mehr und mehr. Sie testet all die neuen Worte. Spielt mit ihnen. Je mehr sie versteht, desto bunter wird ihre neue Welt. Desto wohler fühlt sie sich in ihr. Bis sie schließlich ganz angekommen ist. Jedes Teil seine Farbe, seinen Namen hat. Bis sie sich in der neuen Sprache genauso zu Hause fühlt, wie in ihrer Muttersprache.

Blick in Kinderköpfe

Wie fühlt es sich an, ganz neu anzufangen? Ohne jemanden zu kennen? Ohne die Sprache zu verstehen? Einfach ins kalte Wasser geschmissen zu werden? Sprachpädagogin Sandra Niebuhr-Siebert (Jurymitglied beim Leipziger Lesekompass und beim KIMI-Siegel) erzählt uns in ihrem Bilderbuch „Mina entdeckt eine neue Welt“ sehr anschaulich, was in Kinderköpfen dabei vorgeht. Damit weckt sie Verständnis für die Neuen in KiTa.

Die Geschichte ist zeitlos und trifft einen immer aktuellen Nerv. Es geht um Unsicherheit, ums Ankommen, um Integration. Die unglaublich schönen Bilder von Lars Baus erwecken das Erzählte zum Leben. Der Illustrator fängt Minas Gefühle berührend ein, veranschaulicht ihre Verlegenheit und Ängste, ihre Tapferkeit und Freude.

Beginnt Minas KiTa-Welt schwarz-weiß, kommt mit jedem Wort, dass sie versteht mehr Farbe in ihr Leben. Bis alles so farbenfroh ist wie es bei ihrer Familie immer schon war. Dabei erhalten wir Einblick in Minas Alltag und ihre Träume. Denn im Schlaf verarbeitet die Kleine die Abenteuer des Tages. Die Darstellung der Sprache und des gesprochenen Wortes finde ich sehr gelungen. Sehr verständlich.

Bilder sagen mehr als tausend Worte

Überhaupt, das Buch funktioniert ganz wunderbar ohne den begleitenden Text. Die Bildsprache sagt mehr als tausend Worte. Damit eignet sich „Mina entdeckt die Welt“ wirklich perfekt für die Zielgruppe: Sprachneulinge jeden Alters – in Kindergarten, Schule und auf der Arbeit. Denn so wie es Mina in der KiTa geht, so geht es wohl jedem, dem die Worte fehlen.

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„Kleiner Löwe, großer Mut“: Eine ganz persönliche Mut-Geschichte

"Kleiner Löwe, großer Mut" von Tom Belz, Carolin Helm und Alexandra Helm

„Wenn du schnell genug, tapfer genug, schön genug oder stark genug bist, dann schaffst du alles. Was aber, wenn du einfach ganz normal, strubbelig und vielleicht nicht der beste bist?“

Das fragte sich Abenteurer Tom Belz auf Instagram. Der Kilimandscharo-Bezwinger vermisste „Geschichten, welche Kindern beibringen, dass man nicht in allem der Beste sein muss“. Geschichten, durch die sie erkennen, Vertrauen in sich selbst zu haben. Geschichten, durch die sie erkennen, dass es manchmal Mut bedarf. Und so schrieb er sein ganz eigenes Mutmach-Buch. Die Geschichte vom kleinen Löwen Tobe.

„Das Leben ist da, um gelebt zu werden“

Tobe hat drei Beine. „Ein Bein hat Tobe nämlich verloren. Das passiert Löwen genauso wie Menschen. Manchmal ist eine Krankheit schuld, manchmal ein Unfall und manchmal ein Krokodil.“ Nun will Tobe aber wieder loslegen. „Das Leben ist da, um gelebt zu werden“.

Doch irgendwie läuft es nicht mehr rund. Seine Freunde wollen ihn schonen, beschützen, behüten; sie sorgen sich und lassen ihn gewinnen. Dabei ist Tobe doch noch immer Tobe. Er ist ein Löwe. Er will Löwensachen machen. Um es allen zu zeigen, will er auf den höchsten Berg laufen – „bis zu den Wolken“. Tobe erklimmt den Gipfel. Mutig und stark. So mutig und stark sogar, dass er erkennt: Es vollkommen in Ordnung auch mal Hilfe anzunehmen.

Tom Belz‘ erzählt in seinem Bilderbuch „Kleiner Löwe, großer Mut“ eine mitreißende, lehrreiche, Mut machende Geschichte. Ich las die Geschichte auf dem Spielplatz als Rezensions-PDF auf dem Familien-Tablet. Meine Jungs zündelten sehr konzentriert an imaginären Sandlagerfeuern. Doch der Dreijährige spinkste bei einem seiner Kontrollbesuchen auf’s Tablet. Und fragte mich, warum der kleine Löwe traurig sei. Das Ende des Buches war nah. So fasste ich zusammen was bisher geschah. Ich dachte, das würde dem Vizechef reichen. Pustekuchen! Nun wollte er alles ganz genau wissen. Alles sehen.

Sie schauten und lauschten und grinsten

"Kleiner Löwe, großer Mut" von Tom Belz, Carolin Helm und Alexandra Helm (Foto: arsEdition)
(Foto: arsEdition)

Der Sechsjährige gesellte sich zu uns und beide schauten und lauschten und grinsten. Irgendwie wissend. Irgendwie weise. Auf jeden Fall bezaubernd bezaubert. Dem Chef gefiel besonders, dass Tobe den Berg erklommen hatte. Sich nicht aufhalten lies. Sein Ding machte. Dem Vize gefiel es, dass ihm geholfen wurde. Und wie ihm geholfen wurde. Und dass das für den kleinen Löwen dann auch ok war. Ich liebe meine Kinder! ?

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„Sonntag, Montag, Sternentag“ von Anna Woltz

"Sonntag, Montag, Sternentag" von Anna Woltz

Nora ist ein Nerd. Eine pfiffige Erfinderin, die sich gegen ihre großen Brüder zu wehren weiß. Etwa mit einem selbstgebauten Drachen. Und vielleicht hilft beim neuen Nachbarsjungen ja ein Jungen-Pümpel? Mit dem könnte sie den Kopf des Jungen entstopfen. „Und dann würde er sich normal benehmen.“

Erst einmal platzt der neue Nachbarsjunge aber plötzlich in ihr Zimmer. Mitten in der Nacht. Durch eine Luke, die Nora bisher nie bemerkt hatte. Und so lernt sie Ben kennen. Ben liebt Sterne. Er weiß alles über sie. Er soll ein Referat über sie halten. Doch wenn die ganze Klasse ihn anstarrt? Das geht nicht! Aber: Erfinderin Nora weiß Rat.

Scharfsinnig, vielschichtig, emanzipiert

„Sonntag, Montag, Sternentag“ steckt voller Wärme und Witz, voller Mut und Herz. Woltz schreibt scharfsinnig, vielschichtig, emanzipiert, divers. Ein dünnes, starkes Büchlein – ganz dicht gepackt mit großen, kleinen Lebenslehren. Was für eine wundervolle Geschichte!

Das Buch richtet sich an Leseanfänger ab sieben Jahren. Und ja: Knackig in einfacher Sprache und kurzen Kapitel erzählt und in angenehmer Schriftgröße gedruckt, kommen geübte Erstleser bestimmt zurecht. Zusammen mit den locker-lebendigen Illustrationen von Lena Hesse strengt die Lektüre nicht an.

Mein Erstklässler hat vor soviel Text aber noch zu großen Respekt. Das ist ok. Denn eigentlich fände ich es wirklich schade, wenn er solch schöne Geschichten schon ohne mich entdecken würde. Ich bin dabei einfach viel zu gerne an seiner Seite. ?

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