„Erden“ von Dóri Varga

Die zweisprachige Lyrik-Sammlung „Erden“ von Dóri Varga auf bretonischem Granit. In der Ferne sieht man das Meer.

„Dieser Körper
ist eine Abbildung jedes Atemzugs.
Dieser Körper
ist der Klang von Zuhause.“

Aus „Kenne mich“ (Seite 57)

„Erden“ versammelt feministische Poesie; unabhängig und selbstständig – frei. Dóri Varga widmet ihren Gedichtband hoffnungsvollen Frauen. Und Frauen sind immer (wieder) Thema ihrer 26 Gedichte, die in diesem wunderschönen Buch zusammen gefunden haben. Aus ihrer Lyrik quellen wilde, wirre, weibliche Gedanken verschiedener Phasen des Lebens und der Liebe.

Schutzumschlag-Rückseite der Poesiesammlung „Erden“ von Dóri Varga

„So I let my heart break
Make room
For loving you more.”

Aus „Pines and Qudhacs“ (Seite 46-53)

Die zweisprachige Lyriksammlung der Weltbürgerin Varga verführt zum Immerwiederdrinblättern. Dazu, die Wörter des Gelesenen im Kopf zu jonglieren. Sie schmelzend über Wunden zu gießen. Bröckelnd in Gedanken zu streuen. Sie inspiriert zu Eigensatzfragmentschöpfungen und schafft kreative Miniaturauszeiten.

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„Die Bücherjägerin“ von Elisabeth Beer

Der Roman „Die Bücherjägerin“ von Elisabeth Beer in Rosmarin

„Solange ich mich erinnern kann, ist die Welt manchmal zu laut, zu bunt, zu hell, zu schreiend. Nicht immer, aber ab und an. Dann fühlt sich jede Berührung falsch an, zu heiß, zu kalt, zu intensiv.“

Als Sarahs Tante Amalia stirbt, zieht das der jungen Frau den Boden unter den Füßen weg. Seit Kindertagen war die charakterstarke Frau nicht nur Elternersatz, verständnisvoller Beistand und warmherzige Mentorin. Durch sie lernte sie Bücher lieben. Fand ihren Traumberuf. Wurde Restauratorin für alte Karten und Folianten. Und jagte mit ihr als Bücherjägerin literarische Kostbarkeiten.

Nun – nach Amalias Tod – scheint alles zusammenzubrechen. Die Rechnungen stapeln sich. Sarah weiß nicht mehr weiter. Bis Benjamin Ballantyne in ihrem Leben auftaucht. Amila stellte dem Bibliothekar der Britischen Bibliothek den Fund eines außerordentlichen Schatzes in Aussicht: Den verschollenen Teil der Tabula Peutingeriana.

Gegen ihre menschenscheue und introvertierte Gewohnheit, lässt sich Sarah auf das Abenteuer ein. Und begibt sich mit dem (sehr gut aussehenden) Benjamin Ballantyne auf einen lebensverändernden Roadtrip.

„Ich bin nicht besonders gut mit Menschen, besonders nicht darin, ihre Gefühle zu lesen… Ich meine, dass Menschen zu kompliziert sind, und wenn alle einfach sagen würden, was sie meinen, anstatt alles immer so kompliziert wie möglich zu machen, hätte ich gar keine Probleme damit.“

Über den Tod, das Abschiednehmen und die Liebe

Rückseite des Romans „Die Bücherjägerin“ von Elisabeth Beer

Ein Setting im Kölner Villenviertel Marienburg und eine nerdige Buchverliebte – ich war ein leichtes Opfer für „Die Bücherjägerin“. Wie könnte ich an einem Roman mit bücherliebenden Protagonisten vorbei gehen? Der die großen Fragen nach dem Umgang mit Verlust und Liebe stellt? Natürlich musste ich ihn lesen!

Tat ich mich erst schwer in die Komma-reichen Sätze einzufinden, genoss ich Sarahs Aufbruch sehr. Ihre Gedanken über den Tod, das Abschiednehmen, ihren Schmerz gingen mir nahe. Die Einblicke in ihre Entwicklung, in die gemeinsame Vergangenheit mit ihrer Tante und Schwester berührten mich. Ich verstand so Vieles zu gut.

Die französische Episode mit dem wundervollen Jean, der Amalia auf seine Weise so groß liebte – was fühlte ich mit. Was ging es mir zu Herzen. Überhaupt mochte ich die unterschiedlichen Arten der Liebe, die in dieser Geschichte Raum finden. Schließlich gibt es neben der romantischen Liebe noch weit mehr, genauso intensive Liebesverbindungen.

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„Nordische Mythen“ von Matt Ralphs und Katie Ponder

Das Buch „Nordische Mythen“ von Matt Ralphs und Katie Ponder vor einer Mauer in Herbstlaub stehend

Spätestens seit sie die „Drachenzähmen“-Reihe für sich entdeckten, sind Chef (10) und Vizechef (7) nicht nur verliebt in Drachen. Sie sind auch vollkommen fasziniert von der Welt der Wikinger und ihren Gottheiten. Besonders den Vize treibt die Frage, ob es machtvolle Wesen gibt, welche die Wege der Menschen kreuzen. Vielleicht auch lenken oder behindern.

Dementsprechend gespannt waren wir alle auf die reich illustrierte Enzyklopädie „Nordische Mythen: Von launischen Gottheiten, mutigen Helden und schaurigen Ungeheuern“. Da meine Jungs das ebenfalls im DK Verlag erschienene „Magische Fabelwesen und mythische Kreaturen“ sehr lieben, waren sie voller Vorfreude. Doch leider konnten die nordischen Mythen ihre hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Zu kühl und kantig fanden sie die Illustrationen; zu sperrig und altmodisch den Text.

Eher für ältere Mythen-Fans

Die Rückseite des Buches „Nordische Mythen“ von Matt Ralphs und Katie Ponder

Und ich versteh sie. Denn Matt Ralphs erzählt die Legenden der Nordländer sehr klassisch. Nicht sonderlich frisch. Und so gar nicht kindlich. Mit wörtlicher Rede und einer etwas modernisierten Sprache hilft er älteren Mythen-Fans durch die Göttergeschichten. Doch auch ich tat mich schwer. Dabei kämpfte ich mich vor rund 20 Jahren durch eine noch wesentlich drögere Übersetzung nordischer Mythologie. Zwar empfiehlt der Verlag beide Bücher für Leser ab 10 Jahren, doch empfinde ich das Fabelwesen-Buch als wesentlich kindgerechter als diese nordischen Mythen.

Meine Kinder verloren also recht schnell das Interesse an den brutalen Geschichten der Götter und Göttinnen. Was ich – ehrlich gesagt – begrüßte, weil die Erzählungen schon reichlich grausam und blutreich sind. Munter schlachten und köpfen sich die Gottwesen durch ihre Tage.

Übersichtliche Steckbriefe der Gottheiten

Weswegen wir dann doch immer mal wieder zum Buch griffen, waren die Porträt-Seiten. Auf denen je eine Protagonistin der Wikingergeschichten vorgestellt wird. Odin und Frigg, Thor, Sif, Loki, Baldur, Heimdahl und Idun – die Steckbriefe der Gottwesen fand der Vize höchst interessant. Genauso die Erläuterungen zu den magischen Kreaturen und fantastischen Tierwesen wie der Midgardschlange, den Riesen Hymir und Skadi, den Schmieden Brookk und Sindri, oder auch Fenrir und Hel.

Ausschnitt einer Innenseite der Enzyklopädie „Nordische Mythen“ von Matt Ralphs und Katie Ponder

So möchte ich dieses kunstvoll aufbereitete Sagenbuch Jugendlichen und Erwachsene mit einem Fable für die nordische Götterwelt ans Herz legen. Die Ästhetik der Bilder passt an sich ganz großartig zu den brachialen und archaischen Wikingerkulten. Für Liebhaber der Legenden um Odin Co. ist dieses Buch bestimmt ein fantastisches Weihnachtsgeschenk. 😉

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„Wovon die Sterne träumen“ von Manon Fargetton

Der Roman „Wovon die Sterne träumen“ von Manon Fargetton

„Die Welt ist klein. Sehr klein.
Es ist schon fast ein Jahrhundert her, dass ein ungarischer Schriftsteller in einer seiner Erzählungen die Idee entwickelt hat, jeder Mensch auf diesem Planeten sei mit dem anderen beliebigen Menschen über eine Kette von fünf Beziehungen verbunden.“

Seit Wochen verkriecht Titouan sich in seinem Zimmer. Baut einen Wald aus Lego-Steinen um sich herum. Geht noch nicht einmal zum Essen nach unten. Lässt sich auch nicht von seiner kleinen Schwester Lila herauslocken. Dass morgen die Ferien vorbei sind und die Schule beginnt, wird ihn auch nicht aus seiner Zuflucht holen.

Alix‘ Herz schlägt für das Theater. Unbedingt will sie auf die Schauspielschule in Paris. Der Theaterkurs in der Schule bereitet sie darauf vor. Er ist ihr Reich. Ihr Allerheiligstes!

Ihr Vater Armand war immer für Alix da. Er liebt seine Tochter bedingungslos. Aufopfernd. Will jede Minute mit ihr nutzen, bevor sie ihr Nest verlässt.

Theaterlehrerin Gabrielle blickt abgeklärt auf das Leben und die Liebe. Zwischen ihren Liebschaften gibt ihr bester Freund Armand ihr beständige Sicherheit.

Vor zwei Jahren starb Lucien. Seitdem ist Luce allein. Nach so vielem Jahren, nach einem Leben zu zweit.

„Und während sie zuschaut, wie sich die bunten Papageien hinter dem Gitter der Voliere tummeln, kommt Luce zu dem Schluss, dass unser Lebensmut – jedenfalls zum Teil – in proportionalem Verhältnis zur Zahl der Menschen steht, die uns lieben. Und sie hat niemanden mehr.“

Mutige Emotionen

Die Rückseite des Romans „Wovon die Sterne träumen“ von Manon Fargetton

Ach, was litt ich mit Luce. Alte Liebe bringt mich immer zu Fall. Und ich falle so gerne! Hinein in diese Gefühle. Luce, oh Luce – was beeindrucktest Du mich! Aber nicht nur Du.
Auch die anderen Protagonisten imponierten mir. Mit ihrem Mut zur Emotion; zu ihren Ängsten. Ihren Überwindungen. Dabei waren sie so echt in ihrem Zurückschrecken. In ihren Fluchten und Verleugnungen. Ihren Wünschen. Und in ihrer Trauer.

Selbst die Nebenfiguren brillierten, egal ob Klassenkameraden, Crépe-Bäcker oder abwesende Mütter. Allen voran aber Titouans Familie, die einfach nicht begreift, was in dem Teenager vorgeht. Die sich durch all die Phasen der Sorge quält: Verständnis, Ignoranz, Wut, Verzweiflung, Resignation. In der jeder anders mit dem Jungen umgeht. Mit der Liebe zu ihm.

Liebe – kompliziert, vielschichtig, schmerzhaft

Liebe! Die lungert hier auf allen Seiten: Platonische Liebe, romantische Liebe, Nächstenliebe, Kinderliebe, Elternliebe – kompliziert, vielschichtig, schmerzhaft.

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„Vakuum: Meide den Nebel“ von Antje Wagner

Der Jugendroman „Vakuum: Meide den Nebel“ von Antje Wagner im herbstlichen Efeulaub liegend.

Koras Alltag ist immer gleich. Jeden Tag. Das ist das Schlimmste am Gefängnis. Dieses ewig gleiche Einerlei. Auch Tamara fühlt sich eingeschlossen. Von Ihrer Adoptivmutter nach einer Krankheit in Watte gepackt, sehnt sie sich nach Freiheit. Und Wissen.

Hannes dagegen könnte ein abwechslungsreiches Leben führen. Doch er verschläft die Tage. Findet nachts keine Ruhe. Vergrault seine beste Freundin und fährt Abend für Abend raus zum Golfplatz, um seine Schilder zu kontrollieren. Getrieben von seinen ganz eigenen Dämonen.

Alissa und Leon kennen solche Dämonen ebenfalls. Die Geschwister flüchteten mit ihren Eltern erst vor Kurzen vor ihrer Vergangenheit. Vor den flüsternden Nachbarn. Den Gerüchten und dem Getuschel. In der neuen Stadt scheint alles besser. Bis bei einem Ausflug plötzlich Alissas Freunde spurlos verschwinden.

Auch Kora, Hannes und Tamara sind plötzlich allein. Komplett allein. Alle Menschen und Tiere sind verschwunden. Nur der jäh auftauchende Nebel scheint lebendig.

Mystischer Road-Trip

Rückseite des Mystery-Romans „Vakuum: Meide den Nebel“ von Antje Wagner

„Vakuum: Meide den Nebel“ ist ein atmosphärisch dichter Mystery-Roman, der altbekannte Horror-Elemente aufgreift und geschickt neu inszeniert. Die jugendlichen Protagonisten straucheln durch einen Road-Trip. Mehr oder weniger traumatisiert. Verunsichert, verängstigt, wütend, schuldgepeinigt. Erdrückt von ihren persönlichen Tragödien.

Das Schicksal der fünf Kids ging mir nahe. Ihre Zusammenführung, ihre Entwicklung, das Tempo mochte ich sehr. Wie auch die Charaktere an sich. Die ich am liebsten allesamt in die Arme genommen hätte. Ihnen gesagt hätte, dass alles gut wird. Sie ok sind. Das Leben nicht fair ist. Schlimme Dinge geschehen. Auch wenn sie nicht geschehen sollte. Ich verschlang Seite um Seite. Las lange kein Buch mehr so zügig.

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„Elle(s): 1. Die Neue(n)“ von Kid Toussaint und Aveline Stokart

Das Cover des Comics „Elle(s): 1. Die Neue(n)“ von Kid Toussaint und Aveline Stokart

Nachdem Elle die Schule gewechselt hat, geht es ihr eigentlich sehr gut. In der Clique von Otis, Maȅlys, Farid und Line findet sie gute Freunde. Fühlt sich wohl und angekommen. Doch dann steht sie in der Schule unter Druck. Wird mit Gerüchten konfrontiert. Streitet sich mit ihrer Mutter. Und wieso beobachtet dieser Fremde sie? Macht Fotos?

Plötzlich verhält sich Elle merkwürdig. Mal ist sie nett, mal abweisend. Mal ehrgeizig, mal super witzig; dann wieder verschlossen und schweigsam. Als gäbe es mehrere Elles.

Und ja, es gibt Mehrere. Seit ihrer Kindheit schon. Zusammen mit ihren neuen Freunden stellt sich Elle ihren Persönlichkeiten und ihrer Vergangenheit.

Bonbonbunt und beängstigend

Rückseite des Comics „Elle(s): 1. Die Neue(n)“ von Kid Toussaint und Aveline Stokart

„Elle(s): 1. Die Neue(n)“ ist der erste Teil einer psychologisch spannenden Graphic Novel-Reihe. In Kid Toussaints Comig-of-Age-Comic prallt das Thema der Dissoziativen Identitätsstörung auf bonbonbuntes Teenie-Leben. Aveline Stokart illustriert Diskrepanz und Parallelen zwischen normalem Teenie-Wahnsinn und krankhaftem Zerrissen-sein intuitiv verständlich. Warm und lebendig, kalt und düster. Vielfältig verwirrend. Beängstigend.

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„Die letzten Hexen von Blackbird Castle“ von Stefan Bachmann

Der fantastische Roman „Die letzten Hexen von Blackbird Castle“ von Stefan Bachmann lehnt an einer alten Backsteinmauer. Im Vordergrund ragt eine weiße Rose ins Bild.

„Sehr geehrte Miss Zita Bridgeborn.
…Ich habe Grund zu der Annahme, dass Sie die Alleinerbin von Blackbird Castle sowie dem Umgebenden Anwesen sind, einschließlich aller Gelder, Konten, Ländereien und Besitztümer, die dazu gehören.“

Das kann Dienstmädchen Zita kaum glauben. Dennoch packt sie ihre wenigen Sachen und macht sich auf den Weg nach Blackbird Castle. Wo sie schnell herausfindet, dass sie nicht nur das Anwesen mit allem Drum und Dran erben, sondern – vor allem – eine Hexe sein soll. Wenn sie denn wirklich die verloren geglaubte Tochter der letzten Hexe des Hauses ist.

Was Zita selbst am wenigsten glauben kann. Doch die Bediensteten Minnifer und Bram sowie zahlreiche gute Geister des Schlosses helfen der Zwölfjährigen ihr wahres Potenzial zu entfalten. Und das gegen Widerstände, Intrigen und dunklen Familiengeheimnisse.

„Aber ich bin noch neu hier und weiß kaum etwas darüber, wie es ist, eine Hexe zu sein.“ „Entschuldige mal“, sagte er. „Und wie glaubst du, wirst du das lernen? Indem du so tust als ob, natürlich. Und indem du es so überzeugend tust, dass du dich selbst und alle anderen dazu bringt, es zu glauben. Denn am Ende tun wir doch alle nur so, als wären wir das, wofür und die Leute halten…“

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„Die Lesereise“ von Andi Watson

Diese grandiose Graphik Novel wartet schon viel zu lange auf ihre Vorstellung. Immer wieder scheiterte ich an den richtigen Worten, um die ausgeklügelt hintersinnige Geschichte zu beschreiben. Doch will ich, dass Ihr sie beachtet. Also haue ich sie jetzt einfach raus: Meine Vorstellung und Lobhudelei zu „Die Lesereise“.
Die Graphic Novel „Die Lesereise“ von Andi Watson vor einer alten Bruchsteinmauer

Autor G.H. Fretwell begibt sich auf Lesereise, um seinen Roman „Ohne K“ zu bewerben. Doch der Koffer mit all seinen Büchern wird ihm am Bahnhof entwendet. Ein verständnisloser Polizist nimmt den Fall genervt auf.

„Bücher? Keine Wertsachen?“

Auch seine Signierstunden laufen nicht wie erhofft. Ein anderer Autor kommt ihm immer zuvor. F.P. Guise ist mit seinem neuen Buch „Sierra Umbra“ in aller Munde. In jedem literarischen Feuilleton. Scheint allgegenwärtig begehrt.

Für Fretwell interessiert sich dagegen niemand. Zwischen wohlwollend und fahrig ignorant empfangen ihn die Buchhändler und Buchhändlerinnen. Bei den Hotelbuchungen scheint so einiges schief gelaufen zu sein. Sein Verleger lässt sich verleugnen. Und seine Frau bleibt bei ihren Telefonaten spröde und wortkarg. Als eine Buchhändlerin ermordet aufgefunden wird, verwandelt sich die Lesereise für den feinfühligen Schriftsteller immer mehr zum Albtraum.

Kafkaeske Graphic Noir

Rückseite des Comic Romans „Die Lesereise“ von Andi Watson

Ich las die Graphic Novel inzwischen zwei Mal. Zwischendrin durfte auch mein Mann ran. Der ebenfalls voll des Lobes war. Und ich kann mir durchaus vorstellen auch noch ein drittes oder viertes Mal zu diesem abgefahrenen Krimi Noir der Verlagswelt zu greifen.

Andi Watson begeisterte mich mit seiner raffinierten Lesereise vollumfänglich. In sparsamen Strichen bilden schlichte schwarzweiß Szenen eine kafkaeske Groteske, welche die Irrungen und Wirrungen des Menschlichen schmerzhaft treffend aufs Papier bringt. Das Comicbuch ist stimmungsvoller Krimi Noir und bissige Sartire.

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„Die Schokoladenfabrik – Die Tochter des Apothekers“ von Rebekka Eder

Der historische Roman „Die Schokoladenfabrik - Die Tochter des Apothekers“ von Rebekka Eder vor dem Bürgerhaus Stollwerck in Köln

Köln, 1838: Anna Sophia hilft ihrem Vater in seiner Apotheke, indem sie Hustenbonbons herstellt. Deren Rezept sie aus altem Heilwissen entwickelte, welches sie von ihrer Mutter und Großmutter erhielt. Und auch wenn die Kamellen nicht nur schmecken, sondern auch wirklich helfen – Ihr Vater darf auf keinen Fall erfahren, über welch Wissen seine Tochter verfügt. Geht dem alten Apotheker doch nichts über moderne Wissenschaft. Trotz ihres Geheimnisses ist Anna Sophia glücklich. Schließlich soll sie bald den galanten Gesellen ihres Vaters heiraten.

Doch als Bäcker Franz Stollwerck von seinen Wanderjahren in seine Vaterstadt heimkehrt, gerät das Leben der Apothekerstochter aus den Fugen. Der Freund aus Kindertagen wirkt erwachsen und stattlich. Außerdem beschleichen die junge Frau böse Ahnungen bezüglich ihres Verlobten…

Familienepos mit historischen Fakten

Rückseite des historischen Romans „Die Schokoladenfabrik - Die Tochter des Apothekers“ von Rebekka Eder

Diese Ahnungen sind nicht die einzigen, die Anna Sophia während der Geschichte haben wird. Ihre Visionen verleihen dem Historischen Roman einen mystischen Hauch, der mich durchaus ansprach.

Als gebürtige Kölnerin begeisterten mich auch die Details Kölner Stadtgeschichte (1838 bis 1849). Genauso wie die Hintergründe des Schokoladenfabrik-Gründer Stollwerck. Rebekka Eder verwebt eine Fülle feiner Fäden geschichtlicher Fakten in ihr fiktionales Familienepos. Und schafft so einen atmosphärischen Rahmen für mehr als eine wagemutige Liebesgeschichte.

Denn Anna Sophia ist nicht die einzige Frau in „Die Schokoladenfabrik – Die Tochter des Apothekers“, welche ihrem Herzen folgt. Auch ihre Schwester Wilhelmine bricht mit Konventionen. Wagt zur damaligen Zeit Undenkbares und rückt den Blick der Leser*innen auf die prekäre Situation der Frauen des 18. Jahrhunderts.

Neben diesen beiden starken weiblichen Hauptfiguren des Romans, folgen wir auch noch Kaspar Rockstroh. Einem herzensguten, jungen Mann aus dem Heimatdorf von Anna Sophias Mutter. Der ebenfalls seinem Herzen folgt. Ebenfalls Konventionen bricht. Und dabei vielleicht die größten und erschütterndsten Dramen des Buches erlebt.

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„Vögel: 300 Arten entdecken & bestimmen“ von Jonathan Elphick und John Woodward

Das Vogelbestimmungsbuch „Vögel: 300 Arten entdecken & bestimmen“ von Jonathan Elphick und John Woodward

Die Vögel zwitschern den Frühling herbei. So zumindest kommt es mir vor, wenn ich morgens um irgendwas vor 6 Uhr das Fenster schließe. Weil sie mir zu laut sind. Die musikalischen Federbälle. Allerdings wird es auch langsam Zeit mit dem Frühling. Also sollen sie ruhig lärmen.

Aber wer trillert da eigentlich? Wer tiriliert? Das wüssten wir schon gern. Außer unseren berühmten grünen Papageien (Alexandersittiche), Rotkehlchen und Elstern erkennen wir kaum einen Vogel, der durch unseren Kölner Hinterhof hüpft. Obwohl es hier noch so viel mehr bunte Vögel gibt.

Deswegen zog das ornithologische Handbuch „Vögel: 300 Arten entdecken & bestimmen“ von Jonathan Elphick und John Woodward bei uns ein. In diesem kompakten Taschenbuch finden wir von Aaskrähe, Bergfink und Dohle über Geier, Habicht und Meise bis Schwarzstorch, Reiher und Zwergtrappe über 300 Vögel aus ganz Europa. Auf über 1600 farbigen Fotos und Illustrationen entdecken wir farbenfrohe Vielfalt und gedeckte Tarnkleider.

Dabei gliedert der Vogelführer das Federvieh in sechs Gruppen:

Rückseite des Vogelbuches „Vögel: 300 Arten entdecken & bestimmen“ von Jonathan Elphick und John Woodward
  1. Singvögel
  2. Hühnervögel & weitere Gruppen
  3. Watvögel
  4. Wasservögel
  5. Seevögel
  6. Eulen & Greifvögel

Zu jeder Gruppe gibt es einen Einleitungstext mit gemeinsamen Merkmalen und Stimmungsbild. Pro Seite stellt das Vogelbuch dann zwei Arten vor. Arten mit vielfältigen Variation wie Bluthänfling oder Rauchschwalbe präsentieren sich auf einer Einzelseite.

Trotz des handlichen Formats des Taschenbuches finden wir jede Menge Wissen auf den Seiten:

  • Natürlich den wissenschaftlichen Namen des Vogels
  • Eine Beschreibung mit den wesentlichen Merkmalen und Ähnlichkeiten zu anderen Arten
  • Eine Abbildung des Vogels im Flug
  • Einen Kasten mit den Schlüsselinformationen (Stimme, Brutbiologie, Nahrung, Ähnliche Arten)
  • Ein Umrisszeichnung mit Vergleichsgröße (Schwan, Ente, Taube, Sperling)
  • Eine Karte mit dem Verbreitungsgebiet
  • Ein Foto des Vogels in seinem natürlichen Lebensraum mit Beschreibung
  • Illustrationen mit unterschiedlichen Gefiederfärbungen

Besonders die Umrisszeichnungen mit den Vergleichsgrößen finde ich enorm praktisch. So habe ich sofort eine Größenvorstellung. Die unfassbar vielen Bilder vermitteln dazu einen sehr präzisen Eindruck. Perfekt zum Vergleich mit dem lebendem Objekt. Oder – entspannter – mit einem Foto des letzten Spaziergangs. Ergänzt wird das Lexikon mit einer Einführung in die Vogelanatomie und Vogelbestimmung.

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