„Pauls Garten“ von Timon und Julian Meyer

„Pauls Garten“ von Timon und Julian Meyer

„Der Paule hat den schönsten Garten
mit den saftigsten Tomaten…“

Paul liebt seinen Garten. Dort wuselt und schuftet er von morgens bis abends. Auch Schweinchen Erna möchte gärtnern. Was dem Paul nur recht sein kann. Denn zusammen gelingt es noch viel besser.

Geduldig hegen sie den Garten. Üben sich in langem Warten. Bis der Tag der Ernte kommt. Doch was muss Paul am Morgen sehen? All die Rüben, Äpfel, Beeren – sind verschwunden. Nichts ist übrig von der Pracht. Was ist bloß geschehen, in der Nacht?

Erna war’s! Verschenkte alles. Zu groß war wohl das Schweineherz. Der Paul schaut traurig in die Röhre. Grummelt bitter vor sich hin. Bis sich nach und nach der Garten, füllt mit Nachbarn und mit Gaben. Gewonnen aus des Gartens Früchten. So dass am Ende alle feiern. Zusammen. Wie es wohl am schönsten ist.

„Dank Erna hat Paul statt Tomaten
neue Freunde nun im Garten.“

Summende Reime und wuselbunte Bilder

„Pauls Garten“ von Timon und Julian Meyer
„Pauls Garten“ von hinten

Seit „Heute nicht, doch vielleicht morgen“ sind wir große Meyer-Fans. Die Brüder ergänzen sich in Wort und Bild so wunderbar. Wiedermal. Timon Meyers Reime summen durch Pauls Garten. Den Julian Meyer herrlich wuselbunt zu Leben erweckt.

Am liebsten würden wir mit anpacken. Verstehen Erna so gut. In diesem Garten will man arbeiten. Mit den Händen in der Erde wühlen. Den Bienen zuhören und den Schmetterlingen zuschauen. Und natürlich ernten.

Oh, was waren wir entsetzt. Verstanden auch den Paul so gut. Wo sind die ganzen Schätze hin? Was? Erna? Warum? Wir standen etwas ratlos da. Bis die beschenkten Tiere zurückkamen. Apfelmus und Kuchen brachten. Und beim wundervollsten Erntefest alle glücklich zusammensitzen.

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„Das Kaninchen, die Dunkelheit und ein Trick“ von Nicola O’Byrne

Nicola O'Byrne: „Das Kaninchen, die Dunkelheit und ein Trick“
Nicola O’Byrne: „Das Kaninchen, die Dunkelheit und ein Trick“

Das wuselige Kaninchen ist gar nicht müde. Die Dunkelheit nervt! Wenn es gar nicht dunkel werden würde, dann müsste es auch nicht schlafen.
„Und schwupps!, hatte es eine eine Idee.“

Kurzerhand trickst das schlaue, kleine Wesen die gutmütige Dunkelheit aus. Sperrt sie in eine Keksdose – „…Schnapp!“
Welch Freude!

Doch andere Tiere brauchen die Dunkelheit. Und irgendwie wird das Kaninchen auch immer mürrischer. Natürlich überhaupt gar nicht, weil es müde wäre…

Als auch noch seine Karotten durch die Dauersonne in Gefahr geraten, sieht selbst das sture Kaninchen ein, dass die Dunkelheit auch gute Seiten hat. Sie sogar wunderschön sein kann!

Ganz große Bücherliebe

Nicola O'Byrne: „Das Kaninchen, die Dunkelheit und ein Trick“

„Das Kaninchen, die Dunkelheit und ein Trick“ von Nicola O’Byrne war ein Highlight meines Kinderbuchjahres 2020. Wie das knuffige Kaninchen kinderschlau die Dunkelheit austrickst. Die Nacht besiegt. So stolz ist, auf diesen Erfolg.

Mit welcher Geduld die Dunkelheit mit dem kleinen Trotzkopf redet. Auf die negativen Folgen hinweist. Nicht wütend wird. Sondern das Kaninchen seine Erfahrung machen lässt. Darauf wartend, dass es schon einsehen wird.

Um es dann liebenswürdig zu überwältigen. Mit umwerfenden Aussichten und der Erkenntnis, dass die Dunkelheit noch viel mehr kann, als kleine Kaninchen ins Bett zu bringen. Das löste bei mir ganz große Bücherliebe aus.

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„Lucias Leuchten“ von Ian de Haes

„Lucias Leuchten“ von Ian de Haes
„Lucias Leuchten“

Lucia strahlt! Wie eine kleine Supernova. Superleuchtend. Mit ihrem Licht erhellt sie finstre Ecken. Ok, verstecken fällt Lucia ganz schön schwer. Dafür braucht sie beim Lesen unter der Bettdecke keine Taschenlampe.

„Lucia liebt ihr Licht. Sie fühlt sich außergewöhnlich.“ Bis sie in die Schule kommt. „Leuchten ist keine Superkraft! …nur zu leuchten ist nichts Besonderes.“

Dieser Satz lässt Lucia zweifeln. Erschüttert ihr Selbstvertrauen. Aber warum starren sie trotzdem alle an? Sie will doch gar nicht auffallen…

Eine wahre Superheldin

„Lucias Leuchten“ von Ian de Haes
Lucias Rücken

Von nun an verbirgt Lucia ihr Leuchten. Dabei ist sie so gründlich, dass ihr Licht fast ganz verlischt. Doch als ihre kleine Schwester in der Dunkelheit weint, tröstet sie sie mit ihrem Glimmen. Entfacht ihr Strahlen erneut. Und versteht, dass sie ihr Licht teilen kann. Wie ein wahre Superheldin.

Ian de Haes‘ Illustrationen scheinen selbst zu leuchten. Der Belgier bannt wundervolle Lichteffekte auf‘s Papier – mal warm, mal kühl, hier dezent, dort blendend. Jede Seite, jeder Ton trifft Lucias Stimmung perfekt. Verstärkt Freude oder Unsicherheit, Angst und Stärke. De Haes‘ Bilder berühren.

So inspiriert „Lucias Leuchten“ hoffentlich ganz viele Menschen – Große und Kleine – ihr eigenes Leuchten zu sehen. Ihr Strahlen zu erkennen, zu lieben und es zu teilen.

Bringt Licht und graue Tage

„Lucias Leuchten“ von Ian de Haes
„Lucias Leuchten“

Jedenfalls hat es uns Licht in diese schwierige Zeit gebracht. Chef (7) und Vizechef (4) mochten die strahlende Lucia ganz arg. Verstanden nicht, warum sie sich plötzlich verstecken wollte. Ganz traurig schauten sie dabei zu, wie ihr Leuchten weniger wurde.

Umso mehr freuten sie sich, als sie ihr Licht wieder entfachte. Sogar teilte. Besonders der Vize begann sofort selbst zu strahlen. Dann erzählte ich meinen Jungs, dass sie für mich auch so strahlen. Seit ihrer Geburt. Genauso hell wie Lucia.

Was glühten sie da auf! Schauten erst verwundert. Um sich dann ganz stolz, ganz glänzend gegenseitig anzulächeln.

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Yuval Zommer: „Der Weihnachtsbaum, den niemand wollte“

Yuval Zommer: „Der Weihnachtsbaum, den niemand wollte“

Seit Tagen rezitieren meine Kinder dieses Buch. Laufen grinsend durch die Wohnung und flüstern: „Ich bin eine Fichte und das ist meine Geschichte“. Es könnte gruselig sein. Wenn es nicht so niedlich wäre.

Denn mit diesen Worten beginnt das zauberhafte Winter-Weihnachts-Bilderbuch „Der Weihnachtsbaum, den niemand wollte“. Yuval Zommer illustrierte die Geschichte der Fichte nicht nur, er dichtete auch die feinen Reime. Welche Cornelia Boese wunderbar ins Deutsche rettete. Nur der Titel verlor leider seine Hintergründigkeit. Denn „The Tree That’s Meant To Be“ („Der Baum, der sein soll“) spielt sehr passend mit der Message der Fichtengeschichte.

Die steht nämlich im Wald und entwickelt sich gar nicht so, wie man es von einem hübschen Baum erwartet. Ist krumm und klein. Fühlt sich bedeutungslos. Schließlich kommt die Winterzeit.

Ein Fest in Sternglanz

So viele Bäume sieht die Fichte gehen. Nur sie selbst, sie bleibt „auf der Lichtung stehen“. Bis am Morgen die Tiere kommen. Sie schmücken das Bäumchen und tanzen. Und feiern ein Fest in Sternglanz. Und die Fichte? War glücklich. War wer! Und wächst weiter. Im Wald.

„Ich wachse und gefalle mir.
Bin immer grün und immer hier.“
Yuval Zommer: „Der Weihnachtsbaum, den niemand wollte“

Ich las die Geschichte erst mit dem Vizechef (4). Er war ganz hin und weg von den weichen Zeichnungen. Dem Winterwald. Den Tieren. Er trauerte mit der Fichte, als sie niemand wollte. Und strahlte, als die Tiere sie schmückten. Als die Nacht im Wald voll Zauber leuchtete. Und was freute er sich für das Bäumchen, als es sich angenommen fühlte. Angekommen, akzeptiert und geliebt. Es war gut. Ganz so, wie es war.

Als der Chef (7) aus der Schule kam, mussten wir das Buch sofort noch einmal lesen. Der Vize bestand darauf. Anschließend fragte ich den Zweitklässler, wie ihm das Buch gefiel. „Gut!“

Doch nach dieser Standardantwort formulierte er seine Gedanken diesmal aus. Er fände es toll, dass gezeigt werde, dass man anders sein darf. Dass es ok ist. Das Buch sollte man allen Kinder zeigen, die nicht so viele Freunde haben. Die dazu gehören wollen. Denen es aber schwer fällt. Und natürlich auch denen, die manchmal doof sind zu den anderen. Die sollten erkennen, dass die Anderen auch cool sind.

Tja, was soll ich da noch sagen. Der Chef hat recht!

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Heyjin Go: „Schneeglück verschenken“

Heyjin Go: „Schneeglück verschenken“
„Schneeglück verschenken“

Als endlich die Wintersonne hervorkommt und den frisch gefallenen Schnee bestrahlt, kommen die Waldtiere aus ihren Höhlen. Kaum sind sie draußen, läuft auch schon die schönste Schneeballschlacht. Dabei sind Hase, Fuchs und Schwein alles andere als leise. Ehe sie sich versehen, erwacht Herr Bär aus seinem Winterschlaf.

Auwei, auwei! Doch Herr Bär ist nicht lange verärgert. Zu schön ist der zuckerwatteweiße Wald. Zu gerne würde er seinen Freunden den Girlitzen den Winterwald zeigen. Dieses weiche kühle Wunder. Aber die Vöglein verbringen den Winter wie immer im Warmen. Nun, vielleicht kann er ihnen ein den Schnee schicken? Die anderen Tiere helfen ihm fleißig. Schließlich bringt Herr Bär einen stattlichen Schneemann zur Post.

Bei den Girlitzen angekommen, hat sich das Geschenk ein wenig gewandelt. Von einem Schneemann ist nichts mehr zu erkennen. Doch für die Beschenkten entpuppt sich Bärs unerwartetes Präsent als genau das Richtige.

Schnee: Ein seltenes Vergnügung für uns Kölner

Heyjin Go: „Schneeglück verschenken“

Ach, wie schön war es, mit Herrn Bär Schneeglück zu erleben. Zu gut erinnern wir uns, wie wir selbst über kleinste Schneeflocken jubeln. Mit welch Wonne wir uns in Schneewehen stürzen. Bei uns in Köln ist Schnee ein fast so seltenes Vergnügen, wie für den im Winterschlaf gestörten Bären. Trotzdem erwarten wir ihn jedes Jahr sehnsüchtig. Fällt dann tatsächlich mal Schnee, genießen wir ihn in vollen Zügen. Zumindest ein paar Stunden. Bis sich die weiße Pracht viel zu schnell in braunen Matsch verwandelt.

Was werden sie sich wohl im Frühling erzählen?

Zu gerne würde wir ein Paket mit Schnee erhalten. Doch ist uns klar, dass das nicht klappen kann. Zumindest nicht so, wie Herr Bär sich das vorstellt. So bangte der Vize (4) ganz arg: Was würden die Girlitze in dem Paket vorfinden? Wie würden sie reagieren? Das Ergebnis überraschte meinen großen Kleinen. Er freute sich so sehr!

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„Unsere kleine Höhle“ von Céline Claire und Qin Leng

"Unsere kleine Höhle" von Céline Claire und Qin Leng

Der Wald erwacht. Alles scheint friedlich. Doch ein Sturm zieht auf! Die Waldbewohner bereiten sich eilig auf das Unwetter vor. Sammeln Vorräte, verrammeln die Türen. Als in der Ferne zwei Gestalten erscheinen, beobachten die Waldbewohner sie misstrauisch. Was wollen die hier? Unsere Vorräte?

Die beiden gehen von Tür zu Tür. Suchen Schutz vor dem kalten Wind. Doch niemand öffnet ihnen. Alle wissen einen Grund die beiden abzuweisen. Nur Kleiner Fuchs läuft ihnen hinterher. Bringt ein wenig Licht in ihr Dunkel. Und das können die beiden gut gebrauchen.

Von Hoffnung und Güte

"Unsere kleine Höhle" von Céline Claire und Qin Leng

„Unsere kleine Höhle“ erzählt eine zeitlose, immer aktuelle Geschichte. Die Geschichte von der Angst vor dem Fremden. Von Hoffnung und Güte; Nächstenliebe und Zusammenhalt. Die Fabel führt uns vor Augen, nicht wegzusehen. Zu handeln. Auf andere zuzugehen und zu vertrauen. Denn das Gute, das wir geben, das kommt zu uns zurück. Bestimmt.

In nebelzarten Aquarellen haucht Illustratorin Qin Leng die Geschichte aufs Papier. Nimmt uns mit in diesen kalten Spätherbsttag voll warmer Erdtöne und eiskaltem Wind.

Mama? Warum helfen sie nicht?

Die Moral leuchtet schon den Kleinsten ein. Oder eher: Sie verstehen nicht, dass es einer Moral bedarf. Für meinen Vize (4) war es gar keine Frage. Er hätte die beiden sofort reingelassen. Verstand nicht, warum die Tiere sie abweisen.

Unser Gespräch drehte sich also weniger darum, dass wir helfen sollten wo es nur geht. Es drehte sich darum, warum die Tiere es eben nicht tun. Und ja, er hat recht! Eigentlich ist es vollkommen unverständlich. Wenn jemand in Not ist, dann müssen wir hinschauen. Dann müssen wir helfen!

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„Rolf röhrt“ von Timon und Julian Meyer: Ein quirliges, tierisch lautes Bilderbuch

„Rolf röhrt“ von Timon und Julian Meyer
„Rolf röhrt“

Während im Novemberwind all die rotbraunen und gelborangenen Blätter zu Boden schweben, kuscheln wir uns aufs Sofa. Essen viele Kekse. Trinken eine Menge Kakao. Und lesen! Besonders toll finden die Jungs jahreszeitlich passende Lektüren. Dementsprechend kommen Herbstbücher gerade sehr gut an.

Und wenn zwischen den Buchdeckeln dann noch bilderreiche Seiten stecken, es ein wenig wild und lustig und gereimt zugeht, dann sind wir glücklich. Das neue Buch der kreativen Brüder Timon und Julian Meyer ist genau solch ein Herbstbuch.

„Rolf röhrt, das stört.“

Hirschjunge Rolf geht seinen Freunden ganz gewaltig auf den Wecker. Denn er röhrt die ganze Zeit. Unaufhörlich. Und laut. Sehr laut! „Beim Basteln und im Streichelzoo, beim Fahrradfahren sowieso.“ Fuchs und Dachs, Eichhorn und Bär werden nicht mehr froh. Doch Rolf kann einfach nicht anders. Egal wie sehr er sich bemüht.

Nur Hirschkuh Irmchen bekommt nicht genug von Rolfs Krach: „Das ist Musik in meinen Ohren. Ich fühle mich wie neugeboren!“ Was? Musik? Oh ha! Naja, vielleicht… Mir nichts, Dir nichts rockt der Wald. Zusammen lärmen, bis es knallt. So haben alle Tiere Spaß. Und das war’s.

Quirliges und tierisch buntes Bilderbuch

„Rolf röhrt“ von Timon und Julian Meyer
„Rolf röhrt“

Wenn der Vize (4) sich mit mir „Rolf röhrt“ anschaut, dann kichern und jauchzen wir. Zu lustig ist es, dem Rolf zusammen ein genervtes „Ruuuuheeee!“ entgegenzuschmettern. Mit den Reimen durch den Wald zu jagen. Die leidenden Tiergesichter zu studieren. Und abschließend lärmend über das Sofa zu hüpfen. Ok, den Part überlasse ich (größtenteils) dem Vierjährigen.

„Rolf röhrt“ ist ein quirliges, tierisch buntes Bilderbuch für Kinder ab drei Jahren. Timon Meyers Verse sind pointiert. Julian Meyers Bilder drollig-lustig. Sie fangen die Stimmung der Tiere deutlich ein. Zum quietschen lustig.

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Emilia Dziubak: „Das Faultier und die Motte: Die ungewöhnlichsten Tierfreundschaften“

Emilia Dziubak: "Das Faultier und die Motte: Die ungewöhnlichsten Tierfreundschaften"

Kater Homer fühlt sich nicht geschätzt. Also macht er sich auf die Suche nach neuen Freunden. Dabei schaut er sich im Tier- und Pflanzenreich um. Denn in Flora und Fauna gibt es jede Menge spannende Partnerschaften zu entdecken.

Zum Beispiel die Ameisen. Die beschützen Blattläuse und bekommen dafür leckeren Honigtau von ihnen. Oder die Grundel, die den Pistolenkrebst beschützt. Der ihr dafür eine hübsche Höhle baut. Im Pansen der Kuh und im Darm der Termiten wuseln Bakterien und Einzeller. Der Schiffshalter hält den Hai sauber. Das Eichhorn hilft den Nussbäumen bei ihrer Verbreitung. Wolf und Rabe gehen gar zusammen jagen. Und das sind nur einige der beeindruckenden Partnerschaften, die Homer uns vorstellt

Ein wahrer Augenschmaus

Emilia Dziubak: "Das Faultier und die Motte: Die ungewöhnlichsten Tierfreundschaften"

Allein wegen der Bilder ist „Das Faultier und die Motte“ ganz großes Vergnügen. Die Illustrationen von Emilia Dziubak sind wie immer ein wahrer Augenschmaus. Chef (7) und Vizechef (fast 4) lieben die Zeichnungen sehr. Die einzelnen Motive vermitteln deutlich, wie es um die tierischen Freundschaften bestellt ist.

Mit den Texten tun wir uns dagegen ein wenig schwer. Zwar begeistern die kompakten Informationen besonders meinen wissbegierigen Zweitklässler. Doch die manchmal eingestreuten lateinischen Namen verwirrten uns. Warum wird nicht jedes Tier, nicht jede Pflanze auf Latein vorgestellt? Warum die einen, aber nicht die anderen?

Auch die Rahmenhandlung um Kater Homer irritierte uns. Der Dreijährige schätzte Homer. Ihm gefiel insbesondere Homers Heimkehr sehr. Doch der Wechsel von Geschichte und Sachbuch war eine Herausforderung für ihn. Der Kater als Erzähler ungewohnt. Dem Siebenjährigen gefiel die Rahmenhandlung gar nicht. Bei ihm wäre ein reines Sachbuch wesentlich besser angekommen.

Symbiosen aus Flora und Fauna

Am Ende überrascht das Buch mit einem Quiz („Welcher Freundestyp bist Du?“). Meine Jungs interessierte das nicht die Bohne. Dagegen fanden Chef und Vize das abschließende Labyrinth klasse. Für mich passte dieser Quiz- und Rätselteil wiederum weder zum Sachbuch noch zur Geschichte.

Ich bin hin und her gerissen. Allein für die Zeichnungen liebe ich „Das Faultier und die Motte“. Die Idee, Symbiosen aus Flora und Fauna schon kleinen Kindern nahe zu bringen, ist absolut großartig!

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„Mein großes Buch – Dinosaurier“ von Natasha Durley

Mein großes Buch – Dinosaurier (arsEdition)

Dinosaurier! Kaum ein Kind kann sich ihrer Faszination entziehen. Die Urzeit-Tiere sind einfach zu spannend; zu groß; zu anders. Für zukünftige Paläontologinnen und Paläontologen ab drei Jahren ist das Pappbilderbuch „Mein großes Buch – Dinosaurier“ ein wunderbar bunter Einstieg ins Thema.

Illustratorin Natasha Durley packte die riesigen Doppelseiten picke packe voll mit kunterbunten Riesenechsen. Dabei sind die Dinos kindlich-sinnig sortiert. Mal geht es um Hörner, mal um Zähne. Dann wieder um Schnäbel, Panzer oder Kopfschmuck. Eine Seite widmet sich den Flugsauriern. Eine andere den Wasserwesen. Und die letzte präsentiert uns urzeitliche Säugetiere.

Kurze, luftige Sachtexte erklären knapp, wozu Hörner und Hauben vermutlich gut waren. Wie lang die Zähne des T-Rex waren. Und was es mit den langen Hälsen auf sich hatte. Auf jeder Seite gibt es eine Suchaufgabe, so dass die Dinos ganz genau unter die Lupe genommen werden. Und natürlich steht bei jedem der über 200 Dinos sein lateinischer Name.

Bonbon-bunte Dinos

Mein großes Buch – Dinosaurier (arsEdition)

Ich bin froh, dass mein Dreijähriger sich bisher nicht sonderlich für die Namen der einzelnen Dinos interessierte. Denn da komme ich beim Vorlesen schon sehr ins Straucheln. Mein Vize macht sich lieber auf die Suche nach der Echse mit dem Horn auf der Nase. Oder dem Dino mit den pinken Flügeln. Da sucht er mit enormer Ausdauer und staunt dabei über all die anderen Dinos, die er entdeckt.

Das Buch geht sachlich nicht sonderlich in die Tiefe. Der Fokus liegt auf den Bonbon-bunten Dinosaurier-Bildern. Und die machen selbst dann Spaß, wenn man nicht der größte Dino-Fan ist.

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„Mina entdeckt eine neue Welt“: Die Farbe der Sprache

„Mina entdeckt eine neue Welt“ von Sandra Niebuhr-Siebert und Lars Baus

Lust hat Mina keine. Aber Mama möchte es gerne. Und Mina hat Mama lieb. Also geht sie morgen das erste Mal in den Kindergarten. Dort fühlt sich alles farblos an. Immerhin wird sie von einer Frau mit warmen, freundlichen Augen begrüßt. Doch was die Frau sagt, das versteht Mina nicht. Deswegen schweigt sie lieber. „Wer schweigt, kann nichts Falsches sagen.“

Nach und nach versteht Mina mehr und mehr. Sie testet all die neuen Worte. Spielt mit ihnen. Je mehr sie versteht, desto bunter wird ihre neue Welt. Desto wohler fühlt sie sich in ihr. Bis sie schließlich ganz angekommen ist. Jedes Teil seine Farbe, seinen Namen hat. Bis sie sich in der neuen Sprache genauso zu Hause fühlt, wie in ihrer Muttersprache.

Blick in Kinderköpfe

Wie fühlt es sich an, ganz neu anzufangen? Ohne jemanden zu kennen? Ohne die Sprache zu verstehen? Einfach ins kalte Wasser geschmissen zu werden? Sprachpädagogin Sandra Niebuhr-Siebert (Jurymitglied beim Leipziger Lesekompass und beim KIMI-Siegel) erzählt uns in ihrem Bilderbuch „Mina entdeckt eine neue Welt“ sehr anschaulich, was in Kinderköpfen dabei vorgeht. Damit weckt sie Verständnis für die Neuen in KiTa.

Die Geschichte ist zeitlos und trifft einen immer aktuellen Nerv. Es geht um Unsicherheit, ums Ankommen, um Integration. Die unglaublich schönen Bilder von Lars Baus erwecken das Erzählte zum Leben. Der Illustrator fängt Minas Gefühle berührend ein, veranschaulicht ihre Verlegenheit und Ängste, ihre Tapferkeit und Freude.

Beginnt Minas KiTa-Welt schwarz-weiß, kommt mit jedem Wort, dass sie versteht mehr Farbe in ihr Leben. Bis alles so farbenfroh ist wie es bei ihrer Familie immer schon war. Dabei erhalten wir Einblick in Minas Alltag und ihre Träume. Denn im Schlaf verarbeitet die Kleine die Abenteuer des Tages. Die Darstellung der Sprache und des gesprochenen Wortes finde ich sehr gelungen. Sehr verständlich.

Bilder sagen mehr als tausend Worte

Überhaupt, das Buch funktioniert ganz wunderbar ohne den begleitenden Text. Die Bildsprache sagt mehr als tausend Worte. Damit eignet sich „Mina entdeckt die Welt“ wirklich perfekt für die Zielgruppe: Sprachneulinge jeden Alters – in Kindergarten, Schule und auf der Arbeit. Denn so wie es Mina in der KiTa geht, so geht es wohl jedem, dem die Worte fehlen.

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