„Adrian hat gar kein Pferd“ …oder doch?

Adrian hat gar kein Pferd
„Adrian hat gar kein Pferd“ von Marcy Campbell und Corinna Luyken

„Adrian Simmer erzählt jedem, der ihm zuhört, dass er ein Pferd hat.

Manche Kinder glauben ihm. Ich aber nicht.“

Adrians Mitschülerin Zoe beobachtet den Jungen mit den roten Haaren ganz genau und erzählt uns, was sie sieht. Erzählt vom kleinen Haus, in dem Adrian mit seinem Opa wohnt. Von den Löchern in seinen Schuhen. Von seinem unordentlichen Schulpult. Sie versteht nicht, warum es niemandem etwas ausmacht, dass dieser Junge lügt.

Bis ihre Mama beim gemeinsamen Gassigehen mit dem Familienhund einen anderen Weg einschlägt als sonst. Sie in einer Gegend landen, in der die Häuser wirken „als ob sie jeden Moment zusammenbrechen würden.“ Und plötzlich sind sie da. Bei Adrian. Nirgends ein Pferd…oder doch?

Seine geballte Vorstellungskraft im Rücken

Mitten im Trubel der Frankfurter Buchmesse fiel mir „Adrian hat gar kein Pferd“ in die Hände. Hüllte mich in seine warmen Farben. Verzauberte mich geradezu. Corinna Luykens Illustration nahm mich vollkommen ein. Diese Kinder, die sich mit verschränkten Armen gegenüberstehen. Der eine, seine geballte Vorstellungskraft im Rücken. Die andere kalt, wertend. Und doch beide auf Augenhöhe. Ganz still wurde es um mich herum, während ich in diesem wundervollen Buch blätterte. Wie treffend mein erster Eindruck war, realisierte ich schnell.

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„Doktor Miez und das weiße Weihnachtswunder“

Walko: "Doktor Miez - Das weiße Weihnachtswunder"
Walko: „Doktor Miez – Das weiße Weihnachtswunder“

Die Kinder verliebten sich im Sommer in Doktor Miez als wir mit dem samtpfotigen Arzt und seinen Freunden das verschwundene Sumselschaf suchten. Da war es natürlich ein Muss, dass auch der zweite Band „Doktor Miez und das weiße Weihnachtswunder“ einziehen und sofort gelesen werden musste. Also kuschelten wir uns in die Koje des Chefs und besuchten das weihnachtliche Sumseldorf.

Die Sumsler sind fleißig: Backen, basteln, dekorieren. Nur noch einmal schlafen, dann ist Weihnachten. Leider sieht das Wetter so gar nicht weihnachtlich aus. Die Sonne scheint; es ist viel zu warm. Und der Weihnachtsmann kommt dieses Jahr bestimmt auch schon wieder nicht. Der hat wohl schon mit den Menschenkindern zu viel Arbeit. Aber die Sumsler wünschen sich, dass er diesmal auch zu ihnen kommt. Und schreiben ihm einen Wunschzettel. Doch ob der Weihnachtsann den abholt? Doktor Miez beschließt, sich mit seinem Freund Joschi als Weihnachtsmann und Rentier zu verkleiden und die Sumsler zu überraschen. Joschi ist nicht begeistert…

Weihnachten ist die Zeit der Wunder

Marsmännchen baut derweil eine Maschine, die sich als waschechte Schneemaschine entpuppt. Die Tiere verbringen einen traumhaften Vorweihnachtsnachmittag in Marsmännchens Schneelandschaft. Nur leider spült der nächtliche Regen den ganzen Zauber fort. Doch Weihnachten ist die Zeit der Wunder und da wäre es doch gelacht, wenn sich nicht alles zu Guten wenden würde.

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Lachen und Psst-en, kichern und prusten mit: „Psst! Der Drache schläft!“

"Psst! Der Drache schläft!" von Wiebke Hasselmann und Isabel Große Holtforth
„Psst! Der Drache schläft!“

Als mein gerade dreijähriger Vizechef den friedlich schlummernden Drachen auf dem Buch „PSST! Der Drache schläft“ sah, war er hin und weg. In den letzten Wochen lasen wir das Buch rauf und runter, immer wieder. Gerne mehrfach hintereinander. Der Vizechef ist ganz verliebt in dieses besondere Gute-Nacht-Buch mit Ausziehseiten!

Der Drache liegt da und schläft selig lächelnd auf seinem Kissen. Monster, Schafe, Erdwichtel und Feuerwehrleute halten den Drachen für einen Berg. Schubsen, stampfen, klappern und rennen über ihn hinweg. Lärmen und poltern. Doch der Drache schläft tief und fest. …bis eine kleine Ameise daherkommt; ihn für einen Berg hält; sich an ihn schmiegt; einschläft. Und so laut schnarcht, dass der Drache aufwacht. Oh oh! Der Drache findet jedoch eine freundliche Lösung.

Und alle schlafen ruhig weiter – nur mein vorlauter Vizechef nicht. Der will nochmal die Monster kitzeln, mit den Schafen trippeln, mit den Erdwichteln wühlen und tropfende Schläuche schleppen.

Zankende Monster und wuselnde Feuerwehrleute

"Psst! Der Drache schläft!" von Wiebke Hasselmann und Isabel Große Holtforth
„Psst! Der Drache schläft!“ von Wiebke Hasselmann und Isabel Große Holtforth

Der sechsjährige Chef schaut sich das Buch sehr gerne zusammen mit seinem kleinen Bruder an. Das I-Dötzchen zieht immer wieder die Schieber aus den dicken Pappseiten und beömmelt sich genauso über zankende Monster und wuselnde Feuerwehrleute wie das Kindergartenkind.

Auch mir macht dieses putzige Drachenbuch großen Spaß. Ein wenig dauerte es zwar, bis ich verstand in welcher Reihenfolge die Seiten und Schieber zu lesen und zu schieben sind (erst die große Seite, dann der linke Schieber, dann der rechte – schön der Reihe nach). Aber dann hatte ich den Bogen raus. Schön wäre es, wenn sich die kleinen Zuhörer gedulden könnten bis die richtige Seite zum Rausziehen dran ist. Aber das scheint utopisch. Und der Vorleser wächst ja an seinen Herausforderungen. 😅

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Stimmungsvolles Adventsbuch: Der Weihnachts-Countdown

Der Weihnachts-Countdown
Der Weihnachts-Countdown

Irgendwie brachte mich der Titel „Der Weihnachtscountdown“ und der Hinweis „Noch 24 Tage bis Weihnachten“ auf die falsche Fährte. Ich erwartete ein Adventskalender-Buch bei dem man jeden Tag im Advent eine Seite vorlesen kann und so bis Heiligabend jeden Tag etwas zu entdecken hat. Wie bei „Maximilian und der verlorene Wunschzettel“. Dafür eignet sich das Bilderbuch von Adam und Charlotte Guillain jedoch nicht. Aber es steckt eine herzige Adventsgeschichte mit putzig-wimmeligen Illustrationen zwischen den Buchdeckeln, die wir bestimmt mehr als einmal lesen werden.

„Das Weihnachtsfest“ rief Bär, „ist bald!
Wir wollen mit dem Zählen starten!“
Die Tiere trafen sich im Wald
und alle konnten’s kaum erwarten.“

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„Gottfried, der Turborabe – Ennos gefährliche Reise“

Gottfried, der Turborabe – Ennos gefährliche Reise
Gottfried, der Turborabe – Ennos gefährliche Reise

Es gibt Bücher, die ich unbedingt gernhaben will, die ich ganz dringend gut finden möchte. Bücher, die wichtige Themen behandeln, deren Idee ich großartig finde und die ich unterstützen möchte. Solch ein Buch ist „Gottfried, der Turborabe – Ennos gefährliche Reise“ von Christoph Fromm und Finja Skadi Vollbrecht zum Thema Flucht.

Rabe Gottfried Primero liebt Regenwürmer mit Sahne. Er ist ein dreister Dampfplauderer und er fliegt nicht gerne selber. Er saust lieber mit seinem Turbodüsenmotor durch die Gegend. Und mit diesem will er nun auch nach Spanien in den Urlaub fliegen. Zu den Flamingomädchen. „Er steht nämlich total auf langbeinige Flamingos.“

Auf der Suche

Über dem Meer gibt sein Düsenmotor plötzlich den Geist auf. Gottfried landet auf Ennos Rettungsring. Enno ist ein kleiner Junge auf der Flucht. Er floh mit seiner Familie aus Afrika, wo er beinahe verhungert wäre. Er repariert Gottfrieds Turbodüsenmotor und zusammen fliegen sie nach Spanien.

Dort will Enno sofort seine Familie suchen. Seine Mama, sein Papa und seine kleine Schwester. Die saßen nämlich auch im Boot, dass von einer großen Welle überspült wurde. Doch Gottfried möchte sich lieber von den Flamingomädchen die Füße kitzeln lassen… Als Gefahr droht, steht er Enno aber weiter zur Seite. Die beiden stellen sich fiesen Widersachen, schlagen ihnen ein Schnippchen und entkommen. Enno und Gottfried werden dicke Freunde und die Suche nach Ennos Familie geht weiter.

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Eoin McLaughlin und Polly Dunbar: „Umarmst du mich mal?“

Eoin McLaughlin und Polly Dunbar: „Umarmst du mich mal?“
Eoin McLaughlin und Polly Dunbar: „Umarmst du mich mal?“

Das Wetter graut vor sich hin. Die Brötchenarbeit lauert mit der Drohung ernsten Kopfzerbrechens. Die Nachrichten … ach, wisst Ihr ja selbst. Ich brauchte heute Morgen ganz dringend eine Umarmung. Zum Glück bekam ich die recht flott. Inklusive dicker Schmatzer vom Vizechef. Der kleine Igel in „Umarmst du mich mal?“ von Eoin McLaughlin und Polly Dunbar hat da leider (erst einmal) nicht so viel Glück wie ich.

Denn „Der Igel war traurig. So traurig, wie ein Igel nur sein kann. Da half nur ein…“ – eine Umarmung! Er fragt den Fuchs, das Eichhörnchen, die Elster. Doch keiner hat Zeit. Sie müssen Tonnen umwerfen, Nüsse zählen, Lieder singen. Die Eule gibt zu bedenken, dass die Stacheln eine Herausforderung sind und faselt was von Topf und Deckel…

Eoin McLaughlin und Polly Dunbar: „Umarmst du mich mal?“
Eoin McLaughlin und Polly Dunbar: „Umarmst du mich mal?“

Auf der anderen Seite des Buches ist die Schildkröte „so traurig, wie eine Schildkröte nur sein kann.“ Auch sie sucht verzweifelt jemanden, der sie einfach in den Arm nimmt. Doch der Dachs hat klebrige Hände, der Hase muss buddeln, der Frosch hüpfen. Die Eule findet den Panzer zu hart und faselt was von Topf und Deckel…

Igel und Schildkröte sind nun noch trauriger. Rollen sich ein, ziehen sich in Panzer zurück. „Und da … trafen sie sich.“

Wärmendes Herzensbüchlein

„Umarmst du mich mal“ ist ein liebevolles, wärmendes Herzensbüchlein mit feinen, sensiblen, wahnsinnig putzigen Zeichnungen und hinreißend einfacher Geschichte. Ja, die Geschichte ist einfach. Doch so einfach die kleine Geschichte ist, so stark berührt sie die streichelbedürftigen Stellen meines Gemüts.

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Halloween-Tipp: „Mortina“ – Die niedliche Zombie-Freundin von nebenan

Mortina – Ein Mädchen voller Überraschungen
Mortina – Ein Mädchen voller Überraschungen

Mortina ist ein nettes, kleines Mädchen, das gerne mit ihrem Hund spielt und sich nichts sehnlichster wünscht als Freunde. Doch ihre Tante Dipartita verbot ihr strengstens, die Villa Decadente zu verlassen. Auf gar keinen Fall dürfe sie den Kindern aus dem Dorf begegnen. Dann müssten sie ihr Zuhause vielleicht verlassen. Denn obwohl Mortina ein absolut liebenswertes Mädchen ist, normal ist sie nicht. Wie Tante, Katz und (wahrscheinlich) Hund, ist sie ein Zombie.

Aber als die kleine Untote zufällig von diesem Fest namens Halloween erfährt, hält sie nichts mehr. Sie schmiedet einen Plan und mischt sich unter die unheimlich verkleidete Kinderschar. Ein Monster unter vielen fällt doch nicht auf. Oder?

Schaurig-niedlich und gruselig-verspielt

„Mortina – Ein Mädchen voller Überraschungen“ der Italienerin Barbara Cantini ist eine nette, kleine Geschichte über ein nettes, kleines Mädchen. Die schaurig-niedlichen, gruselig-verspielten, detailreichen Bilder verwandeln diese kleine, nette Geschichte in etwas Besonderes. In die Bilder gekleckste Sätze Mortinas verleihen dem Ganzen einen frechen Comic-Style.

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„Die Welt, die dir gefällt: Ein Mitmach-Buch von Gretas Schwester“

„Die Welt, die dir gefällt: Ein Mitmach-Buch von Gretas Schwester“
„Die Welt, die dir gefällt: Ein Mitmach-Buch von Gretas Schwester“

Wie gerne würde ich meinen Kindern versprechen, dass sie sich ihre Welt gestalten können, wie es ihnen gefällt. Dass all ihre Wünsche in Erfüllung gehen werden. Doch dieses Versprechen kann ich ihnen nicht geben. Aber wir können zusammen träumen und rumspinnen und in unserer Fantasie über Wolken schweben.

„Die Welt, die dir gefällt: Ein Mitmach-Buch von Gretas Schwester“ hilft schon ganz kleinen Weltentdeckern dabei, mit Mama, Papa oder den Großeltern auf die Reise zu gehen. Zu den Bären Nordamerikas, den Elchen Nordeuropas, den Löwen Südafrikas oder den Kängurus Australiens. Bei jeder Lektüre wählen wir neu, ob wir mit dem Zug, dem Camper, mit Bus, Einrad, Heißluftballon oder Kamel reisen. Wir überlegen, wen wir dort treffen; wo und wie wir wohnen würden. Welches Haustier hätten wir wohl? Und was würden wir anziehen? Wir suchen uns einen Beruf aus. Spielen drinnen und draußen. Natürlich immer dabei: die Lieblingskuscheltiere meiner Jungs. Wir essen (in Gedanken) immer sehr viel Eis und Pommes und Schokolade. Und schlafen häufig im Zelt. Oder im Camper. Es sind aufregende Lesereisen.

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„Das NEINhorn“ von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn

„Das NEINhorn“ von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn
„Das NEINhorn“ von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn

Kleine, rotze freche Einhörner avancieren bei meinen Jungs derzeit zu absoluten Lieblingstieren. War schon bei „Hector und Holunda“ das Einhörnchen Ojo unser Favorit, toppt „Das NEINhorn“ von Marc-Uwe Kling nun alle Rekorde auf der Buchheldenskala meiner Kinder.

Superflauschig, im Herzwald geboren, auf Zuckerwatte gebettet, mit Keksen gefüttert – so lebt das schnickeldischnuckelig süße Einhörnchen. Doch will es den ganzen gezuckerten Kuschelwolken-Knuddel-Engel-Quatsch nicht. Ist bockig und zickig, sagt immer nur Nein! „Nein!“ zum Tanzen; „Nein!“ zum Regenbogenrutschen; „Nein!“ zum Seifenblasensee-Herumwutschen. Und – ach – das ganze Gereime geht dem Mini-Einhorn auch ganz gehörig auf den Senkel. Deswegen verzieht es sich. Und Tschüs!

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„Oben schwimmt die Sonne davon“ – wenn Gedanken den Worten hinterherwuseln

Oben schwimmt die Sonne davon: Gedichte für Kinder
Oben schwimmt die Sonne davon: Gedichte für Kinder

„Schau mich an, schau zu mir her!
Sei wieder nett! Ich bitt dich sehr!
Sonst flieg ich fort. Weit übers Meer.
Du siehts mich nie und nimmermehr.“

Seite 15

Ich weiß gar nicht warum es mich überraschte, dass meine Kinder Gedichte mögen. Vielleicht weil meine Poesie im Deutsch-Leistungskurs verkopfte; mir die Leichtigkeit verloren ging. Mir der Spaß an luftigen Reimen, Dada-Quatsch und fliegenden Gedanken durch Überinterpretationen abhandenkam. Umso schöner ist es, all das mit meinen Jungs wiederzuentdecken.

Der frische Sammelband „Oben schwimmt die Sonne davon“ mit über 100 Gedichten für Kinder von der deutschen Lyrikerin Elisabeth Borchers (1926 – 2013) ist uns dabei ein Quell des Entzückens. Nun ja, ganz so sphärisch betrachten Chef und Vizechef das nicht, doch lauschen sie ergriffen – oder zumindest aufmerksam – wenn ich aus dem (wunderschön in Halbleinen gebundenen) Buch rezitiere.

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