Alltagswahnsinn einer Servicekraft

Christoph Strasser: "Warum. Frankenfish?"
Christoph Strasser: „Warum. Frankenfish?“

Christoph Strasser: „Warum. Frankenfish?“

Jeder, der in irgendeiner Form jemals im Service gearbeitet hat, kennt sie: Die Verlorenen und die Redebedürftigen, die Hirnlosen und die Neunmalklugen, die Trotteligen, die Verplanten, die Vagabunden, die Hysteriker und all die anderen, aus denen die ganz normale Kundenmeute besteht. Egal ob in einer Kneipe, einem Kiosk, einem Café oder in einer Videothek… Alltagswahnsinn einer Servicekraft weiterlesen

Epochale Kriminalrealität

"Clockers" von Richard Price
„Clockers“ von Richard Price

Richard Price: „Clockers“

Wenn etwas erfolgreich ist, dann springt der Markt naturgemäß trittbrettfahrend auf den Zug auf und nutzt die Gunst der Stunde. So ploppt derzeit ein Vampirstoryklon nach dem anderen aus den Druckmaschinen und manch eine abgeschlossene Geschichte mausert sich zum Vielteiler.

Langsam erreicht der Hype um die hoch gelobte Fernsehserie „The Wire“ das deutsche Publikum. Richard Price schrieb fünf Folgen der Kultserie, die in Baltimores Drogenmilieu spielt. In Amerika berühmt, gelang ihm mit seinem Roman „Cash“ durch den „The Wire“-Bekanntheitsschub letztes Jahr auch der große Durchbruch in Deutschland. Epochale Kriminalrealität weiterlesen

Hans Zengeler: „In einer erdfernen Welt“

Horst Zengeler: "In einer erdfernen Welt"
Horst Zengeler: „In einer erdfernen Welt“

Manche Bücher sind wie Katzen. Nicht wir wählen sie – sie wählen uns aus. „In einer erdfernen Welt“ suchte mich aus und ich bin ihm dankbar dafür.

„Es ist, als seist Du über die Ränder der bekannten Welt hinaus- und hineingefallen in ein Jenseitiges, in eine Wirklichkeit, die du nicht zu fassen vermagst.“ (Seite 7)

Moritz Sonderberg, der Sonderberg, regional bekannter Schauspieler und Lebemann, trifft im Alter von 69 Jahren der Schlag. Er bleibt halbseitig gelähmt an den Rollstuhl gefesselt. Da geschieden und beziehungsunfähig fehlen ihm Angehörige und Vertraute, die ihn pflegen könnten. So landet er in der Pflege- und Demenzstation eines Seniorenheims. Hans Zengeler: „In einer erdfernen Welt“ weiterlesen

Joanne Harris: „Blaue Augen“

Joanne Harris: "Blaue Augen"Die wunderbare Joanne Harris, aus deren Feder solch zauberhafte Geschichten wie Chocolat oder Fünf Viertel einer Orange flossen, hat ein neues Buch vollendet. Blaue Augen ist ein intensives, verworrenes, packendes Leseerlebnis, mehr Drama als Thriller. Absolut zu empfehlen.

„Nennt mich B.B. Das machen alle. Niemand außer der Polizei und den Bankangestellten benutzt meinen richtigen Namen. Ich bin zweiundvierzig und eins fünfundsiebzig, habe graubraune Haare, blaue Augen und mein ganzes bisheriges Leben in Malbry verbracht.“ (Seite 25) Joanne Harris: „Blaue Augen“ weiterlesen

Zeitfressendes Altpapier

G. C. Roth: "Bestatten, mein Name ist Tod!"G. C. Roth: „Bestatten, mein Name ist Tod!“

Die beiden hochbetagten Bestatter außer Dienst – Olbers und Sieberts – treffen sich jeden Mittwoch auf „ihrem“ Friedhof. „Der eine war rundlich, breit und kurz gebaut, während der andere eher zu den schmaler und höher gewachsenen Menschen gehörte.“ Sie spazieren, frühstücken, kippen ihren Rum-Tee und erzählen sich morbide Geschichtchen aus ihrem Berufsleben. Zeitfressendes Altpapier weiterlesen

John Connolly: „Das Buch der verlorenen Dinge“

John Connolly: "Das Buch der verlorenen Dinge"Die Meinungen zu diesem Buch gehen weit auseinander. Die Einen lieben es, die Anderen hassen es. Mich hat es verzaubert. Es hat mich entführt, entsetzt, schockiert, zu Tränen gerührt und zu herzhaftem Lachen gereizt.

„Es war einmal – denn so sollten alle Geschichten beginnen – ein Junge, der seine Mutter verlor.“ John Connolly: „Das Buch der verlorenen Dinge“ weiterlesen

Schlaftabletten-Ersatz

James Robertson: "Der Teufel und der Kirchenmann"James Robertson: „Der Teufel und der Kirchenmann“

Ich gehöre zur bemitleidenswerten Sorte Mensch, die ein Buch nicht weglegen kann, selbst wenn sie merkt, dass es eins der lausigsten, langweiligsten und schlecht geschriebensten Werke ist, die je das Licht der Welt erblicken durften. Bis zur Hälfte denke ich mir: „Hach, vielleicht wird’s noch besser.“ Nach der Hälfte: „Jetzt schaffst Du auch noch den Rest.“

Dabei ist meist klar – hier wird nichts besser, den Rest zu lesen wäre reine Zeitverschwendung. Schlaftabletten-Ersatz weiterlesen