„Die Göttliche Komödie: Die ersten Schritte in den dunklen Wald“ von Daniele Aristarco und Marco Somà

Das Bilderbuch „Die Göttliche Komödie: Die ersten Schritte in den dunklen Wald“ von Daniele Aristarco und Marco Somà auf einer alten Backsteinmauer inmitten von Efeu liegend

Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ fasziniert mich schon seit meinen Jugendjahren. Mit einem ledergebundenen Exemplar meiner Urgroßtante entdeckte ich das philosophische Werk des italienischen Dichters. Bis heute gelang es mir nicht, es komplett zu lesen. Doch starte ich sehr regelmäßig einen neuen Versuch. 😅

Die Ausgabe meiner Urgroßtante besitze ich noch immer. Wollte sie lange schon wieder zur Hand nehmen. Als sich Alighieris Todestag letztes Jahr zum 700. Mal jährte, legte ich mir die Bücher parat. Doch dann entdeckte ich das Bilderbuch „Die Göttliche Komödie: Die ersten Schritte in den dunklen Wald“. Und näherte mich Alighieris Meisterwerk auf frische Weise.

Von Versen verführt

Auf den berauschend bebilderten Seiten schildert Autor Daniele Aristarco zunächst, wie er der Göttlichen Komödie verfiel. Als er neun Jahre alt war. Obwohl seine Eltern dagegen waren, dass er das Buch las. Er las es heimlich. Und die gelesenen Verse ließen sie ihn nie mehr los.

Nun stellt er uns Dante Alighieri vor. Zieht Parallelen vom Leben des Autors zu dessen Werk. Erklärt, was eine Allegorie ist. Stellt einige Bilder vor, die für die Göttliche Komödie wichtig sind. Geht der Frage nach, warum sie überhaupt Komödie heißt. Was dieses Wort eigentlich bedeutet. Fragt, warum sich Dante mit dem Tod beschäftigte. So intensiv, dass er in seinem Werk auf die Reise ins Reich des Todes geht.

Wir erfahren, warum sein Buch den uns bekannten Titel trägt. Dass Alighieri bewusst in einfacher Sprache schrieb. Dass er Freunde und berühmte Persönlichkeiten in seine Geschichte webte. Aristarco packt sein Kinderbuch voll mit Wissen über Werk und Schöpfer. Hier präsentiert er biografische Hintergrunddetails. Dort philosophische Grundlagen.

Begeisterung die mitreißt

Rückseite des Bilderbuches „Die Göttliche Komödie: Die ersten Schritte in den dunklen Wald“ von Daniele Aristarco und Marco Somà

„Die Göttliche Komödie: Die ersten Schritte in den dunklen Wald“ ist Biographie und literatur-philosophische Einführung in Dante Alighieris Werk. Der Text des Bilderbuches ist nicht leicht zu lesen. Nicht intuitiv zu verstehen. Doch sprüht er vor Begeisterung. Diese Begeisterung riss auch meinen Vize (5) mit. Über die Hälfte des Buches ließ er sich vorlesen, bevor er fragte: „Wann geht es denn endlich los“. Da fiel mir erst auf, dass er auf die Geschichte wartete.

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„Mein Bruder“ von Jamaica Kincaid

1996 stirbt ihr jüngerer Bruder an Aids. Ihre mannigfaltigen, widerstreitenden Gefühle verarbeitet die Schriftstellerin Jamaica Kincaid in dieser autobiographischen Erzählung.

„Mein Bruder“ von Jamaica Kincaid

Dabei reist sie weit. In ihre Vergangenheit – zurück in ihre antiguanische Kindheit. Aber auch geografisch. Weil sie ihren Bruder besucht. Sich kümmert. Sich ihrer Familie stellt. Berichtet in einem Atemzug von ihrer Mutter. Ihrem Stiefvater. Ihren Brüdern. Den Widrigkeiten. All dem, was sie forttrieb. Doch losgelassen scheint sie nicht zu haben.

Ihr Bruder war drei Jahre alt, als sie als Au-pair Antigua verließ. In den USA ihr Glück suchte. Der Kontakt zu ihrer Familie bleibt fortan oberflächlich. Bricht fast ganz. Doch als sie 20 Jahre später erfährt, dass ihr Bruder im Krankenhaus liegt, bricht sie auf. Zu ihm. In ihre Vergangenheit. Zurück in ihre damals empfundene Hoffnungslosigkeit und Unverständnis. Erforscht sich. Und ihren Blick auf empfundenen Hass. Entdeckt Liebe.

„Meine Mutter liebt ihre Kinder, ich möchte sagen, auf ihre Art! Und das stimmt ganz und gar, sie liebt uns auf ihre Art. Es ist ihre Art. Es ist ihr niemals in den Sinn gekommen, das ihre Art, uns zu lieben, vielleicht nicht die allerbeste für uns sein könnte. .. Und wie hätte es ihr in den Sinn kommen können? Vielleicht ist jede Liebe egoistisch?“ (Seite 21)

Analysierend, sezierend, hypnotisch

Rückenansicht des Buches „Mein Bruder“ von Jamaica Kincaid

Kincaid setzt sich mit dem Land aus dem sie stammt auseinander. Mit den gesellschaftlichen Absurditäten. Grausamkeiten. Sie analysiert und seziert. Faszinierend ehrlich. Dabei wiederholt sie sich. Mäandert durch Zeit und Raum. Verliert sich in ihren Gedanken. Erzählt ihre Geschichte wie in Trance. Wie auf der Therapie-Couch diktiert.

Das wirkte fast hypnotisch auf mich. Voyeuristisch spähte ich durch die Gardienen in Kincaids Innerstes. Doch fiel es mit enorm schwer, mich auf ihren Singsang einzulassen. Ellenlange Schachtelsätze ermüden mich. Ständige Wiederholungen rauben mir den Nerv. Auch wenn ich die Kunst wertschätze. Mit Kindkaids Stil wurde ich nicht warm.

Sehr persönlich

Dennoch bereue ich es kein Stück, mich ihrem Werk gestellt zu haben. Es forderte mich heraus. Zeigt mir eine Ecke der Welt, die ich bisher nicht kannte. Gerne schaute ich durch die Augen dieser beeindruckenden Autorin. Die einen so scharfen Blick auf ihr Herkunftsland wirft. Aber auch auf ihre Wahlheimat.

Sowieso auf die Menschen. Egal welcher Herkunft und Hautfarbe. Ihre Worte wirken bisweilen böse. Verbittert. Bei mir siegte jedoch der Eindruck umfassender Offenheit. Ehrlichkeit. Es ist ein sehr persönliches Buch. Und damit beeindruckte es mich sehr.

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„Beate und Serge Klarsfeld: Die Nazijäger“ von Pascal Bresson und Sylvain Dorange

Die deutsch-französische Journalistin Beate Klarsfeld schrieb Geschichte. Und ich wusste nichts davon. Nun füllte diese beeindruckende, biografische Graphic Novel dicke Lücken meiner Allgemeinbildung. Und das auf mitreißende Weise.

Das Comic-Buch: „Beate und Serge Klarsfeld: Die Nazijäger“ von Pascal Bresson und Sylvain Dorange vor einer kaputten Mauer

Es beginnt mit einer Ohrfeige. Am Bundesparteitag der CDU im Jahre 1968. Einer Ohrfeige für Bundeskanzler Kurt Kiesinger. Durch welche Beate Klarsfeld schlagartig berühmt wurde. Aber natürlich beginnt es nicht wirklich mit dieser Ohrfeige.

Es beginnt, als Beate Künzel ihren Mann kennenlernt. Die Berlinerin nabelt sich als Au-pair in Paris von ihren Eltern ab. Da spricht sie an der Metro-Station ein Mann an. Ihr zukünftiger Ehemann: Der Holocaust-Überlebende Serge Klarsfeld.

Die beiden widmen ihr Leben der Aufklärung von Naziverbrechen. Sie prangern an, dass Nazis weiterhin Machtpositionen inne haben. Und spüren zahlreiche NS-Verbrecher auf. Unter anderem den „Schlächter von Lyon“ Klaus Barbie.

Welch imposantes Leben!

Rückseite der Graphic Novel: „Beate und Serge Klarsfeld: Die Nazijäger“ von Pascal Bresson und Sylvain Dorange

Ein biografisches Comic – das war für mich neu. Zwar liebte ich Comics seit meiner Kindheit. Doch waren es die Marvel-Mutanten um Professor X, die mein Herz in den späten 1980ern höher schlagen ließen. Später lernte ich grenzwertige Helden wie Lobo kennen. Ließ mich von Gaimans Sandman überwältigen. Aber Geschichte? Damit tat ich mich in der Schule schwer. Dass mich mal ein Comic begeistern würde, welches auf historischen Begebenheiten beruht, das hätte ich nicht für möglich gehalten.

Doch die fein gescriptete Graphic Novel überzeugt auf ganzer Linie. Die Geschichte dieses bemerkenswerten Ehepaares reißt mit. Durch die berühmte Ohrfeige gelingt ein spannungsgeladener Einstieg. In schwarz-weiß Rückblenden sind wir dabei, wenn sich die Protagonisten kennenlernen. Die Ohrfeige planen. Begleiten sie fortan in durch die Jahrzehnte bei ihrer Berufung. Dabei, wie sie Verbrecher jagen und vor Gericht bringen. Erfahren soviel über Geschichte und Politik. Auf eine wirklich spannende Art und Weise. Absolut lesenswert!

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„Die Erfindung von Alice im Wunderland – Wie alles begann“ von Peter Hunt

„Die Erfindung von Alice im Wunderland - Wie alles begann“ von Peter Hunt

Jeder kennt es. Dieses kleine Mädchen, das durch ein Kaninchenloch in eine fantastische Welt fällt. In der es unglaubliche Abenteuer erlebt und die skurrilsten Charaktere trifft. Doch: Who the Fuck is this Alice!

Damit haben sich schon so einige Literaturwissenschaftler beschäftigt. Auch Peter Hunt ging der Frage auf den Grund. Das Sachbuch des ehemaligen Professors für Kinderliteratur widmet sich den Ursprüngen und Hintergründen des faszinierenden Kinderbuchcharakters.

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