Geh weg, du Problem!“ von Rachel Rooney und Zehra Hicks

„Geh weg, du Problem!“ von Rachel Rooney und Zehra Hicks

„Probleme sind Monster.“ Das ist mal klar. „Sie graben dir Gruben… Vermasseln den Spaß… Verfinstern den Himmel, verdunkeln das Gras.“

Dass die meisten Probleme gar nicht so monströs sind, zeigt das grandiose Bilderbuch „Geh weg, du Problem!“. Seine Botschaft: Mit Ruhe, Mut und frischem Blick lösen sich viele Probleme einfach auf. Ok, manchen muss man sich zuwenden. Manche muss man lösen. Doch bei vielen hilft: „Nicht füttern! Nicht streicheln! Sei klug, halt Dich fern.“ Nach einem Schläfchen verschwinden sie gern. Auch drüber reden hilft furchtbar gut. Und mit anderen zusammen, wächst dann der Mut.

Hier ist alles bunt: Monster, Räume, Kinder

„Geh weg, du Problem!“ von Rachel Rooney und Zehra Hicks

Die mutmachenden Verse von Rachel Rooney reimen sich durch Zehra Hicks‘ bunte Illustrationen. Und hier ist alles bunt: Monster, Räume, Kinder. „Geh weg, du Problem!“ ist ein Paradebeispiel für unbeschwerte Diversität in Kinderbüchern. Denn Probleme hat jede*r. Egal welche Hautfarbe er oder sie hat. Das Kind im Rollstuhl hat welche, genauso wie die Kids mit dem Ball.

Ich bin ganz hin und weg. Die Kinder hier sind Kinder – nicht Jungs oder Mädchen. Farben und Formen gehören jedem.

Ok, die Mama ist von der Vielfalt und der Diversität begeistert. Chef (7) und Vizechef (fast 4) fällt nichts Besonderes auf. Und auch das begeistert die Mama.

Geh weg, du Problem! Ich bin nicht allein!!!

Ganz wichtig finde ich die Botschaften des Buches. Bleib ruhig. Schau Dir die Sache mal aus einem anderen Blickwinkel an. Hab Verständnis für die Probleme von anderen. Auch, wenn Du darin gar kein Problem sehen solltest. Und besonders: Rede über Probleme. Du bist nicht allein!

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„Der blaue Vogel“ von Britta Teckentrup

„Der blaue Vogel“ von Britta Teckentrup

Das Bilderbuch „Der blaue Vogel“ (Originaltitel: „Blue“) zeigt, wie es sich anfühlt allein zu sein. Allein und energielos. Gefangen in Trauer oder Depression. Und es zeigt, dass es sich lohnt trotzdem Kontakt aufzunehmen. Behutsam. Ausdauernd.

Ganz unten

Der blaue Vogel sitzt auf dem untersten Ast des großen Baumes. Ganz unten. Dort, wo die Sonne nicht hinkommt. Seit langer Zeit schon sitzt er im Dunkeln. Sehnt sich nach Sonne. Doch verharrt starr, antriebslos und allein in der Finsternis.

Bis ein neuer Vogel auftaucht. Ein Vogel, der unvoreingenommen ist. Der dem blauen Vogel langsam, ganz langsam näherkommt. Dessen dunkle, stille Welt beharrlich mit Gesang und Licht flutet. Bis die Finsternis schwindet. Bis der blaue Vogel wieder Farben sieht und Mut fasst. Zusammen mit seinem Freund. Der ihm vorsichtig und umsichtig Kraft und Hoffnung gibt.

Ans Licht

„Der blaue Vogel“ von Britta Teckentrup
„Der blaue Vogel“

Britta Teckentrup beginnt ihr emphatisches Kinderbuch in dunklen Farben. Der kleine blaue Vogel ist in einer finsteren, ruppigen Welt gefangen. Ein Gefängnis aus dichtem, bedrohlichem Geäst. Die Welt der anderen Vögel hüllt Teckentrup in warme, behagliche Töne. Da wundert es nicht, dass die bunten Himmelstänzer den traurigen Blauen nicht verstehen. Warum sie nicht zu ihm hinab wollen.

Bis dieser strahlend gelbe Vogel kommt. Der sein eigenes Licht mitbringt. Der es bis ganz nach unten trägt. Und es mit dem blauen Vogel teilt. Um endlich zusammen der Lichtspur nach oben zu folgen.

„Der blaue Vogel“ ist eine ästhetische, feinfühlige Bildergeschichte über Trauer und Einsamkeit. Die kraftvollen Collagen kämen auch gut ohne den sparsamen Text aus. Sie sprechen für sich. Laden ein über Gefühle zu reden. Motivieren aufeinander zuzugehen. Nicht wegzuschauen. Beharrlich zu sein, aber nicht aufdringlich. Eine wundervolle Botschaft.

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„Ruckzuck weggewischt!“-Bücher von Illustratorin Christine Thau

Ruckzuck Weggewischt-Bücher von arsEdition

Leute, wir sind begeistert! Zahlreiche Vorschulblöcke und Rätselhefte zogen schon in diesen Haushalt ein. Geschenkt von Omas, Tanten, Nachbarn und Erzieherinnen. Keines begeisterte den Chef. Bis uns Illustratorin Christine Thau auf ihre „Ruckzuck weggewischt!“-Bücher von arsEdition aufmerksam machte.

Kaum zeigte ich meinen Jungs die beiden Hefte, saßen sie schon am Tisch. Fummelten die Stifte vom Einband und legten sofort los. Der Chef (7) verliebte sich in die „Tierkinder“, der Vize (3) bekam bei den „Drachen“ glänzende Augen. Perfekt! Die nächste halbe Stunde verbrachten sie rätselnd und knobelnd friedlich im Wohnzimmer. Welch eindeutigeres Zeichen könnte es geben, wie gut die Hefte ankamen?

Schwingübungen, Labyrinthe, Such- und Sortierspiele

Dem pedantischen Chef gefiel es außerordentlich, dass sich alles Gemalte wieder rückstandslos wegwischen lässt. Sonst hat er immer Sorge etwas Falsches zu schreiben. Selbst mit Bleistift. Doch bei den „Ruckzuck weggewischt!“-Büchern bleibt wirklich nichts zurück. Die Striche lassen sich selbst mit einem trockenen Taschentuch, den Fingern oder dem T-Shirt-Ärmel (Argh!!!) wegwischen. Da frohlockt mein kleiner Perfektionist.

Die Rätsel an sich sind für meinen Zweitklässler eigentlich schon zu einfach. Über Schwingübungen, Labyrinthe, Such- und Sortierspiele ist er eigentlich schon rausgewachsen. Dennoch malt er gerne in den Heften und nimmt sie immer wieder zur Hand.

Zauberbücher für Schnappschuss-Momente

Ganz besonders verzauberten mich meine Kinder (und die Hefte) aber beim ersten Ausprobieren. Als der Große sich zu seinem kleinen Bruder setzte und mit ihm zusammen im „Drachen“-Heft arbeitete. Denn wenn der Chef schon einen Tick zu groß für die Aufgaben ist, so ist der Vize noch einen Schlag zu klein.

Doch was staunte ich als mein kleiner Lesemuffel sich für seinen Bruder abmühte, um die Aufgabentexte zu entziffern. Und wie groß war die allgemeine Freude, als er es schaffte. Wie großartig! Dieses Bild – wie meine Jungs dort saßen, gemeinsam über die Bücher gebeugt – werde ich noch lange in meinem Herzen tragen. Es sind richtige Zauberbücher!

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Nina Müller: „Der verhexte Blubberblitz-Besuch“ (Kuschelflosse 6)

Nina Müller: Kuschelflosse 6 "Der verhexte Blubberblitz-Besuch"
Kuschelflosse 6

Eigentlich möchten Kuschelflosse, Sebi und Herr Kofferfisch doch nur Emmis blubberleckere Mango-Limo genießen. Doch dann kracht ein blubbernder Blitz in Emmis Zuckerwattebaum. Aus dem ein merkwürdiges gelbes Etwas purzelt. Mit Augen!

Seebrillchen Sebi weiß sofort Bescheid: Das ist eine Wasserhexe! Mit ihrem Zauberkugelfisch. Wasserhexen leben eigentlich im Wasserhexenwald. Dort bleiben sie für sich. Weil sie denken, dass Fische gefährlich sind. Was macht diese nervöse Hexe also hier in Fischhausen?

Nachdem Missverständnisse und Verzauberungen aus dem Weg geräumt sind, finden die vier Freunde das schnell heraus. Schließen Freundschaft mit Wasserhexe Pupsiblubber-Gänseblümia-Blubberblitz. Und helfen ihr beim Kampf gegen den böse-verwirrten Wasserhexenwaldmeister.

„Der ist so verliebt in sich selbst, dass er gar nicht mehr richtig denken kann. Er will der einzige Bestimmer sein. Wenn jemand anders denkt als er, findet er den doof…“ Er verhexte seine Spinne, die ihm nun Lügennetze spinnt. Und „mit jedem Lügennetz mehr weiß er weniger, was stimmt.“

Verzauberungen und Pups-Action

Nina Müller: Kuschelflosse 6 "Der verhexte Blubberblitz-Besuch"
Kuschelflosse 6

Oha! Da musste die Mama beim Vorlesen arg schmunzeln. Der sechste Kuschelflosse-Band ist ja mal brandaktuell. Die Parallelen zu aktuellem Zeitgeschehen einfach zu greifbar. Der überforderte Waldhexenmeister eine großartige Karikatur bestimmter politischer Persönlichkeiten.

Den Kindern ist’s schnurz. Die schmunzeln – wie üblich – über Herrn Kofferfischs Grummeligkeit und Pups-Action. Über die Verzauberungen der tollpatschigen Hexe und Herrn Kofferfischs fabulösen Plan B.

„Der verhexte Blubberblitz-Besuch“ ist wieder ein quirlig-bunter Unterwasserspaß. Genauso fantastisch und unterhaltsam wie seine Vorgänger. Genauso besonders. „Kuschelflosse“ sticht durch ausgefallene Ideen, liebenswerte Protagonisten, harmlosen Blödelquatsch und flauschig eingebaute Problemthemen aus der Masse an Kinderbüchern hervor.

Immer gibt es eine Moral. Eine Botschaft. Die den Kindern aber nicht um die Ohren gehauen wird. Genauso wenig wird sie in Stein gemeißelt. Die Blubberblitz-Botschaft lautet:

  • „Glaub nicht alles, was man erzählt.“
  • „Denk selber nach.“
  • „Mach Deine eigenen Erfahrungen.“
  • „Beurteile jemanden nicht nur nach seinen Fehlern.“

Der beste Kuschelflosse überhaupt

Dem Chef (7) gefiel der neue Kuschelflosse ganz, ganz großartig. Es wäre der beste Band von allen. Mal wieder. Denn das sagt er tatsächlich nach jedem Band. Im Brustton der Überzeugung. ?

Besonders mochte er, – ACHTUNG SPOILER – dass der Waldhexenmeister am Ende nicht mehr irre und böse ist. Wie er auf die Freundlichkeit der Kuschelbande reagiert. Das hat dem Chef schwer imponiert.

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„Komm mit, Moritz“ von Dieter Wiesmüller

„Komm mit, Moritz“ von Dieter Wiesmüller

„Die besten Seeräubergeschichten“ ist verschwunden. Das Buch mit dem roten Umschlag. Das Lieblingsbuch von Moritz! Doch bevor Moritz lange Trübsal blasen kann, reißt ihn eine Stimme aus seinen Gedanken: „Ahoi, Moritz!“ Und ehe er sich versieht, klettert er an einer Strickleiter hinauf. Hinauf an Bord des Luftschiffes der schwarzhaarigen Lissi.

Lissi jagd mit ihrer tierischen Mannschaft einen Schatz, der ihnen vom berüchtigten Seeräuber Grimmbart gestohlen wurde. Mit List luchsen die Kinder den grausigen Piraten den Schatz wieder ab. Ganz nach Piratenart geht auch Moritz nicht leer aus. Denn auch er bekommt seinen Anteil. Seinen ganz persönlichen Schatz.

Atemberaubenden Illustrationen

„Komm mit, Moritz“ von Dieter Wiesmüller
„Komm mit, Moritz“

Wie nur, ja wie konnte dieses Kinderbuch bisher unbemerkt an mir vorbeigehen? Zwar duftet diese wundervolle Ausgabe des Atlantis Verlags druckfrisch, doch erblickte „Komm mit, Moritz“ schon 1988 das Licht der Welt. Sein Schöpfer Dieter Wiesmüller erhielt schon 1990 den 1. Preis des Troisdorfer Bilderbuchpreises für seine außergewöhnliche Bildergeschichte. Und ich? Ich entdeckte sie erst dieses Jahr als ich in der Herbstvorschau des Verlages blätterte.

Ein klarer Fall von „Besser spät als nie“. So kommen zumindest meine Kinder schon im passenden Alter in den Genuss dieses modernen Klassikers. Wobei…ich weiß gar nicht, ob meine Jungs die atemberaubenden Illustrationen des Hamburgers zu schätzen wissen.

Denn die großformatigen Buntstiftgemälde dieses Kinderbuches sind ganz hohe Zeichenkunst. Teilweise wirken Landschaften und Städte fast fotorealistisch. Dagegen ragen die Piraten als überzeichnete Graphic Novel-Charaktere hervor. Allein wie Wiesmüller Licht und Schatten inszeniert, imponiert mir Kunstdilettantin enorm. In den atmosphärischen Traumlandschaften könnte ich Nächte lang wandeln.

Ganz besondere Schätze

Gut, Chef (7) und Vize (fast 4) finden die Bilder mit eigenen Worten „schön“. ? Allerdings würde ich schon behaupten, dass sie die Zeichnungen fasziniert betrachteten. Durch sie tief in das Geschehen abtauchten. Wegen ihnen so sehr mit fieberten. Und das taten sie.

Welch Abenteuer! Mitten in der Nacht auf einem Luftschiff durch Sturm und Wald und übers Meer zu reisen. Zu einer gefährlichen Piratenhorde. Um ihnen einen Schatz zu stehlen. Wie aufregend. Wie verwegen!

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„Zug der Fische“ von Yaroslava Black und Ulrike Jänichen

"Zug der Fische" von Yaroslava Black und Ulrike Jänichen
„Zug der Fische“

Der Fluss fließt durch das ganze Dorf. Es ist Marikas Dorf. Marikas Fluss. Doch heute erkennt sie ihn nicht wieder. Was sind das für seltsame, leuchtend blaue Fische?

Marika lebt bei ihrer Großmutter in den Karpaten. Im Sommer sammelt sie Blaubeeren. Die sie dann in der Stadt verkauft. Verkauft sie zwei Kilo Blaubeeren, kann sie sich Buntstifte kaufen. Verkauft sie fünf Kilo? Harry Potter! Der ist auch ohne Eltern aufgewachsen. So wie sie.

Denn ihre Mama arbeitet weit fort. Sie schickt Marika Briefe. Zwei pro Jahr. Sechs Briefe hat Marika schon. Außerdem schickt Mama noch Geld. Geld, so leuchtend blau wie die Fische, die heute so zahlreich im Fluss schwimmen.

Zu Herzen gehend

„Zug der Fische“ erzählt eine zu Herzen gehende Geschichte. Eine traurige Geschichte. Eine allzu realistische Geschichte. In dem bereichernden Nachwort beleuchtet Osteuropa-Experte Keno Verseck die Hintergründe des Buches. Das Schicksal der sogenannten „Eurowaisen“. Also von Kindern, deren Eltern im wohlhabenderen Ausland arbeiten. Weil es in der Heimat keine Arbeit gibt. Oder das Geld nichts wert ist. Der Journalist fasst das Dilemma der zurückgelassenen Kinder besser zusammen, als ich es könnte:

„Die große Sehnsucht nach den Eltern begleitet sie ständig, sie ist eines ihrer Grundgefühle im Alltag. Gleichzeitig sollen sie ihren Eltern für deren Abwesenheit dankbar sein oder fühlen sich jedenfalls dazu verpflichtet. Denn immerhin arbeiten die Eltern ja auch oder sogar vor allem deshalb im Ausland, weil sie für das materielle Wohl ihrer Kinder sorgen und deren Zukunft sichern wollen.“

„Komm zurück!“

Ich kann die Geschichte nicht lesen ohne feuchte Augen zu bekommen. Wenn wir Marika zu Western Union und beim Blaubeerpflücken begleiten, zerreißt es mein Herz. Wir begleiten sie bei der Busfahrt zum Markt; lesen von ihren Wünschen und den Briefen ihrer Mutter; erfahren von ihrem Leben im kleinen, schindelgedeckten Haus mit der Schlafstelle auf dem lehmverputzten Ofen. Spazieren mit ihr am Fluss entlang. Wo wir andere Kinder treffen. Denen es so geht wie ihr. Die auch ihre Eltern vermissen. Die alle denselben Weihnachtswunsch hegen: „Komm zurück!“

Verspielt naiv und plastisch-realistisch

Illustratorin Ulrike Jänichen malt in schlau gesetzten Buntstiftstrichen eine beklemmende Kinderrealität. Der grobe Buntstift schafft es sowohl verspielt naiv zu wirken als auch plastisch-realistisch.

Mein Liebster (der künstlerisch weit empathischer und gebildeter ist als ich) war ganz aus dem Häuschen. „Siehst Du die Dächer, die sie nicht gemalt hat? Wie sie mit dem negativen Raum umgeht?“ Selten verzückten ihn Kinderbuchbilder so sehr. Den Fluss liebt er besonders: „Es sieht nur nach einfachen, groben Strichen aus. Und dann ergibt es doch eine schimmernde, wabernde Oberfläche.“

Wenn die Jury des Hamburger Bilderbuchpreis nur annährend so begeistert war, ist klar warum Jänichen für diese Illustrationen den Preis erhielt.

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„Jetzt bestimme ich, ich, ich!“ von Juli Zeh und Dunja Schnabel

"Jetzt bestimme ich, ich, ich!" von Juli Zeh und Dunja Schnabel

Anki beschließt an ihrem siebten Geburtstag, dass sie jetzt groß ist. Denn groß sein bedeutet, selbst bestimmen zu können. Tja, wenn Anki bestimmen darf, will ihr kleiner Bruder das auch. Doch Mama und Papa wollen weiterhin sagen, wo es lang geht.

So herrscht bei Familie Wiefel nur noch Streit. Das Vertragen kommt zu kurz. Genauso wie das Abendessen. Zu mehr als Käsebroten fehlt der Familie einfach die Zeit und die Kraft. So kann es nicht weiter gehen.

Also probieren sie verschiedenste Szenarien durch – vom Bestimmer-Karussell über eine „Jeder-bekommt-was-er-will“-Phase bis zur Wahl einer Regierung. Irgendeinen Haken gibt es bei jedem System. Egal ob einfach die Zeit fehlt alle Wünsche zu erfüllen oder man trotz nächtelanger Diskussion keinen gemeinsamen Nenner findet. Am Ende einigen sich die Wiefels auf eine demokratisch gewählte Regierung auf Zeit. Damit machen sie eigentlich ein ganz gutes Geschäft.

Sind wir nicht alle ein bisschen Wiefel?

"Jetzt bestimme ich, ich, ich!" von Juli Zeh und Dunja Schnabel
Rückenansicht

Wir fühlten uns erwischt. Allesamt. Der Chef (7) der Viezechef (3) und ich. Manchmal sieht es bei uns nämlich sehr ähnlich aus wie bei den Wiefels. Bestimmen wollen wir alle gern. Juristin und Bestseller-Autorin Juli Zeh beschreibt in „Jetzt bestimme ich, ich, ich!“ also ganz typisches Familienleben. Mit Augenzwinkern und vielen Käsebroten. Nebenbei vermittelt sie unbeschwert und kindgerecht verschiedene Regierungsansätze und Möglichkeiten des Miteinanders.

Schlau und mit ganz viel Humor zeigt „Jetzt bestimme ich, ich, ich!“ die Tücken von Zusammenleben und Meinungsbildung. Besonders die Folgen der Auslosung von Aufgaben und das Ergebnis der territorialen Herrschaft Einzelner amüsierte meine Kinder sehr. Wer hätte gedacht, dass Politik so viel Spaß machen kann!?

Kinderlebensnah und lustig

"Jetzt bestimme ich, ich, ich!" von Juli Zeh und Dunja Schnabel

Das liegt auch an den lustigen, Kinderlebensnahen, Comic-haften Illustrationen von Dunja Schnabel. Sie fangen die Stimmung der Wiefels ganz wundervoll ein; nehmen die Pointen des Textes großartig auf. Der Dreijährige bleibt wegen dieser Bilder von vorne bis hinten am Ball. Kommentiert die Geschichte, deutet hierhin und dorthin. Klar, er versteht den Hintergrund noch nicht wirklich. Doch wenn Schildkröte Rainer-Maria plötzlich bestimmen darf, versteht auch er, dass da irgendwas schief läuft.

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„Monsterpost“ von Emma Yarlett: Schmausig, witzig, frech

"Monsterpost" von Emma Yarlett
„Monsterpost“

Schmaus sieht oberlecker aus. Viel zu lecker, um ihn allein zu verspeisen. Deswegen lädt Monster seine Freunde ein. Natürlich ganz klassisch – per Brief. Nach und nach trudeln die Zusagen ein. Erst von Graf Vielfrass, der es gerne saftig und fett mag. Dann kommt Madame Gargoyles Antwort. Die Gute mag es salzig. Für Riese Rambo muss es schleimig sein. Und Fussel-Fee isst nur Eiskaltes.

Monster bemüht sich wirklich redlich, die Sonderwünsche seiner Gäste zu erfüllen. Dabei versteht es Schmaus vorzüglich seine missliche Lage ins Gegenteil zu kehren. Bis Monster schließlich sagt: „Du siehst gar nicht mehr aus wie ein Schmaus.“ Naja… „Und du siehst gar nicht mehr aus wie ein Monster…“, findet der kleine Junge. Doch morgen kommen die Gäste! Was soll man da nur machen?

Ecklige Pampe? Nein danke!

"Monsterpost" von Emma Yarlett
„Monsterpost“

„Monsterpost“ ist schräg und witzig und frech. Von der ersten bis zur letzten Seite macht es einfach nur Spaß. Wie Klein-Schmaus das pinke Monster höflich um den Finger wickelt, ist zum Niederknien.

Ecklige Pampe? Nein danke! Schokokuchen ist viel netter und man wird davon viel fetter. Salzig soll’s sein? Ein Bad im Meer wird’s richten! Auch für Schleim und Eis fallen dem pfiffigen Knirps erfreuliche Lösungen ein.

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„Monster!“ von Stephan Pricken

"Monster!" von Stephan Pricken
„Monster!“

Samstagmorgen, kurz vor 6 Uhr. Mama und Papa schlafen noch tief und fest. Und wollen auch gerne noch ein Weilchen schlummern. Auch wenn Joscha von Monstern im Wohnzimmer spricht. Schließlich gibt es gar keine Monster.

Tja, auch wenn Mama und Papa sonst echt alles wissen, von Monstern haben sie keine Ahnung. Um sein Zwergkaninchen zu beschützen, wagt sich Joscha ins Erdgeschoss. Dabei überrumpelt er drei Schrankrabbler.

Die entpuppen sich als harmlose Chaoten, die eigentlich nur weiterziehen möchten. Allein, sie finden den richtigen Schrank nicht. Bei ihrer gründlichen Suche richten sie ein ebenso gründliches Chaos an. Es kommt, wie es kommen muss: Das monstermäßige Tohuwabohu weckt Papa. Der glaubt natürlich kein Wort von Joschas Bericht. Denn Monster, die gibt es doch gar nicht!

Hat alles, was ein Kinderbuch braucht

"Monster!" von Stephan Pricken
„Monster!“

„Monster!“ von Stephan Pricken hat hier einen ähnlichen Effekt, wie das Flötenspiel des Rattenfängers von Hameln. Wir waren schon auf dem Weg zum Spielplatz, als uns das Buch erreichte. Also nahm ich es kurzerhand mit. Nachdem ich es ausgepackt hatte, klebte der Vizechef an mir. Ich solle vorlesen. Sofort! Also las ich es dem Dreijährigen vor. Kaum hatte ich die zweite Seite umgeblättert, saßen plötzlich vier Kinder um mich herum. Bis zum Ende des Buches waren’s sechs (natürlich alle bekannt und aus unserer engen Schul- und KiTa-Seuchengruppe).

"Monster!" von Stephan Pricken
„Monster!“

Kaum hatte ich es beendet, schleppte einer aus der Bande das Buch zu seiner Mama. Die mit ihrer Lesung die vorhandenen – und weitere – Kinder fesselte. Mit dabei waren Drei- bis Siebenjährige und alle waren begeistert. Der Effekt nutzte sich bisher auch nicht ab. Sobald meine Jungs „Monster!“ erblicken, wollen sie es lesen. Und ich erfülle ihnen diesen Wunsch gerne.

Denn „Monster!“ hat einfach alles, was ein gutes Kinderbuch braucht: Einen mutigen Helden, lebendig-bunte Illustrationen, einen pfiffigen Text, Quatsch-Humor, ein heimeliges Abenteuer-Feeling und eine fein-sanfte Moral. Wir lieben es!

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Wieso? Weshalb? Warum?: Alles über Bäume

Das Sachbuch "Alles über Bäume" aus der Reihe "Wieso, Weshalb, Warum"
„Alles über Bäume“

Wie essen und trinken Bäume? Warum verlieren sie ihre Blätter im Herbst? Wie alt können Bäume werden? Immer wieder fragte mein Großer (6) uns auf unseren Corona-Ausflügen in den nahen Königsforst Löcher in den Bauch. Deswegen kam dieses Sachbuch der bekannten „Wieso? Weshalb? Warum?“-Reihe wie gerufen.

„Alles über Bäume“ beantwortet in typischer „Wieso? Weshalb? Warum?“-Weise die Fragen des Chefs. Dabei starten wir ganz am Anfang. Finden heraus, was ein Baum ist. Wie unterschiedlich Bäume aussehen und wo sie wachsen. Dann erfahren wir, warum sie Blätter haben. Und tatsächlich auch, wie sie essen und trinken. Das Buch erklärt, warum Bäume blühen und wie aus winzigen Samen grüne Riesen wachsen.

Highlight: Klappen

Der Sechsjährige hörte sich dieses ganze Basiswissen sehr interessiert an. Entdeckte mit dem Vizechef (3) zusammen all die Zusatzinformationen hinter den zahlreichen Klappen. Diese interaktiven Elemente sind Highlights für Schul- und KiTa-Kind. Und ehrlich? Ich mag dieses „versteckte“ Wissen auch sehr. Es macht das Ganze so viel lebendiger. Weckt einfach Spaß an Sachbüchern.

Ganz lebensnah zeigt „Alles über Bäume“ wo wir Baum-Erzeugnisse in unseren Alltag finden, wofür wir Holz brauchen und warum Bäume so wichtig für uns sind. Sehr aktuell greift das Buch auch das Thema Naturschutz auf. So führt es uns z. B. vor Augen, welchen Einfluss unser Fleischkonsum auf die Abholzung des Regenwaldes hat. Oder warum es sinnvoll ist, Papier zu sparen.

Rekordverdächtig

Besonders spannend fanden die Kids die rekordverdächtigen Bäume. Dem Großen hatte es der 1000 Jahre alte Adonis angetan. Diese Kiefer steht in Griechenland und gilt als ältester Baum Europas. Der Vize war ganz fasziniert von der Würgefeige, die sich auf anderen Bäumen durchs Baumleben schmarotzt.

Die Jungs sind begeistert von diesem „Wieso, Weshalb, Warum“-Band. Für Baum-interessierte Kinder von drei bis sieben Jahren eignet es sich perfekt. Es geht nicht tief in die Details und verstrickt sich nicht in Fachwörter. Auf Fachsimpeleien zu Chlorophyll und Photosynthese verzichtet das Buch dankenswerterweise komplett. Es beschränkt sich auf gut verständliche Erläuterungen. Für mich ein absolutes Pro!

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