„Der Koffer“ von Chris Naylor-Ballesteros

„Der Koffer“ von Chris Naylor-Ballesteros

„Eines Tages erschien ein seltsames Tier, das staubig, müde, traurig und ängstlich aussah.“ Was verbirgt sich wohl in seinem Koffer? Eine Tasse? Dafür ist der Koffer doch viel zu groß! Dass der Fremde dann auch einen Tisch und Stuhl und Küche im Koffer haben will, das kann ja wohl nicht sein. So groß ist der Koffer nun auch nicht.

Erschöpft schläft das fremde Tier ein. Misstrauisch beäugt von den heimischen Tieren. Argwöhnisch überlegen sie, was zu tun sei. Sie handeln. Brechen den Koffer auf. Aber was sie finden, überrascht sie. Beschämt sie.

Nun, sie machen es wieder gut. Entschuldigen sich. Reparieren, was kaputt ging. Gehen auf den Fremden zu. Und heißen ihn willkommen.

„Der Koffer“ – Kindlich, klar, konkret

Chef (7) und Vizechef (4) waren genauso neugierig, wie die Tiere. Was steckt bloß in dem Koffer? Warum ist der Fremde so müde? Sie verfolgten die Gespräche der Tiere. Erst zweifelnd. Dann ungläubig. Zuletzt entsetzt.

Das geht doch nicht! Oder doch? Nein! Das darf man doch nicht! Die Jungs verstanden nicht, was da vor sich ging. Der Große versteckte sich gar hinter einem Kissen. Und ich schwöre: Ich hörte Steine von Herzen purzeln, als die Tiere sich entschuldigten. Widergutmachung leisteten. Dem Fremden halfen. Alles gut wurde.

Welch Kraft doch in einer so einfachen Bildergeschichte stecken kann! Wie wenig es braucht, um das Richtige zu sagen. Das Wichtige zu zeigen. Ein paar wohl gesetzte Sätze. Präzise platzierte Zeichnungen. Beeindruckend!

Vollkommen zurecht ist „Der Koffer“ für den HUCKEPACK Bilderbuchpreis 2021 nominiert. Dieses wundervolle Bilderbuch thematisiert Fremdenfeindlichkeit und die Angst vor dem Unbekannten kindgerecht klar, unaufgeregt spannend und herzerwärmend direkt.

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„Hier lang! Da lang!“ von Doreen Cronin und Renata Liwska

„Hier lang! Da lang!“ von Doreen Cronin und Renata Liwska

„Brumm, Pieps und Glitschi machten sich früh auf, um den besten Platz zu finden, wo sie den Tag verbringen wollten.“ Bär Brumm will hier lang. Zum Strand. Aber Vogel Pieps möchte da lang. In die Berge. Derweil packt Schnecke Glitschi etwas zu essen ein…

Bald hat Brumm Hunger. Bald ist Pieps müde. Ein Snack wäre jetzt gut. Doch wo ist Glitschi mit dem Essen hin? Sie entdecken eine Heidelbärspur. Hier lang. Und da lang. Zum besten aller Plätze.

Eine lehrreiche Geschichte ohne Moralkeule

„Hier lang! Da lang!“ von Doreen Cronin und Renata Liwska

In „Hier lang! Da lang!“ begleiten wir drei Freunde in einem ganz normalen Tag. Den jeder mit eigenen Erwartungen füllt. Mit wenigen Worten und weichen, sparsamen Zeichnungen eröffnet das Bilderbuch eine Situation, die Kinder nur zu gut kennen. Zeigt, dass Kompromisse möglich sind. Dass alle zusammen glücklich sein können. Auch wenn dann vielleicht keiner genau das bekommt, was er am Anfang wollte.

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„Eine wilde Symphonie“ von Dan Brown und Susan Batori

„Eine wilde Symphonie“ von Dan Brown und Susan Batori

Ach, was habe ich „Illuminati“ damals gefeiert! Auch „Sakrileg“ mochte ich sehr. Dass der Autor dieser fesselnden Thriller mal ein musikalisches Kinderbuch reimen würde, das hätte ich im Leben nicht erwachtet. Dementsprechend erstaunt war ich, als ich „Eine wilde Symphonie“ entdeckte.

Ok, Dan Browns Eltern waren Musiker. Klavier spielte er schon als Kleinkind. Er sang im Chor und war Dauergast in Konzerten. Musik half ihm, sich zu entfalten. Mit diesem Wissen überrascht das neue Buch des Bestseller-Autoren nicht mehr ganz so arg.

Doch Brown schrieb nicht nur die Verse des Buches. Nein, er komponierte auch die Musik. Und die gibt’s zum Buch gleich dazu. Ein QR-Code führt uns nämlich direkt aus den Buchseiten zur kostenlosen App. Nach dem Download einfach die Kamera auf eine Stelle im Buch richten und – zack: Musik erklingt. Doch fangen wir am Anfang an.

„Eine wilde Symphonie“ – Musikgenuss und Knobelspaß

„Eine wilde Symphonie“ von Dan Brown und Susan Batori

Maestro Maus stellt ein Orchester zusammen. Aus all seinen tierischen Freunden. Darunter Waldvögel, Kängurus, Rochen und Frösche; Gürteltiere, Wildschweine, Elefanten, Käfer und Fledermäuse. Sie alle spielen ein Musikinstrument. Stellen es in ihrem eigenen Stück vor. Um es schließlich beim großen Finale mit allen zusammen zu spielen.

„Eine wilde Symphonie“ ist für uns ein richtiges Sonntagsbuch. Wir nehmen uns Zeit. Lesen die Reime und hören uns anschließend die Musikstücke. Dabei durchstöbern wir die Doppelseite. Suchen das Bienchen, das sich auf jeder Seite versteckt. Jagen die herumwuselnden Buchstaben – die manchmal ganz schön fies getarnt sind. Um anschließend aus dem gefundenen Anagramm den Namen des Instrumentes zusammenzusetzen, welches die Tiere der Seite im Orchester spielen werden. Was für ein Knobelspaß.

Dabei macht die Knobelei meinen beiden Jungs Spaß. Der Vize (4) begeistert sich besonders für die Biene. Aber er hilft dem Chef (7) auch tatkräftig bei der Suche nach den Buchstaben. Beim Zusammensetzen helfe ich. Wobei mein Zweitklässler Flöte, Horn und Klavier ganz allein enttarnte. Hilfreich war da das Vorsatzpapier. Auf dem tummeln sich nämlich alle Orchesterinstrumente (inklusive Namen).

Knuffige Illustrationen wilder Tierwelten

Ohne die Suchspielchen würde meinen Kids die Geduld fehlen, sich die klassischen Musikstücke komplett anzuhören. Als Berieselung nebenbei: ja! Aber nicht als Alleinunterhaltung. Als Gesamtwerk genießen wir Dan Browns Buchkomposition aber auch mal am Stück, alle 22 Kompositionen lang. Dabei dauern die meisten Beiträge etwa 90 Sekunden.

Durch die knuffigen Illustrationen von Susan Batori bleiben meine Jungs am Ball. In den wilden Tierwelten gibt es neben Biene und Buchstaben noch sehr viel mehr zu entdecken. Alleine die putzige Mimik der Tiere macht Laune.

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