„Detektei für magisches Unwesen 2: Da braut sich was zusammen“ von Lotte Schweizer

Das Kinderbuch „Detektei für magisches Unwesen: Da braut sich was zusammen“ von Lotte Schweizer vor Pflanzen stehend. Davor steht ein kupferner Hexenkessel.

Nachdem Jannik zum Ehrenermittler für Fabelfälle von herausragender Kniffligkeit ernannt wurde, scheint nichts mehr Aufregendes zu geschehen. Seine Freundinnen Pola und Lulu genießen das strahlende Frühlingswetter im Fabelhabitat. Zwischen märchenhaften Wesen und magischen Kräutern. Aber für Jannik dürfte es gerne etwas weniger idyllisch zugehen.

Als eine wertvolle Rosenquarzstatue auf mysteriöse Weise aus dem Juweliergeschäft Karfunkel verschwindet ahnt Jannik, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. Und da Polizist Olaf plötzlich seine Leidenschaft fürs Singen entdeckt hat, übernehmen die Freunde den Fall. Welch Glück. Denn es bleibt nicht bei diesem einen Diebstahl.

Die verschwindenden Juwelen sind jedoch nicht das einzige Merkwürdige im Dorf. Eine Glückkatze treibt reichlich Schabernack. Die Menschen verlieben sich reihenweise in Olaf. Und Lulus Tante Liesbeth wirkt auch irgendwie, als wäre sie nicht von dieser Welt…

Eine zauberhaft-famose Auflösung

„Megahexverhext!“ – sagte der Vizechef (6) als ich ihn fragte, wie er den zweiten Band der „Detektei für magisches Unwesen“ fand. Witzig war’s aber auch. Besonders Dorfpolizist Olaf. Und überhaupt war die Auflösung das Beste. Dem schließt sich der Chef (9) weise nickend an. 😊

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„Wenn Sterne verstreut sind“ von Victoria Jamieson und Omar Mohamed

Die preisgekrönte, großartige Graphic Novel „Wenn Sterne verstreut sind“ von Victoria Jamieson und Omar Mohamed in Wüstensand liegend

Wir befinden uns in Dadaab. Einem riesigen Flüchtlingslager in Kenia. Dieses gigantische Lager ist größer als so manch deutsche Großstadt. Und mitten in diesem überfülltem Chaos mit hungernden, versehrten Menschen teilen sich Omar und sein kleiner Bruder ein Zelt. Schon seit sieben Jahren.

Das Leben in einem Flüchtlingslager hat viele schlimme Seiten. Es gibt nur wenig Essen, also sind Hassan und ich immer hungrig. Und es ist heiss. Für mich ist das Schlimmste hier aber…dass es furchtbar langweilig ist. Jeder Tag ist praktisch gleich.“

Omar kümmert sich aufopfernd um seinen Bruder. Der nicht so ist, wie die anderen Kinder. Der spezielle Bedürfnisse hat. Manchmal von Krämpfen heimgesucht wird. Sensibler und ruhiger ist. Sehr ruhig sogar. Denn er sagt nur ein einziges Wort. Als Omar die Chance bekommt, zur Schule zu gehen, will er zunächst ablehnen. Schließlich muss er auf Hassan aufpassen.

Ausschnitt einer Innenseite der Graphic Novel für Kinder „Wenn Sterne verstreut sind“ von Victoria Jamieson und Omar Mohamed

Doch er nimmt die Chance wahr und kämpft sich durch. Lernt Englisch. Und steht viele Jahre später auf der Liste. Der Liste, welche jeder im Lager voller Hoffnung im Auge behält. Der Liste, auf der die Menschen stehen, die ein Interview mit der UN führen dürfen. Um vielleicht nach Amerika, Kanada, Hauptsache-Irgendwohin umsiedeln dürfen.

„In einem Flüchtlingslager kann sich alles schnell ändern… und gleichzeitig gar nichts.“

Wie jedes Kind…

„Wenn Sterne verstreut sind“ ist eine absolut berührende, zu Herzen gehende Graphic Novel für Menschen ab neun Jahren. Wenn Omar in einfachen Sätzen seine Geschichte erzählt, muss man einfach zuhören.

Unglaublich erscheint es, dass zwei kleine Kinder ohne ihre Mutter fliehen müssen. Halb tot in einem Lager ankommen, so weit weg von zu Hause. Ein Junge viel zu früh Verantwortung übernehmen muss. Viel zu früh erwachsen wird. Und dennoch Wünsche hegt, wie jedes Kind. Seine Mutter vermisst. Albträume hat. Nach Hause will.

Dass diese Geschichte im Kern wahr ist, macht das Ganze noch so viel intensiver. Dass sie zumindest für Omar und seinen Bruder ein Happy End hat, noch unfassbarer. Es wirkt wie ein reales Märchen. Welches Hoffnung weckt und gleichzeitig mahnt, wie ungerecht es auf dieser Welt zugeht.

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„Ein Känguru wie du“ von Ulrich Hub

Das Kinderbuch „Ein Känguru wie du“ von Ulrich Hub auf einem Regenbogen-Bild liegend

Seit sie ganz klein waren, üben Pascha und Lucky für ihren großen Auftritt. Mit ihrem Trainer fahren die beiden Raubkatzen ans Meer. Um den ersten Platz des Zirkusfestivals zu ergattern. Und wäre es nicht toll, wenn sich die Prinzessin in ihren Trainer verlieben würde?

Am liebsten wollen Lucky und Pascha erst einmal ins Meer. Doch Katzen mögen ja kein Wasser. Also bereiten sie sich auf ihren großen Auftritt vor. Aber dann dämmert Lucky Furchtbares. Ihr Trainer verhält sich so seltsam. Weint viel. Duftet nach Parfum. Frisiert sich dauernd. Ist er etwas schwul?

Das geht ja gar nicht!

Sie schreiben einen Abschiedsbrief und machen sich endlich auf den Weg zum Meer. Wo ihnen wieder einfällt, dass Katzen ja kein Wasser mögen. Dann doch lieber in die Stadt. Irgendwo gibt es bestimmt Pizza. Doch auch der Stadtbummel läuft nicht so rund. Erst als sie Känguru Django kennenlernen, scheint sich ihr Blatt zum Besseren zu wenden.

Der schwule Profiboxer stellt die Welt der Beiden gehörig auf den Kopf. Und zeigt, dass Freundschaft alles überwinden kann.

Nimmt Vorurteile aufs Korn

„Ein Känguru wie Du“ ist herrlich herzlich-jecker Lesespaß für Kids ab acht Jahren. Voller Schalk nimmt Ulrich Hub Vorurteile aufs Korn und Hörensagen den Wind aus dem Segel. Die Botschaft: Jeder darf das mögen, was er eben mag. Egal ob es dabei um Wasser, Pizza oder Menschen geht.

Chef (9) und Vizechef (6) mochten Pascha und Lucky sehr gerne. Schüttelten aber die Köpfe, als Lucky ihren Trainer verurteilte. Obwohl sie den selbst ziemlich blöd fanden. Gründe dafür gab es genug. 😉

Meine Jungs kicherten sich durch den Stadtausflug der beiden Freunde. Und staunten über Box-Känguru Django. Nicht weil’s schwul war. Weils einfach cool war. 😁

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„Fladder: Wie ich einer Fledermaus beibrachte, ein Vampir zu sein (obwohl ich mir eine Katze wünschte)“

Das Kinderbuch „Fladder: Wie ich einer Fledermaus beibrachte, ein Vampir zu sein (obwohl ich mir eine Katze wünschte)“ von Stefanie Christ und Karin Widmer

Ach, wie gerne hätte Jo ein Haustier. Aber: „Mama ist blöd.“ Die findet nämlich, dass Tiere in Freiheit leben sollten. Jedenfalls nicht in kleine Stadtwohnungen gehören. Doch als eines Abend ein kleines Wesen gegen die Balkontür knallt, muss sich Jo natürlich kümmern. Muss herausfinden, was es ist. Um es richtig zu versorgen. Die Recherche ergibt: Es ist ein Babyvampir!

Blut will Jo dem süßen Vampir nicht geben. Aber der scheint auch mit rotgefärbter Katzenmilch zufrieden. Je fitter das Kerlchen wird, desto schwieriger lässt sich das lebendige Geheimnis verbergen. Schließlich entdeckt Mama das Vampirchen. Und bringt ihr Kind auf die richtige Fährte, was es wirklich mit dem putzigen Tierchen auf sich hat.

Freundschaft, Freiheit, Fledermäuse

Rückseite des Kinderbuches „Fladder: Wie ich einer Fledermaus beibrachte, ein Vampir zu sein (obwohl ich mir eine Katze wünschte)“ von Stefanie Christ und Karin Widmer

Welch Kind würde Jo nicht verstehen? Ein Haustier! Das wäre zu schön. In unserer Kölner Blase wurden schon Schnecken, Regenwürmer und Raupen mit nach Hause geschleppt. Teilweise auch – wie im Buch – heimlich im Kinderzimmer gehalten. Demnach erscheint mir Stefanie Christs Kinderbuch höchst realistisch. 😅

„Fladder“ nimmt das kindliche Bedürfnis nach einem Haustier, nach einem bedingungslosem Freund, sehr ernst. Erzählt Jos Geschichte auf Augenhöhe und mit ganz viel Verständnis. Zwar endet es mit Aufklärung und dem Fazit, dass Tiere wirklich besser nicht in die Wohnung gehören. Doch geschieht dies ohne erhobenen Zeigefinger.

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„Von der Idee zum Buch“ von Becky Davies und Patricia Hu

Wie entsteht eigentlich ein Buch? Was muss alles passieren, bis wir zu Hause in den duftenden Seiten schwelgen können? Genau das erklärt dieses erzählende Sachbuch für Menschen ab sechs Jahren höchst unterhaltsam. Für uns Buchverrückte war das Bilderbuch natürlich ein Muss.
Das Buch „Von der Idee zum Buch“ von Becky Davies und Patricia Hu in einem Bücherregal

Auf 32 Seiten berichtet Autorin Becky Davies davon, wie ein Buch entsteht. Und zwar nicht irgendein Buch. Nein! Genau dieses Buch. 😊

Von der Idee und wie sie ihren Freunden und Verwandten davon erzählt. Über den kreativen Prozess mit ganz vielen Skizzen und Recherchen. Zum fertigen Manuskript, das bei Verlagen landet. Doch dann – sobald es ein Verlag angenommen hat – geht es erst richtig los.

Planen, designen, zeichnen, verbessern

Autorin und Lektor arbeiten eng zusammen. Perfektionieren das Buch. Der Lektor holt das restliche Verlagsteam ins Boot. Schließlich müssen Verlegerin, Vertriebler, Lizenzkollegin und Art-Direktorin alle an einem Strang ziehen. Damit aus der wundervollen Idee der Autorin ein Bestseller wird.

Ein Vertrag wird geschlossen. Eine Grafikerin und eine Illustratorin mit dem Projekt betraut. Sie planen, designen, zeichnen, verbessern. Wählen Schriftart und stimmen die Farbpalette ab.

Gleichzeitig koordiniert die Verlegerin die Termine; kümmert sich die Lizenzkollegin darum, die Rechte am Buch in andere Länder zu verkaufen. Und der Vertrieb rührt schon einmal die Werbetrommel beim Buchhandel. Auch Presse und Bloggerei erhalten Informationen.

Währenddessen beginnt das Buch in der Druckerei handfest Gestalt anzunehmen. So das wir es nun wirklich bald in den Händen halten können.

Und was für ein schönes Buch es ist.

Rückseite des erzählenden Sachbuchs „Von der Idee zum Buch“ von Becky Davies und Patricia Hu

Wirklich! Vom wunderschönen Einband über das herrliche Vorsatzpapier und den peppigen Illustrationen bis zum locker-leicht, mit Witz und Köpfchen präsentierten Sachwissen. Neben den Fakten gibt es Hunde und Katzen, viel Kaffee und noch mehr Kekse. Und ganz besonders viel Liebe zum Thema Buch.

Die Geschichte hüpft von Bild zu Bild. Dabei leiten oft Pfeile den Weg und erfahrene Comic-Leser*innen finden sich gut zurecht. Doch dürfte der Aufbau für manch Sechsjährigen schwer nachvollziehbar sein. Auch der feine Humor zielt eher auf ältere Kinder.

Ab der dritten Klasse, würde ich sagen. Dort kann ich es mir auch sehr gut in der Klassenbibliothek vorstellen. Der Chef (9) war zum Beispiel gerade mit seiner vierten Klasse in Bücherei und Buchhandlung, um den Weg eines Buches zu recherchieren. Da ist „Von der Idee zum Buch“ die perfekte Ergänzung.

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„School of Talents 3: Dritte Stunde – Monster in Sicht!“ von Silke Schellhammer

Das Kinderbuch „School of Talents 3: Dritte Stunde - Monster in Sicht!“ von Silke Schellhammer vor einer roten Backsteinmauer

Nachdem Alva und ihre neuen Freunde mit dem geborgenen Schatz die School of Talents retten und auch das Geheimnis um die dubiosen Diebstähle und Stromausfälle lüften konnten, ist endlich einmal Zeit für Unterricht. Für das neueste Schulprojekt sammeln die Schüler an der Steilküste des Internats Fossilien. Das könnte sehr spannend sein. Doch leider verdirbt ein neuer Lehrer den Freunden den Spaß.

Außerdem tauchen riesige Fußabdrücke am Strand auf. Und irgendjemand randaliert nachts auf dem Schulgelände. Steckt Gestaltwandler Elwin dahinter? Aber vielleicht gibt es ja auch ein richtiges Monster auf der Insel…

Wieder hilft die Infotafel im Foyer mit einem Rätsel. Gelingt es den Freunden, es zu lösen?

Alte Bekannte und neue Freunde

Logisch! Alva, Mala, Til und Jonas sind inzwischen ein eingespieltes Team. Bei ihrem dritten Fall bekommen sie Verstärkung von Schulrüpel Elwin. Der gar nicht so übel ist. Auch Alvas Zimmerkameradin Friederike taut weiter auf und hilft als Mitglied der Tafel-Rätsel-Bande tatkräftig mit.

Natürlich tauchen alte Bekannte aus den ersten beiden Bänden regelmäßig auf. Rabe Rodrigo sorgt für viele Lacher. Genauso wie die frechen Sprüche von Jonas. Weiterhin hat Alva so ihre Probleme mit ihrem Tablet. Dafür beherrscht sie ihr Tiere-verstehen-Talent besser. Und staunt noch immer über all die anderen, verrückten, beeindruckenden Fähigkeiten ihrer Mitschüler.

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„DK Wissen. Erde: Unser Planet in spektakulären Bildern“

Das Sachbuch „DK Wissen. Erde: Unser Planet in spektakulären Bildern“ liegt auf einem Holztisch

Wow! Dieses Buch haute mich wirklich um. Rand voll mit Wissen und atemberaubenden Bildern veränderte es meine Sicht auf den Planeten, auf dem ich ja nun doch schon ein paar Jahre lebe. Über den ich schon so einige Bücher gelesen habe. Doch die Blickwinkel und Momentaufnahmen die dieses Sachbuch für Kinder ab acht Jahren bietet, sind einmalig. Die eindrucksvollen Illustrationen, Fotos und 3-D-Grafiken ziehen selbst ausgemachte Erdkundemuffel in ihren Bann. Genauso wie begeisterungsfähige Erwachsene. 😉

Allerdings erschlug mich erst einmal die Fülle an Informationen auf den Seiten. Die einzelnen Infokästchen, Bilder und Grafiken konkurrieren um Aufmerksamkeit. Was lese ich zuerst? Wo geht es lang? Doch ist es gar nicht so wichtig. Das Auge darf einfach da verweilen, wo es hängen bleibt. Dort, wo eine Reihenfolge eingehalten werden sollte, zeigen Ziffern den Weg.

Ausschnitt einer Innenseite des Sachbuch „DK Wissen. Erde: Unser Planet in spektakulären Bildern“

Vom Urknall bis zum Klimawandel

Rückentext des Sachnuchs „DK Wissen. Erde: Unser Planet in spektakulären Bildern“

Irgendwie logisch beginnt es am Anfang. Das Buch reist mit uns 13,77 Milliarden Jahre in die Vergangenheit. Zum Urknall. Rast weiter zur Entstehung der Erde vor über 4,5 Milliarden Jahren. Rast durch Meteoritenhagel, Sonnensystem, Erdentwicklung, Zeitalter. Betrachtet eingehend das Innere der Erde und den Aufbau ihrer Oberfläche. Dabei beleuchtet es Magnetfeld, Erdbeben, Tsunamis, Vulkane, Gesteinskreislauf. Enthüllt auch die Geschichte des Lebens und vermittelt Wissen zu Mineralien und Fossilen.

Ein eigenes, ausführliches Kapitel befasst sich mit dem Wasser der Erde. Vom Regetropfen zum Fluss. Über Eis und Schnee. Bis zu den Ozeanen. Ein weiteres Kapitel widmet sich Wetter und Klima. Hier finden wir grundlegendes Erdkundewissen z. B. über Luftströme, Wolken, Stürme. Aber auch Fakten über den Klimawandel und seine Auswirkungen.

Ausschnitt einer Innenseite des Kinder-Sachbuchs: „DK Wissen. Erde: Unser Planet in spektakulären Bildern“
„DK Wissen. Erde: Unser Planet in spektakulären Bildern“ weiterlesen

„Das Schloss der Smartphone-Waisen“ von Salah Naoura

Das Kinderbuch „Das Schloss der Smartphone-Waisen“ von Salah Naoura vor einer verblassten, roten Backsteinmauer

Marlas Eltern fielen – schwerkraftbedingt – von einer Klippe ins Meer. Als sie mit ihrer Tochter skypten. Und dabei wohl vergaßen, wo sie waren. Jahre später kreuzt sich Marlas Weg mit Bodhi und Bhavanis. Deren Vater wegen Kopfhörer und Musik auf den Ohren einen Zug überhörte.

Inzwischen erwachsen, adoptierte Marla die Geschwister und gründete in einem altersschwachen Haus in einem Berliner Hinterhof Smart e. v. – das erste und einzige Wohnheim für Smartphone-Waisenkinder. Welches auch Tara, Leo und Kalli ein neues Zuhause gibt. Deren Eltern ebenfalls an (oder mit) ihren Mobiltelefonen verstarben. Zusammen geben sich Kinder in Marlas herzlichem Heim Halt. Sind beste Freunde. Sind Familie.

Smartphone-Waisen halten zusammen

Als sie die Nachricht erhalten, dass ihr baufälliges Heim bald abgerissen werden soll, beginnt die Suche nach einem neuen Zuhause. Perfekt wäre das Schloss der alten Hermine. Doch deren fieser Sohn will das Schloss für sich. Aber die fünf Freunde haben einen Plan.

Meine Jungs lieben die Smartphone-Waisen!

Zugegeben, der Titel machte mich sehr skeptisch. Smartphone-Waisen? Was sollte das sein? Kinder ohne Smartphones? Eine Bande elternlose Kinderdetektive, die mit ihren Handys Fälle lösen? Selbst als wir schon mittendrin steckten, hatte ich Zweifel. Ist diese Idee nicht arg Morbide für ein Kinderbuch für Kids ab 8 Jahren? Aber da hat sich mein bekloppter Erwachsenenkopf echt mal wieder zuviele Gedanken gemacht.

Chef (9) und Vizechef (6) fanden „Das Schloss der Smartphone-Waisen“ absolut großartig. Fanden weder die Idee abstrus, noch waren sie verstört oder traurig. Zu lustig war die Sprache, zu drüber das ganze Szenario. Und doch auch irgendwie ganz nah bei ihnen. Denn mal ehrlich: So weit hergeholt ist das elterliche Verhalten, sind die Todesarten nicht. Auf unsere Kinder müssen wir wirklich oft so wirken wie fremdgesteuert oder hypnotisiert. Sind unaufmerksam und abgelenkt. Soweit war das für meine Jungs also gar nicht unrealistisch.

Magisch, surreal, grotesk

Rückenansicht des Kinderbuchs „Das Schloss der Smartphone-Waisen“ von Salah Naoura

Als die Freunde dann aber zur Tat schreiten, um Hermine und ihr Schloss zu retten, beginnt eine fantastische, abgedrehte Reise die Kinderherzen jubeln lässt. Wenn die Waisenbande weder vor Entführung noch vor Raub oder Einbruch zurückschreckt. Sie mit magischen Fähigkeiten glänzen und Gadgets nutzen, die jeden Agenten vor Neid erblassen lassen würden. Das ist einfach ein herrlich anarchischer, rotzfrecher Spaß. Der mir beim Vorlesen manch Lachtränchen ins Auge trieb.

Salah Naoura bedient sich bei Science-Fiction und Fantasy. Bricht immer wieder mit direkter Ansprache die vierte Wand. Und schenkt uns mit all dem eine Geschichte so magisch, so surreal, so grotesk wie ich sie im Kinderbuchbereich bisher nur selten entdeckte.

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„Oma kommt zurück“ von Sabine Wolfgang

Das Kinderbuch „Oma kommt zurück“ von Sabine Wolfgang vor einem Frühlingsblumenstrauß und einer brennenden Kerze in einer kleinen Tasse.

„Drei Nachmittage in der Woche verbringt der Leo mit seiner Oma. Er sagt Oma-Tage dazu. Die Oma-Tage sind die besten, weil die Oma einfach die Beste ist.“

Oma ist Marionettenspielerin. Und Leo lernt das Puppenspiel von ihr. Wenn er mit Oma und den Marionetten zusammen ist, ist der Junge ganz im Moment.

„Die Mama sagt immer, der Leo ist eine alte Seele.“

Dabei ist er der Jüngste in seiner Klasse. Er wird erst in den Sommerferien acht Jahre alt. Aber er mag Apfelstrudel lieber als Cupcakes; alte Fersehserien lieber als Neue. Das unterscheidet ihn schon ein wenig von seinen Mitschülern.

Außerdem beschäftigen ihn seltsame Fragen. Etwa, wie eine Seele aussieht. Er nimmt sich Vieles zu Herzen. Empfindet sehr intensiv. Braucht Auszeiten. Vielleicht weint er auch etwas mehr als die anderen Kinder.

Was geht da in dem Leo vor?

Als Leos geliebte Oma stirbt und er sie in einer Katze wiedererkennt, beginnen Lehrer und Mutter zu grübeln. Was geht da in dem Leo vor? Kann ein Profi ihm helfen mit seinen Gefühlen umzugehen? Und ist Leo vielleicht hochsensibel?
Ein Besuch bei einer Coachin für Hochsensibilität bestätigt die Vermutung. Die Expertin hilft Leo und seiner Mama, sich in ihrer herausfordernden Situation zurecht zu finden.

Herzensthema Hochsensibilität

Die Rückseite des Kinderbuches über Hochsensibilität „Oma kommt zurück“ von Sabine Wolfgang

Selbst hochsensibel liegt das Thema Autorin Sabine Wolfgang am Herzen. Auch ich denke hochsensibel zu sein. Undiagnostiziert. Aber die Indizien sind erdrückend. Lärm und Licht vertrage ich seit jeher schlecht. Ich liebe es alleine zu sein. Brauche regelmäßige Auszeiten. Von allem. Kann Stunden damit verbringen aus dem Fenster zu starren und philosophische Fragen zu wälzen. Bin ganz groß darin mich in Selbstvorwürfen zu wälzen und mein Ich zu sezieren.

Die Gefühle anderer Menschen nahm ich bis ins junge Erwachsenenalter nahezu wie meine eigenen wahr. Dachte damals eher an magisch-esoterische Superkräfte. Noch immer zerfließe ich in Tränen oder jauchze vor Glück mit anderen. Allerdings schaffe ich es inzwischen zu filtern. Mich nicht überrollen zu lassen.

Wegen meiner Erfahrungen bin ich überzeugt davon: Je früher wir Hochsensibilität bei uns oder unseren Kindern entdecken, desto besser können wir lernen mit ihr umzugehen. So dass wir diese Eigenschaft als Gabe annehmen, nicht als Fluch.

Besonders wertvoll für erwachsene Leser

Als Kinderbuch gibt „Oma kommt zurück“ die Möglichkeit, das Thema feinfühlig in die Familie zu bringen. Zum Selberlesen empfiehlt die Autorin das Buch Kindern ab acht Jahren. Als Vorlesebuch lauschen Kids ab sechs Jahren bestimmt auch gerne. Erkennen sich vielleicht selbst wieder. Besonders wertvoll empfinde ich das Buch allerdings für erwachsene Leser. Denen hier geholfen wird, ihre hochsensiblen Kinder besser zu verstehen.

Falls Ihr also grübelt, ob Euer Kind vielleicht ein wenig zartbesaiteter tickt als andere, dann lege ich dieses Buch ans Herz. Obwohl ich es erstmal was viel fand, die beiden Thematiken Tod und Hochsensibilität zu verbinden. Doch macht das Sinn. Denn gerade in Extremsituationen zeigt sich unser Wesen.

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„Detektei für magisches Unwesen: Drei Helden für ein Honigbrot“ von Lotte Schweizer

Das Kinderbuch „Detektei für magisches Unwesen: Drei Helden für ein Honigbrot“ von Lotte Schweizer umgeben von einer Tasse Tee mit Honig, einem Honigbrot und einer Kerze

Für Jannik steht fest: Kiesbach braucht dringend eine Detektivbande. Pola und Lulu – seine besten Freundinnen – sind davon jedoch nicht überzeugt. In ihrem Kaff passiert eh nichts.

Aber dann verschwindet im Feinkostladen Piepenbrink wertvoller Honig. Als sich auch Oma Inges Honigbrot in Luft auflöst steht für Jannik fest: Hier stimmt etwas nicht. Zusätzlich wirkt Janniks neuer Nachbar höchst verdächtig. Und es passiert noch mehr Ungewöhnliches.

Spätestens als Peggory Jones auftaucht, sind auch Janniks Freundinnen gerne dabei –bei der „unfreiwilligsten Bande der Welt“. Denn der Agent für Magisches und Fabelwesen braucht dringend Unterstützung. Die Kiesbacher Fabelwelt ist nämlich in großer Gefahr.

Ausschnitt einer Innenseite des Kinderbuches „Detektei für magisches Unwesen: Drei Helden für ein Honigbrot“ von Lotte Schweizer

Die Detektei für magisches Unwesen legt los

Rückseite des Kinderbuches „Detektei für magisches Unwesen: Drei Helden für ein Honigbrot“ von Lotte Schweizer

Eine Detektivbande, geheime Orte und Fabelwesen – all das lieben meine Jungs. So war es eigentlich keine Frage, dass Chef (9) und Vizechef (6) die „Detektei für magisches Unwesen“ mögen würden. Besonders mein Sechsjähriger knobelte mit und war ganz stolz, als er die richtigen Schlüsse zog. Mit den vielen, unterhaltsamen Illustrationen rauschten wir nur so durch die Geschichte. Die auch mir sehr gut gefiel.

Allerdings hätte ich gerne mehr über Pola und Lulu erfahren. Und über die Welt der Fabelwesen. Doch da es der Auftaktband einer Reihe ist, gewinnen Charaktere und Universum in den Folgebänden bestimmt noch Tiefe. Zumindest der Ausblick in den Kiesbacher Fabelwald am Ende des ersten Abenteuers lässt wundervolles vermuten.

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