„Tiefseedoktor Theodor“ von Leo Timmers

„Tiefseedoktor Theodor“ von Leo Timmers

Unsere Herzen bersten vor Meerweh. Deswegen haben Meerbücher bei uns derzeit Hochkonjunktur. So fand auch „Tiefseedoktor Theodor“ von Leo Timmers zu uns. Das meerige Bilderbuch ist fast schon ein Klassiker.

Und wir tauchen ab. Mit Tiefseedoktor Theodor. Der jeden Morgen in den Ozean taucht, um Meerestieren in Not zu Helfen. „Doktor Theodor weiß immer Rat.“

So verschreibt er dem Seerennpferdchen eine Brille. Befreit den Hai von Zahnschmerzen und verarztet alle Krakenarme. Auch den traurigen Wal muntert er auf.

Doch, ach! Als sich sein U-Bott in Seepflanzen verheddert, gerät Theodor selbst in Gefahr. Aber zusammen schaffen es die Tiere nun ihm zu helfen.

Ozeanfrisch und herrlich leicht

„Tiefseedoktor Theodor“ von Leo Timmers

„Tiefseedoktor Theodor“ zeigt in kleinen, drolligen Szenen, dass jeder Probleme haben kann. Auch Große und Starke und Schnelle. Dass diese Probleme aber auch lösbar sind. Dabei erzählt das Kinderbuch, dass jeder helfen kann. Dass es wichtig ist einzugreifen und zu handeln, wenn jemand Hilfe benötigt. Dass Zusammenhalt wichtig ist.

Es ist eine feine, sensibilisierende Geschichte. Ohne aufdringliche Moral. Dafür Ozeanfrisch und herrlich leicht illustriert.

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„Die Waschanlage der Schutzengel“ von Petra Steckelmann und Mele Brink

„Die Waschanlage der Schutzengel“ von Petra Steckelmann und Mele Brink

Als Justins Vater eine Tankstelle an der Südküste Englands erbt, nutzt die Familie die Chance. Raus aus dem kleinen Haus in der dreckigen Stadt! Hinein ins Landleben an der wilden Steilküste.

Doch die Tankstelle liegt mitten in einem Naturschutzgebiet. Autos verboten! Wie passen Tankstelle und Waschanlage dahin? Und was hat es mit den Kisten auf sich, die sich in der Waschanlage häufen? Besonders, da sie voller Münzen sind? Ist Großtante Sues Geschichte über Engel vielleicht gar kein Märchen?

Justin geht der Sache auf den Grund. Dabei entdeckt der Zehnjährige, dass tatsächlich Schutzengel die Waschanlage nutzen. Denn: Ihnen fehlt die Zeit, sich nachts der Flügelpflege zu widmen. Zu hektisch ist unsere Zeit. Wir Menschen dauerwach und unachtsam. Wie gut, dass zumindest die südenglischen Schutzengel ein wenig Hilfe erhalten.

Eine wahrlich wunderbare Geschichte

„Die Waschanlage der Schutzengel“ von Petra Steckelmann und Mele Brink
„Die Waschanlage der Schutzengel“

„Die Waschanlage der Schutzengel“ erzählt eine wahrlich wunderbare Geschichte. Von einem unsicheren Jungen, der in einer neuen Umgebung aufblüht. Von einer Familie, die Chancen nutzt. Und von unerklärlichen Gefühlen, Neugier, Hoffnung und Achtsamkeit.

Petra Steckelmann nahm uns mit an die südenglische Küste, die unserer geliebten bretonischen Küste nicht unähnlich ist. Sofort fühlten wir uns wohl. Schon träumten Chef (7) und Vizechef (4) von ihrer Zukunft am Meer. Davon, wie sie den Engeln helfen könnten. Und welche Eigenschaften ihr Engel wohl von ihnen übernehmen würde.

Denn das tun Schutzengel, wenn sie ihrem Menschen in die Augen blicken. Ob sie wollen oder nicht. So verlernt Justins Engel prompt das Lesen. Was dramatische Folgen hat. Der Augenblick von Tante Sue und ihrem Schutzengel führte überhaupt erst zur Gründung der Waschanlage für Schutzengel.

Frische, freche Bilder

Die frechen Illustrationen von Mele Brink stellten den Vierjährigen vor eine Herausforderung. Denn auf vielen der karikaturartigen Bilder sieht man nicht unbedingt das, was wirklich geschieht. Mal steht Familie Kinney beim Hausputz überlebensgroß über eben jenem Haus. Dann beißt eine Elfe Justin in den Finger. Oder ein Schwarm Fragezeichen umschwirrt Justins Kopf.

Die Metaphorik der Bilder war auch für den Siebenjährigen schwer verständlich. Doch wie meist bei Dingen, welche die Kids nicht ganz greifen können: Den Spaß verringerte es nicht. Geschichte und Bilder passten wie Engel in Waschanlagen: Ganz vortrefflich!

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Florian L. Arnold: „Pirina“

Florian L. Arnold: "Pirina"
„Pirina“

Sie verloren ihre Familien. Flohen vor Krieg, Tyrannei, Faschismus. Nahmen unglaubliche Strapazen auf sich. Reisten in ständiger Lebensgefahr. Ließen Wegefährten hinter sich. Strebten in Richtung der gelobten Stadt am Meer. In ein anderes Land. In den Frieden.

Um sich in einem Haus zu treffen, dessen Namensschilder immer leer blieben. In dem niemand gefunden werden wollte. In dem die Wände dünn waren. Sie glaubten nicht an die Liebe. Und fanden sie doch.

Eine poetische Liebesgeschichte

Florian L. Arnold erzählt in „Pirina“ eine poetische Liebesgeschichte. Eine Geschichte voll Horror; eine Geschichte voll Hoffnung. In dichterischen Sätzen, fast lyrisch, legt er das Schicksal seiner Protagonisten vor unsere Füße. Schreibt es in unser Herz. Berichtet von Tod, Flucht und Schuld. Genauso wie von Mut und Lebenslust, vom Durchhalten und der wahren Liebe.

Ich las mir viele Passagen laut vor. Genoss die wohlgesetzten Worte. Die klangvollen Sätze. Fast wirkt „Pirina“ wie ein 192-seitiges Gedicht. Mal mehr, mal weniger rhythmisch. Doch immer ästhetisch. Kunstvoll. Das mag teilweise verwirren. Zwischen Zeitsprüngen und Gedankengängen verirrte ich mich gar ein wenig. Doch von graden Wegen halte ich wenig. Auch in Arnolds Grafiken, verlor ich mich angenehm.

Keine leichte Lektüre

„Prinina“ ist keine leichte Lektüre. Sie schmeichelt nicht. Sie fordert. Und das zu Recht!

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