„The Loop: Das Ende der Menschlichkeit“ von Ben Oliver

"The Loop: Das Ende der Menschlichkeit" von Ben Oliver

Im Loop ist jeder Tag gleich. Gäbe es Wren nicht, Luke wäre in dem Jugendgefängnis schon längst durchgedreht. Doch die Bücher, welche die junge Wärterin dem 16-Jährigen zusteckt, retten ihn. Helfen ihm, die Einsamkeit zu ertragen. Und die unmenschliche Prozedur der Energieernte. Dabei ist „unmenschlich“ hier wortwörtlich zu verstehen.

Denn die K.I. Happy entscheidet sachlich und emotionslos über Wohl und Wehe der Insassen. Sowie über das allgemeine Weltgeschehen. Bis sich plötzlich Insassen in grinsende, mordlüsterne Monster verwandeln. Aber nicht nur die Gefangenen drehen durch. Auch die Technik funktioniert nicht mehr. Zwar dachte Luke, dass das Loop die Hölle ist. Doch der wahre Alptraum beginnt erst jetzt.

Gesellschaftskritische Horrorvision

"The Loop: Das Ende der Menschlichkeit" von Ben Oliver

„The Loop“ ist eine packende Jugend-Dystopie. Die Zukunft in Ben Olivers Debüt dunkel und beklemmend. Obwohl es keine Kriege mehr gibt, scheint die Welt alles andere als golden. Die Gesellschaft ist zerrissen. Die Kluft zwischen Arm und Reich gewaltig. Die Menschen legten ihr Schicksal in die Schaltkreise einer künstlichen Intelligenz. Die Entität entscheidet logisch. Was kann daran schon falsch sein?

Was als gesellschaftskritische Horrorvision beginnt, wandelt sich flott in eine actiongeladene Endzeit-Prophezeiung inklusive munter meuchelnder Zombievariante. Eine übermächtige Künstliche Intelligenz, optimierende Cyberware, soziale Ausbeutung und biologische Waffen – Ben Oliver fischte tief im dystopischen Ozean der letzten Jahrzehnte.

„The Loop: Das Ende der Menschlichkeit“ von Ben Oliver weiterlesen

Sebastian Guhr: „Die langen Arme“

Bei der letzten Frankfurter Buchmesse saß ich im Frankfurt Pavilion als Sebastian Guhr für seinen Roman „Die langen Arme“ den Blogbuster-Preis 2018 erhielt. Die Story klang interessant. Doch noch mehr weckte das Ungesagte meine Neugier. Dieses Schmunzeln um die Lippen von Autor und Blogbuster-Verantwortlichen. Dieses Schmunzeln hätte mich vorbereiten können. Dennoch stürzte ich kopfüber in den Kaninchenbau als ich Erzählerin Antje in ihre pataphysikalische Welt folgte.

Antje Gruentner lebt mit ihrer jüngeren Schwester Yvette und ihrem Vater am Stadtrand der DDR-Kleinstadt Gangolfsömmern. Zusammen mit der hochbegabten Synästhetikerin Yvette erfindet sie bizzare Pseudomaschinen. So produziert ihre Fleischblume (ein Apparat aus einem Leuchtglobus, einem Akkordeon, Schläuchen und … Katzenköpfen) Düfte in absoluter Reinheit.

Yvette geht in der Ausbildung ihres synästhetischen Talents auf. Die Erforschung des Swing nimmt sie komplett ein. Diese mächtige Geruchsmelodie soll die Körperzellen des Riechenden zum Schwingen bringen und so eine grundlegende Veränderung herbeiführen können.

Antje dagegen interessiert sich für Kommunikation. Für die Verbindungswege zwischen den Menschen – verbal, sensorisch, oberflächlich, unterirdisch. Ja, unterirdisch. Denn Antje entdeckt schlafwandelnd ein Tunnelsystem, das die Gebäude der Stadt wie ein Nervensystem durchzieht. Die Einzelgängerin kartografiert die Stadt, Ihre Bewohner, ihre Geheimnisse. Sortiert die Bürger in Oberflächliche und Untergründige. Verliert sich in ihrem psychologischen Forschungswahn.

Was für ein krasser Scheiß!

Sebastian Guhr: "Die langen Arme"
Sebastian Guhr: „Die langen Arme“

Man, oh man, oh man! Sebastian Guhr schickt den Leser in „Die langen Arme“ auf einen abstrus-abgefahrenen, kafkaesken Tripp! Was für ein krasser Scheiß! Und das meine ich als Kompliment. Ich habe lange nichts mehr derart anarchisch Abgedrehtes gelesen.

Sebastian Guhr: „Die langen Arme“ weiterlesen