Barry Jonsberg: Das Blubbern von Glück

Barry Jonsberg: Das Blubbern von Glück

 Barry Jonsberg: Das Blubbern von Glück
Barry Jonsberg: Das Blubbern von Glück

Das Blubbern von Glück – dieser Titel! Er sprang mich einfach an, krallte sich in mein Herz und blubberte da solange vor sich hin, bis ich nicht anders konnte und mir das Buch des australischen Kinderbuchautors Barry Jonsberg bestellte. Dem cbt Verlag gebührt Respekt, denn ausnahmsweise gefällt mir der deutsche Titel deutlich besser als der Originaltitel: My life as an alphabet. Dabei passt der englische Titel perfekt zu dieser fiktiven Autobiografie einer sehr besonderen Zwölfjährigen.

Miss Bamford (die beste Lehrerin auf der Welt, was Candice anbelangt) vergibt im Englischunterricht die Aufgabe einen Erlebnisbericht zu verfassen. Also einen Aufsatz über etwas, das die Schüler in der Vergangenheit erlebt haben. Dabei sollen sie zu jedem Buchstaben einen Absatz über sich selbst schreiben. Doch ein Absatz, das ist Candice viel zu wenig. Sie schreibt gleich ein ganzes Buch. Und jedes Kapitel steht unter dem Motto eines Buchstabens. Von A wie Aufsatz bis Z wie Zeitenwende.
Das wunderliche Mädchen berichtet nun ihrer Lehrerin (und dem Leser), was in ihrem Leben geschieht und geschah. Sie berichtet von ihrer depressiven Mutter, von ihrem verbitterten Vater, von ihrer toten Schwester Sky, von ihrem reichen Onkel Brian, von ihrem zweit- oder drittbesten Freund Douglas Benson aus einer anderen Dimenson und ihrer besten Freundin, dem Fisch Erdeferkel-Fisch. Briefe an ihre amerikanische Brieffreundin Denille ergänzen den Aufsatz.
Candice erzählt davon, wie ihre Familie vor Glück blubberte, als ihre Mutter mit ihrer Schwester schwanger war und davon, wie das Blubbern zusammen mit Sky den Plötzlichen Kindstod starb. Doch Candice hat es satt zu trauern. Sie will wieder glücklich sein. Und sie will, dass ihre Familie wieder glücklich ist. 

„Du bist doch autistisch, nicht wahr?“ Diese Frage beantwortet Candice mit einem einfachen „Nein.“ (Seite 67/68). Doch ich gebe zu, auch ich ging bis zu diesem Satz davon aus, dass das seltsame Verhalten und eigentümliche Denken der junge Dame aus dieser oder einer ähnlichen Informationsverarbeitungsstörung rührt. Candice ist definitiv anders als andere Mädchen ihres Alters. Ihre Lieblingslektüre ist das Lexikon, das sie von Anfang bis Ende durcharbeitet. Sie macht sich Gedanken über die Religiosität ihres Goldfisches. Sie ist schockierend ehrlich, atemberaubend logisch und unerschütterlich optimistisch. Sie nimmt die Menschen ernst und findet an jedem etwas Liebenswertes.
Ihre altklug wirkende, offene, direkte, praktische Art (und damit auch der Schreibstil) sind gewöhnungsbedürftig. Anfangs nervte mich der naive, neunmalkluge Jargon. Doch passt er wunderbar, ist stimmig, authentisch. Das Mädel hat Macken. Wiederholungen und Zwangsäußerungen verdeutlichen das.

Eine Familie erlebt einen schlimmen Schicksalsschlag, gerät aus den Fugen, droht zu zerbrechen. Einer gibt nicht auf und möchte alles wieder richten. Die Geschichte an sich ist nicht sehr originell. Doch Jonsberg lässt sie von einer bezaubernd-skurrilen Protagonistin erzählen, die mich laut zum Lachen und leise zum Weinen brachte, während ich das Buch auf einer vierstündigen Zugfahrt verschlang. Von mir deswegen eine ganz klare Leseempfehlung an Jung und Alt.

Veröffentlicht von

Simone

Das ist mein Blog. Hier tob ich mich aus. ;) Ich bin eine unverbesserliche Leseratte. Mein Herz schlägt aber auch für Filme und Serien, frische Luft, Basteleien und gutes Essen.

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