„Der kleine Dunkelfresser“ – für alle, die das Licht im Dunklen mal nicht sehen

"Der kleine Dunkelfresser" von Ilka Volz mit Illustrationen von Julia Dürr
„Der kleine Dunkelfresser“ von Ilka Volz mit Illustrationen von Julia Dürr

„Böse starrt Leo die Flurtüre an, und die große Glasscheibe in der Tür starrt wie ein mürrisches finsteres Auge zurück. Leo kann sich einfach nicht überwinden, den dunklen Flur entlangzugehen…“ Dabei ist Leonie mit ihren sieben Jahren eigentlich wirklich schon zu alt, um Angst im Dunkeln zu haben. Doch der lange Weg durch den dunklen Flur ins neue Kinderzimmer, der ist einfach viel zu unheimlich.

Überhaupt ist neuerdings alles ziemlich blöd. Leonie ist mit ihrer Mama von Papa weggezogen. Ihr bester Freund Jakob wohnt nun nicht mehr im selben Haus. Sie geht auf eine andere Schule als er. Dafür gibt’s in ihrer Klasse eine gemeine Oberzicke, die sie dauernd piesackt. Ihre Mama arbeitet oft zu lang. Ihr Papa ist manchmal schwer zu erreichen. Und weil Ihre Mama keine Zeit hat und ihr Papa nicht ans Telefon geht und Jakob zu weit weg wohnt, wird sie wohl seine Geburtstagsfeier verpassen. Klar, dass bei so viel Chaos und Veränderung die Dunkelheit um Leo zunimmt und bedrohlich wirkt.

Köstliches Dunkel

Doch ganz unverhofft glimmt ein leuchtender Schimmer in Leonies Leben auf. Als sie auf der Suche nach Opa Kurts Buddelschiffen tapfer dessen düsteren Dachboden durchstöbert, entdeckt sie ein schimmerndes, summendes, säuselndes Wuschel. Und irgendwie landet das flauschige Wuselknäuel in Leos Rucksack. Was sie allerdings erst zu Hause bemerkt… Leos Dunkelheit schmeckt dem kleinen, knopfäugigen Wesen ganz wunderbar. Und je mehr Finsternis es frisst, desto heller strahlt es; desto mehr Licht durchflutet Leos Leben. Und desto besser sieht auch sie wieder das Licht im Dunklen.

"Der kleine Dunkelfresser" von Ilka Volz mit Illustrationen von Julia Dürr

„Der kleine Dunkelfresser“ ist eine berührende, aktuelle Geschichte über ein Mädchen, dessen Leben sich radikal verändert. Ihre Eltern trennen sich; sie zieht aus ihrer gewohnten Umgebung fort; sie hat Angst, sie ist traurig und sie ist unsicher. All das manifestiert sich in der Dunkelheit um sie herum. So wie die Dunkelheit Ausdruck ihrer Ängste und Trauer ist, so kommt der Dunkelfresser als Allegorie der Hoffnung und Lebensfreude daher. Das Licht gewinnt. Bald schon strahlt das kleine Wesen so hell, dass Leonie nachts kein Auge mehr zu bekommt. Was ja auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Nur strahlendes Licht, das geht auf Dauer eben auch nicht.

Gibt Mut und Hoffnung

Mein sechsjähriger Chef las den „Dunkelfresser“ sehr gerne mit mir, auch wenn Leonies Leben weit weg von seiner Realität liegt. Er hat allerdings einen Freund, dessen Eltern sich getrennt haben und die daraufhin wegzogen. Das irritierte ihn damals sehr. Und während des Lesens zog er immer wieder Parallelen. Kinder, die in einer ähnlichen Situation wie Leonie stecken, werden sich bestimmt mit ihr identifizieren und so Mut und Hoffnung schöpfen können.

Die Situationen in der Schule, die triezende Zicke, den coolen Jungen, den Leo kennenlernt (und der noch viel cooler ist, als er sowieso von Anfang an wirkt) – ergänzen Leos Welt ganz wunderbar.

Wahlhamburgerin Ilka Volz triggerte außerdem mein Faible für die wunderschöne Hansestadt. Immer wieder fühlte ich mich an Alster und Elbe versetzt. Und Opa Kurt setzt dem die Krone auf. Überhaupt: Opa Kurt! Welch zauberhafter Weltenbummler. Ganz charmant und nebenbei führt er Leonie (und den kleinen Lesern) vor Augen, dass Erwachsene auch nur alte Kinder sind. Nicht unfehlbar, nicht angstfrei – egal wie viel sie schon erlebt haben.

Fantastisch fand ich auch, dass weder Mama noch Papa den schwarzen Peter zugeschoben bekommen. Das Leben ist so, wie es ist und es geht weiter. Alle tun ihr Bestes. Und auch wenn mal wenig Zeit ist, mit ein wenig Einfühlungsvermögen und Verständnis können kleinen Gesten ganz Großes bewirken. So wie ein kleiner Dunkelfresser die Finsternis vertreiben kann.

Ich danke dem Magellan Verlag für unser kostenloses Rezensionsexemplar!

Titel: Der kleine Dunkelfresser
Autorin: Ilka Volz
Illustratorin: Julia Dürr
Genre: Kinderbuch, Vorlesebuch, starke Kinder, Alltagsgeschichten, Ängste, moderne Familie
Format: Hardcover; 80 Seiten
Verlag: Magellan Verlag
Erscheinungsdatum: 17. Juli 2019
ISBN: 978-3-7348-2839-3
Preis: 14 €
Empfohlenes Alter: ab 6 Jahren
Das Buch beim Verlag: Vorlesebücher von Magellan
Zur Internetseite der Autorin: Augentrost · Grafikdesign
Zum Internetauftritt der Illustratorin: Julia Duerr Illustration

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