"Als wir allein waren" von David A. Robertson und Julie Flett

„Als wir allein waren“ von David A. Robertson und Julie Flett

"Als wir allein waren" von David A. Robertson und Julie Flett

Irgendwo in Kanada fragt ein kleines Mädchen seine Großmutter: „Nókom, warum trägst du so viele Farben? Warum trägst du dein Haar so lang? Warum redest du Cree?“ Neugierig löchert es seine Oma mit all diesen Fragen. Und die Oma erzählt.

Sie erzählt von einer Zeit, als sie und ihre Freunde in der Schule nur eintönige Uniformen tragen durften. Weit weg von zuhause. Von einer Zeit, als ihr die Haare abgeschnitten wurden. Einer Zeit, in der sie ihre Sprache nicht sprechen und ihren Bruder nicht sehen durfte.

„Als wir allein waren“ erzählt von einer Zeit, in der die Kinder der kanadischen Indianer in Residential Schools zwangserzogen wurden. Diese Schulen sollten „den Indianer im Kind töten“. Zugegeben: Dieser Teil internationaler Geschichte war mir bisher vollkommen unbekannt.

Ein dunkles Stück kanadischer Vergangenheit

"Als wir allein waren" von David A. Robertson und Julie Flett
Als wir allein waren

Das Kinderbuch „Als wir allein waren“ beleuchtet dieses dunkle Stück der kanadischen Vergangenheit und fordert auf nachzudenken. Wie fühlt sich jemand, dem die gewohnte Kleidung, die geliebten Haare, die Familie weggenommen wird? Wie fühlt es sich wohl an, all das wieder zu bekommen? Warum tun Menschen einander so etwas an?

David A. Robertson berichtet im Nachwort, dass er „die Geschichte des Residential School-Systems anstelle all derer“ erzählen wollte, die diese Zeit erlebt haben. Die es aber nicht schafften, darüber zu reden. Wie seine eigene Großmutter.

Die traditionell anmutenden Bilder von Julie Flett fangen Erinnerungen und Gegenwart der Großmutter ein. Zeigen die Grausamkeit des Erlebten. Und stellen dieser Grausamkeit Momente der Hoffnung entgegen. Geheime Momente, die es möglich machten zu Überleben. Im Herzen bei sich zu bleiben. Um dann eine warme, freundliche Gegenwart zu leben.

Ich las „Als wir allein waren“ meinem sechsjährigen Chef vor. Zuerst informierte ich ihn jedoch über die Hintergründe des Buches. Ich fragte ihn, ob er die Geschichte hören will. Er war betrübt. Aber er wollte die Geschichte unbedingt hören. Er lauschte so gebannt, wie die Enkelin im Buch ihrer Oma lauscht. Und er freute sich, dass es diese Schulen heute nicht mehr gibt.

Danach redeten wir noch eine Weile über das Warum und Weshalb. Über Menschen, die sich für etwas Besseres halten. Und darüber, wie dumm das doch ist. Weil doch alle Menschen wundervoll sein können. Weil es doch schön ist, dass wir nicht alle gleich sind!

Zeitlos und immer aktuell

Auch wenn „Als wir allein waren“ auf den ersten Blick nichts mit unserem Leben im heutigen Deutschland zu tun hat: Die Thematik ist zeitlos. Die Geschichte ist voller Menschen, die sich für stärker und besser halten. Die ihre Lebensweise anderen aufdrängen wollen. Die Geschichte der Unterdrückung ist eine Geschichte, die sich wiederholt und die ihre Aktualität nie verliert. Überall auf der Welt. Kinder darüber zu informieren, aufzuklären und zu sensibilisieren kann in meinen Augen gar nicht früh genug beginnen.

Ich danke dem Little Tiger Verlag für unser kostenloses Rezensionsexemplar.

Titel: Als wir allein waren
Originaltitel: When we were alone
Geschrieben von: David A. Robertson
Illustriert von: Julie Flett
Übersetzt von: Christiane Kayser
Genre: Kinderbuch, Vorlesebuch, Bilderbuch
Themen: Kanada, politische Bildung, kanadische Geschichte, Ureinwohner, Cree, First Nations, Residential-School-System
Format: Hardcover, 18 Seiten
Verlag: Little Tiger
Erscheinungstermin: 28. Februar 2020
ISBN: 978-3-9587-8034-7
Preis: 13,90 €
Altersempfehlung des Verlags: ab 5 Jahren
„Als wir allein waren“ beim Verlag: Zum Buch
David A. Robertson im Netz: Besuch den Autoren
Julie Flett im Netz: Besuch die Illustratorin

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Veröffentlicht von

Simone

Das ist mein Blog. Hier tob ich mich aus. ;) Ich bin eine unverbesserliche Leseratte. Mein Herz schlägt aber auch für Filme und Serien, frische Luft, Basteleien und gutes Essen.

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