Ashley Edward Miller, Zack Stentz: "Der beste Tag meines Lebens"

Miller, Stentz: „Der beste Tag meines Lebens“

Ashley Edward Miller, Zack Stentz: "Der beste Tag meines Lebens"
Ashley Edward Miller, Zack Stentz: „Der beste Tag meines Lebens“

Als ich letzten Monat durch das Amazon Vine-Angebot stöberte, erweckte der schöne grüne Einband von „Der beste Tag meines Lebens“ meine Aufmerksamkeit. Die Zusammenfassung des Jugendromans um den Teenager Colin Fischer, welcher die Herausforderung seiner Asperger Krankheit meistern muss und ein Verbrechen aufklären möchte, klang vielversprechend. Dass die beiden Autoren Ashley Edward Miller und Zack Stentz bisher nur Drehbücher geschrieben haben (darunter auch für die TV-Serie „Fringe“ und die Blockbuster „Thor“ und einen “X-Men“-Film) beeindruckte mich wenig, hielt mich aber auch nicht davon ab, das broschierte Buch anzufordern.

Highschool-Freuden…

Der erste Highschool-Tag beginnt für Colin Fischer nicht gerade rosig. Auf der Toilette trifft er noch vor der ersten Stunde auf einen lächelnden Wayne Connelly. Könnte Colin die Mimik seiner Mitmenschen lesen, dann wäre ihm aufgefallen, dass dieses Lächeln nichts Gutes bedeutet und sein Kopf bald Bekanntschaft mit der Kloschüssel machen würde. Doch Colin leidet am Asperger-Syndrom, einer Art Autismus. Es fällt ihm schwer sozial zu interagieren, zu kommunizieren, Stimmungen zu erkennen oder eben Gesichter zu deuten. Recht teilnahmslos lässt er die Prozedur über sich ergehen, geht nach Hause, wechselt sein Hemd und geht wieder in die Schule. Denn er geht gerne zur Schule.

…für einen Jungen mit Asperger

Ashley Edward Miller, Zack Stentz: "Der beste Tag meines Lebens"
Ashley Edward Miller, Zack Stentz: „Der beste Tag meines Lebens“

Colin mag es nicht berührt zu werden, selbst seinen Eltern gestattet er nur selten Körperkontakt. Bei lauten Geräuschen tickt er schon mal aus. Der 14-Jährige sagt was ihm durch den Kopf geht, schreibt alle seine Beobachtungen in sein Tagebuch, liebt Fakten und Sherlock Holmes. Gleichaltrige ziehen den seltsamem Jungen auf, können mit ihm bestenfalls nichts anfangen. Auch seinem drei Jahre jüngerer Bruder Danny ist Colin mehr als peinlich. Nur ein Mädchen, Melissa, hält seit der Grundschule zu ihm.

Als während der Mittagspause ein Schuss in der Cafeteria losgeht und eine Pistole in den Resten von Melissas Geburtstagskuchen gefunden wird, beginnt Colin zu ermitteln. Alle geben dem Rowdy Wayne die Schuld. Doch das glaubt der jugendliche Detektiv nicht.

Tagebucheinträge und Fußnoten

Einfach und fluffig geschrieben, lesen sich die 224 Seiten flüssig weg. Der simple, präzise Sprachstil passt perfekt zum nüchternen, pragmatischen Protagonisten. Jedes Kapitel beginnt mit einem Tagebucheintrag. Dadurch lernt der Leser schnell Colins Gedankenwelt, Wissensdurst und Ticks kennen. Dieser Trick gefiel mir sehr gut. Im Gegensatz zu den insgesamt 35 Fußnoten in denen Colins weiteres umfassendes Wissen zu verschiedenen Themen festgehalten ist. Diese – Entschuldigung – Klugscheißereien hätte das Autorenteam auch einfach im Fließtext unterbringen können. Ellenlange Fachmonologe gehören schließlich zu Colins herausragendsten Eigenschaften. Den Leser mit Fußnoten immer wieder aus dem Lesefluss zu reißen ist einfach unschön.

Kleine Ungereimtheiten

Unschön sind auch einige Ungereimtheiten im Verhalten Colins. Doch es ist ein Roman, kein Sachbuch über das Asperger-Syndrom und ich kenne keinen Betroffenen, so dass ich nicht sagen kann, wie unrealistisch einige Handlungen wirklich sind. Dass Colin nun plötzlich lockerer wird, als Kleinkind seiner Mutter mehr Körperkontakt gestattet hat und er sogar beginnt Basketball zu spielen, kann auch einfach an der veränderten, aufwühlenden Situation liegen. Bei einigen Entwicklungen stutzte ich so zwar kurz, wirklich gestört fühlte ich mich dadurch jedoch nicht.

Highschool-Detektivgeschichte

„Der beste Tag meines Lebens“ bot mir im Ganzen kurzweilige Unterhaltung. Das Jugendbuch gewährt lehrreich, locker und spannend Einblicke in die Welt eines Asperger-Betroffenen. Doch der Schwerpunkt liegt bei der Highschool-Detektivgeschichte. Schon längst diskutieren Sherlock Holmes Fans, ob die Figur das Asperger-Syndrom hat, nur deshalb so messerscharf kombinieren kann und im sozialen Kontakt schwächelt. Die Idee ist also alles andere als neu. Ashley Edward Miller und Zack Stentz setzten sie aber sehr anständig und zeitgemäß um.

So schlägt sich Colin alias Holmes durch das Geschehen, lernt seinen Dr. Watson kennen und entdeckt sein Moriarty-Äquivalent, das im nächsten Band bestimmt noch für Ärger sorgen wird. Und einen nächsten Band, den wird es bestimmt geben, daran lässt das Ende von „Der beste Tag meines Lebens“ kaum einen Zweifel. Und warum auch nicht. Eine fluffige und lehrreiche Serie, die vielleicht für etwas mehr Toleranz unter Teens sorgt, kann so verkehrt nicht sein.

Veröffentlicht von

Simone

Das ist mein Blog. Hier tob ich mich aus. ;) Ich bin eine unverbesserliche Leseratte. Mein Herz schlägt aber auch für Filme und Serien, frische Luft, Basteleien und gutes Essen.

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