Sarah Winman: "Als Gott ein Kaninchen war"

Sarah Winman: „Als Gott ein Kaninchen war“

Sarah Winman: "Als Gott ein Kaninchen war"
Sarah Winman: "Als Gott ein Kaninchen war"

Als Gott ein Kaninchen war – schon der Titel des Debütromans von Sarah Winman weckte meine Neugier. Das wunderhübsche Cover verzauberte mich. Also griff ich zu. Als ich anfing zu lesen, hielt ich laut Klappentext „ein Buch über die Liebe in all ihren Formen“ in meiner Hand. Gespannt begann ich die Seiten zu lesen, die diese in London lebende britische Schauspielerin ihrem Vater widmete.

Intelligente Göre

Einzelgängerin Elly Portman findet nicht leicht gleichaltrige Freunde. Sie betrachtet die Welt durch neugierige, sehr clevere Augen; sieht die Welt ein wenig anders als die meisten Kinder. Sieht vielleicht mehr. Ihr älterer Bruder Joe leistet der intelligenten Göre Gesellschaft und beschützt sie vor den Gefahren des Lebens, auch wenn er nicht alle fieses Dinge verhindern kann.

Mit acht Jahren lernt Elly ein Mädchen kennen, das mit ihren seltsamen Marotten und Problemen ihr Herz erreicht. Jenny Penny und Elly verbindet bald eine dicke, unzerstörbare Freundschaft. Doch wie das Leben so spielt, die Eltern entschließen aus der Stadt ans Meer zu ziehen und Elly verliert ihre beste Freundin aus den Augen.

Bunter Haufen liebenswerter Menschen

Weil Ellys Eltern Menschen mögen, eröffnen sie in ihrem neuen Heim eine Frühstückspension. Die Intensivbetreuung, die sie bieten, überfordert manche Gäste, andere wiederum lieben es. So entwickelt sich besonders mit den beiden Paradiesvögeln Arthur und Ginger eine tiefe Freundschaft. Der schwule Autor und die leicht schrille Varietékünstlerin gehören zu den Dauergästen genauso wie Ellys Tante Nancy. Die berühmte Schauspielerin liebt die Frau ihres Bruders nicht nur platonisch, was jeder weiß und für die Portmans auch keinerlei Probleme aufwirft. Der bunte Haufen liebenswerter Menschen könnte glücklich leben, bis an sein Lebensende.

Das Leben geht seinen Gang

Sarah Winman: "Als Gott ein Kaninchen war"
Sarah Winman: "Als Gott ein Kaninchen war"

Gut Fünfzehn Jahre später lebt Bruder Joe in Amerika und Jenny Penny taucht mit einem Brief aus dem Gefängnis aus der Versenkung auf. Mit ihrem homosexuellen Bruder telefoniert Elly regelmäßig mitten in Nacht. Führt melancholische Gespräche über Ängste und Sorgen. Der Kontakt mit ihrer vor Jahren plötzlich vom Erdboden verschluckten Freundin gestaltet sich schwieriger. Zögerlich. Und nur über geschriebene Worte.

Liebende finden sich, Freunde nähern sich an, Mentoren sterben, Hochhäuser stürzen ein. Das Leben geht seinen Gang.

Wie private Aufzeichnungen

Als Gott ein Kaninchen war wirkt wie ein Tagebuch. Oder – besser noch – wie die privaten Aufzeichnungen der Protagonistin, die sie für eine Psychotherapie anfertigt. Denn die hätte Elly wirklich nötig. Neurotisch, manchmal weinerlich, doch immer in schöne Wort gehüllt, erzählt das mittlerweile erwachsene Mädchen ihre Vergangenheit. Von einer an sich wunderbaren Kindheit. Doch etwas Perfektes gibt nicht. Ein sexueller Missbrauch wird angedeutet, es fehlten Freunde, die einzige Freundin verschwand. Die Frau, die uns ihr Leben erzählt, lebt als Journalistin von Job zu Job und trinkt zuviel. Hat kein Ziel, weiß nicht wohin. Nur der labile Bruder gibt Ihr dauerhaft Halt.

Von alldem erzählt Elly. Viel deutet sie nur an. Sie stellt die Menschen vor, die sie liebt. Und deren Dämonen. Beschreibt die Beziehung zu ihnen, pickt Ereignisse ihres Lebens heraus. Das erscheint manches Mal wahllos und oberflächlich. Zu viele Informationen paaren sich mit zu wenig Tiefe. Elly plaudert und wir hören ihren Gedanken zu. Die Geschichte plätschert dahin. Hoppelt wie der Hase namens Gott aus ihrer Kindheit unentschlossen durch die Jahre. Das führt durchaus zu einigen Längen. Doch wirkt es auch authentisch.

Die Portmans und die Clique schrulliger Menschen, die sie um sich scharen, erinnerten mich an eine andere skurrile Roman-Familie. Die verrückten Flanagans (aus dem gleichnamigen Buch) machen dem jüngsten Spross ihrer Dynastie das Leben schwer. Doch die Portmans sind nicht bissig und wahnsinnig. Sie sind weniger durchgeknallt, nur ein bisschen bekloppt. Und sie sind sympathisch.

Wunderschöne, metaphernreiche, poetische Sätze

Sarah Winman: "Als Gott ein Kaninchen war"
Sarah Winman: "Als Gott ein Kaninchen war"

Meine Assoziation mit dem Roman von Elizabeth Kelly wurde viel eher von Winmans wundervoller, bildhafter Sprache geweckt. Elly packt ihre Geschichte in wunderschöne, metaphernreiche, poetische Sätze. Hier und da schimmert zwar die Unerfahrenheit der Autorin durch, mancher Satz bleibt stumpf und rau. Andere Satzkonstrukte rauben dagegen den Atem, wecken greifbare Erinnerungen und Gefühle.

Jedes Leben ist besonders

Als Gott ein Kaninchen war beschreibt Liebe, Freundschaft, Selbstzweifel und Ängste in ihren unterschiedlichsten Schattierungen. Sarah Winmans Erstlingswerk erzählt vom Verlieren und (Wieder)Finden. Die Bezugspersonen der Protagonistin sind eine Handvoll liebenswerter, verschrobener, kaputter, lebensfroher, manischer, komplexer Menschen. Gut und Böse, Schwarz und Weiß, Glück und Unglück, Leid und Freude – jedes Leben enthält ganz viel von Allem. Jedes Leben ist besonders und einzigartig. Und: „Nichts bleibt lange vergessen.“

Veröffentlicht von

Simone

Das ist mein Blog. Hier tob ich mich aus. ;) Ich bin eine unverbesserliche Leseratte. Mein Herz schlägt aber auch für Filme und Serien, frische Luft, Basteleien und gutes Essen.

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