„Und die Welt, sie fliegt hoch“ von Sarah Jäger und Sarah Maus

Der Jugendroman „Und die Welt, sie fliegt hoch“ von Sarah Jäger und Sarah Maus

Ava hat Hausarrest. Mitten in den Sommerferien. All ihre Freundinnen sind im Freibad. Und sie langweilt sich.

Juri bleibt freiwillig in seinem Zimmer. Denn das ist der einzige Ort, an dem er sich sicher fühlt. Welt und Menschen machen ihm Angst.

Plötzlich meldet sich Ava per Sprachnachricht bei Juri. Seit der Grundschule hatten die beiden Vierzehnjährigen keinen Kontakt mehr. Dennoch entwickelt sich schnell ein pointiert-witziges Geplänkel zwischen ihnen. Hin und her fliegen gemeinsame Erinnerungen, misstrauische Fragen, schelmische Lügengeschichten, philosophische Grübeleien. Sie entdecken Gemeinsamkeiten in ihrer Gegensätzlichkeit. Hören zu, ohne zu werten.

Ein außergewöhnliches Jugendbuch

Kein bisschen wundert es mich, dass „Und die Welt, sie fliegt hoch“ gleich doppelt für den Deutschen Jugendliteratur Preis 2025 nominiert wurde. Es ist ein so wundervolles Buch!

Die Rückseite des Briefromans „Und die Welt, sie fliegt hoch“ von Sarah Jäger und Sarah Maus

Dabei musste ich mich erst einmal an die außergewöhnliche Erzählweise und Darstellung gewöhnen. Denn die linke Seite des Buches gehört Ava, die Rechte Juri. Sie schickt eine Nachricht, er antwortet. Links, rechts, links, rechts. Und dazwischen die wundervollen Illustrationen. Bei denen im Raum zwischen Nachrichten und Gedanken viel Platz für eigene Interpretationen bleibt. Die das Gespräch aber auch manifestieren. Uns in die Köpfe schauen lassen.

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„Geister gibt es nicht oder Meine total verrückte Reise mit Sir Parzival von Schreckenfels“ von Andrea Schomburg

Das Kinderbuch „Geister gibt es nicht oder Meine total verrückte Reise mit Sir Parzival von Schreckenfels“ von Andrea Schomburg vor einer alten Backsteinmauer

Eben noch stand Lina in der Turnhalle. Reimte lustig vor sich hin, während sie den seltsamen Stein in den Fingern hielt. Den Stein, den sie beim Ausflug zur Burgruine fand. Und plötzlich steckt sie im wildesten Abenteuer-Chaos mit Sir Parzival von Schreckenfels. Einem Geist. Dabei glaubt Lina überhaupt nicht an Geister. Auch Chaos mag sie nicht.

Die Zehnjährige mag Ordnung – Kontrolle und Struktur. Damit ihre Mama und ihre kleine Schwester Hedi nicht von grässlichen Krankheiten dahingerafft werden, wäscht sie sich immer gründlich die Hände. Genau 13 Mal. Auch tritt sie nie auf die Zwischenräume der Gehwegplatten. Mit diesen Maßnahmen „kann man das Schlimmste verhindern. Meistens.“

Papa ist trotzdem weg und Hedi trotzdem krank. Welch wundersame Fügung, dass Sir Parzival sie zu einer Reise nach Anderweit verpflichtet. Um den Berggeist zu befrieden, der den dichtenden Adeligen vor vielen Jahrhunderten verfluchte. Denn in Anderweit wartet das Wasser der Gesundheit. Genau das, was Lina für ihre Schwester braucht.

Wunderbar verrücktes Märchen

Die Rückseite des Kinderbuches „Geister gibt es nicht oder Meine total verrückte Reise mit Sir Parzival von Schreckenfels“ von Andrea Schomburg

Also bricht sie auf, ins Wunderland von Anderweit. Fällt zwar nicht durch einen Kaninchenbau, reist jedoch durch einen Spiegel. Was nicht die einzige Parallele zur Geschichte der wohl bekanntesten Weltenreisenden ist. Wie Alice begegnet auch Lina vielen verrückten, magischen Wesen. Rat gebenden, Rätsel sprechenden, wundersamen, chaotischen Gestalten. Die in ihrem Charakter Menschen aus Linas Realität ähneln. Herausforderungen verkörpern, die sie in ihrem Alltag stemmen muss.

Auf ihrer Reise mit dem reumütig reimenden Aristokraten, wächst das Mädchen über sich hinaus. Besiegt Zwangshandlungen, schließt Freundschaften, rettet die Anderweitwelt. Und damit auch die ihre.

„Geister gibt es nicht oder Meine total verrückte Reise mit Sir Parzival von Schreckenfels“ ist ein wunderbar verrücktes, Metaphern reiches Märchen für Menschen ab acht Jahren. Als Vorlesegeschichte klappt das Bilder und Gedicht reiche Buch aber auch für Jüngere. Dabei versteht jeder das, was er alters- und erfahrungsgemäß verstehen kann und will. Wir großen Vorleser interpretierten weit mehr ins Geschehen, als die Kinder. Doch jeder von uns genoss die fantasievolle, von Lina in authentischer Sprache einer Zehnjährigen erzählte Geschichte.

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