„Leonard und Paul“ von Rónán Hession

Der Roman „Leonard und Paul“ von Rónán Hession

Leonard und Paul sind zwei schüchterne Männer in ihren 30ern. Beide mögen Gesellschaftsspiele lieber als Sport. Beide sind von ruhigem, genügsamem Gemüt. Paul lebt bei seinen Eltern. Leonard lebte mit seiner Mutter. Bis diese vor einigen Wochen starb.

Leonard verfasst im Namen bekannter Autoren Kinderlexika. Gewissenhaft und unsichtbar. Paul lebt in den Tag hinein. Springt hin und wieder montags als Aushilfspostbote ein. Führt ein bequemes, bescheidenes Leben.

Doch gibt es auch im betulichsten Leben Möglichkeiten. Kleinigkeiten, die zu Veränderungen führen.

Plätscherndes Sinnieren

Nun, wir begleiten Leonard und Paul bei ihren leisen Aktionen. Schauen mal über die Schulter des einen, mal über die des anderen. Während Pauls Schwester Grace ihre Hochzeit plant. Uns auch immer wieder mitnimmt in ihre Welt. Erschreckend laut im ganzen Leise. Fast hektisch.

Kam ich im plätschernden Sinnieren der beiden Männer kaum voran, überfiel mich bei Grace ein Gefühl des schnellen Vorlaufs. Ein Rhythmuswechsel, der etwas Spannung in die ereignisarme Erzählung brachte. Denn ja, es passiert nicht viel. Doch wird gedacht. Wir lauschen den Charakteren beim Philosophieren und Analysieren. Manch abstruse Idee mochte ich sehr. Manch Weisheit fand ich abgedroschen.

Fehlende Nähe

Rückseite mit Klappentext des Romans „Leonard und Paul“ von Rónán Hession

So bleibt meine Begeisterung etwas gedämpft. Der fernen, beobachtenden Erzählweise des irischen Schriftstellers gewann ich durchaus etwas ab. Doch blieben mir die Protagonisten durch sie merkwürdig fern. Zwar fand ich sie nicht unsympathisch, gleichwohl blieben sie mir…egal. Über zwei Monate blieb ich bei ihnen. In Lesefluss kam ich nie. Dabei wünschte es mir so.

Denn die beiden Jungs sind an sich zauberhaft – freundlich, aufmerksam, kritikfähig, unschuldig. Auch ist ihre Geschichte an sich durchaus überraschend und lebendig.

Viele Worte

Lange wusste ich nicht, was mich stört. Doch jetzt, wo ich hier in Schachtelsätze versinke und drum herumrede…ich denke, der werte Autor verlor sich für mich in Gefasel. Es gab viele Worte um – letztendlich – nicht viel. Da mag ich eine große Kostverächterin sein. Schließlich ergeht es mir mit „Der Zauberberg“ gerade genauso. Und wenn ich hier Parallelen zwischen Rónán Hessions Debütroman und Thomas Manns Meisterwerk fühle, ist das doch nun eigentlich schon wieder ein Kompliment, oder? 😉

„Leonard und Paul“ von Rónán Hession weiterlesen

Alexa Hennig von Lange: „Die Weihnachtsgeschwister“

Alexa Hennig von Lange: Die Weihnachtsgeschwister
Alexa Hennig von Lange: Die Weihnachtsgeschwister

Die Geschwister Tamara, Ingmar und Elisabeth verbringen Heiligabend – wie jedes Jahr – bei ihren Eltern. Mit (Ehe-)Partnern und Kindern und vielen Erwartungen ans besinnliche Fest. Doch seit Jahren eskalieren die Treffen; gibt ein Wort das andere. Die Geschwister verstehen sich einfach nicht mehr. Dabei wünschen sich doch eigentlich alle nur eines: So glücklich und vereint zu sein, wie in Kindertagen.

„Die Weihnachtsgeschwister“ ist eine kleine, fast banale Geschichte. Drei Geschwister, die keine Kinder mehr sind. Die sich auseinandergelebt haben. Mauern aufbauten. Die sich kaum mehr sehen, außer an diesem einen wichtigen, aufgeladenen Fest am Ende des Jahres. Die all Ihre Hoffnungen in ihre Geschwister und all ihre Ängste vor ihnen in diese wenigen Stunden legen. Es ist eine fast alltägliche, alljährliche Geschichte.

Dennoch gelingt es Alexa Hennig von Lange mich vom ersten Satz an mitzunehmen. Fast hätte ich das schmale Buch an einem Abend verschlungen. Durcheinander berichtet Hennig von Lang aus der Sicht der Geschwister und anderer Anwesender. Dabei liegt der Schwerpunkt bei den Schwestern.

Alexa Hennig von Lange: „Die Weihnachtsgeschwister“ weiterlesen