Dekonstruiert, unaufgeräumt und chaotisch

David Arnold: Auf und davon
David Arnold: Auf und davon

David Arnold war Musiker, Vorschullehrer und Papa bevor der – in Kentucky lebende – Bartträger seinen hochgelobten Debütroman veröffentlichte. In Auf und davon (Original: Mosquitoland) begleitet der Leser die 16-jährige Mim auf einen abenteuerlichen Roadtrip.

Mims Leben könnte schön sein. Es könnte schön sein, wenn sich ihre Eltern nicht vor wenigen Monaten hätten scheiden lassen. Wenn sie nicht mit ihrem Vater ins furchtbar öde Mosquitoland gezogen wäre. Wenn ihr Vater nicht schon wieder eine neue Ehefrau hätte. Wenn ihre Mutter den Kontakt nicht eingestellt hätte. Wenn ihr Vater sie nicht für psychisch labil halten würde und sie deswegen jeden Tag eine Pille nehmen müsste. Das alles ist etwas viel für den Teenie. Als sie dann auch noch ein Gespräch zwischen ihrem Vater, ihrer Stiefmutter und ihrem neuen Schulleiter belauscht und erfährt, dass ihre Mutter krank ist, hält sie nichts mehr auf. Sie steigt in einen Bus und macht sich auf die 1524 Kilometer lange Reise zu ihrer Mutter. Dekonstruiert, unaufgeräumt und chaotisch weiterlesen

Ein mitreißend melodisches Kinderbuch

Thomas Müller: Der Traktor und der Esel
Thomas Müller: Der Traktor und der Esel

Der Kuckuck und der Esel – das Kinderlied von Hoffmann von Fallerleben kennt wahrscheinlich jeder. Der Leipziger Illustrator Thomas M. Müller lieh sich Streitidee und Rhythmus des Klassikers und verpasste ihm einen frischen Anstrich. Mit frechem Ton und einprägsamen Bildern weckte Der Traktor und der Esel des Frankfurter Moritz Verlags die Leselust in meinem kleinen Traktor-Fan. Ein mitreißend melodisches Kinderbuch weiterlesen

Das Schicksal der Sterne: Realistisch und berührend

Daniel Höra: Das Schicksal der Sterne
Daniel Höra: Das Schicksal der Sterne

Der 15-jährige Adib flüchtete mit seiner Familie aus Afghanistan. Nach einer traumatischen Odyssee gelangte er nach Berlin. Dort lernt er den 70 Jahre älteren Karl kennen. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und Zeiten und doch verbindet sie etwas. Denn auch Karl war ein Flüchtling. Als er so alt war wie Adib vertrieben ihn die Besatzungskräfte aus seiner schlesischen Heimat. Nach seiner eigenen Odyssee landete er – wie Adib – in Berlin. Dieses Band (und die Faszination für die Sterne) verbindet den alten Mann und den Jungen.

Das Schicksal der Sterne des Wahlberliners Daniel Höra ist ein unglaublich aktuelles wie zeitloses Buch. Es packte mich auf den ersten Seiten und hielt mich bis zur letzten gefangen. Das Schicksal der Sterne: Realistisch und berührend weiterlesen

Feinsinniges, psychologisches Kammerspiel

Dorothy Baker: Zwei Schwestern
Dorothy Baker: Zwei Schwestern

Die Lektüre von “Zwei Schwestern” ist eine berauschende Erfahrung, wenigstens für Leser mit einem Sinn für vollkommende Erzählkunst.

Dieser treffenden Zusammenfassung aus Peter Camerons Nachwort zu Dorothy Bakers Roman schließe ich mich ohne Wenn und Aber an.

Die Geschichte der Zwei Schwestern ist sehr schnell erzählt: Cassandra und Judith sind eineiige Zwillinge, die in der Mitte des letzten Jahrhunderts recht isoliert mit ihrer exzentrischen Familie auf einer Ranch aufwuchsen. Die temperamentvolle Mutter arbeitete als Schriftstellerin und Drehbuchautorin. Sie starb vor wenigen Jahren an Krebs. Der freigeistige Vater lehrte Philosophie an der Universität, bis er sich für einen frühen Ruhestand entschied und seither auf der Farm wichtige, Cognac getränkte Gedanken denkt. Die distinguierte, liebende Großmutter – Mrs. Abbott – rundet das Ensemble zusammen mit Hund und Katze ab. Während ihrer Zeit an der Uni versuchten die Mittzwanzigerinnen sich als Individuen zu definieren. Eigene Wege zu gehen. Judiths Weg führte sie nach New York. Und dort zu einem Mann. Cassandra blieb in Berkeley. Studierte unzufrieden auf ein Lehramt hin und versank in trüben Gedanken. Nun treffen sich die beiden auf der Ranch wieder. Zu Judys Hochzeit. Feinsinniges, psychologisches Kammerspiel weiterlesen

Bezauberndes Liederbuch zum Singen, Staunen und Kichern

Alle Jahre wieder - Weihnachtslieder für die ganze Familie
Alle Jahre wieder – Weihnachtslieder für die ganze Familie

Am Montag eröffneten vielerorts die Weihnachtsmärkte. Die ersten Schneeflocken verzieren Bäume und Autos und in den Geschäften warten schon längst Lebkuchen und Spekulatius auf uns. Ja, es weihnachtet. So lernt der Chef im Kindergarten auch fleißig winterliche Lieder für die Adventszeit. Und auch wenn es mit dem Sprechen noch nicht ganz klappt, das Singen beherrscht der Krümel laut und leidenschaftlich. Das zauberhafte Buch Alle Jahre wieder – Weihnachtslieder für die ganze Familie des Carlsen Verlags hilft mir dabei, mit ihm mitzuhalten. Bezauberndes Liederbuch zum Singen, Staunen und Kichern weiterlesen

Begeistert kleine Bagger-Fans: Schau, der große Bagger

Schau, der große Bagger
Schau, der große Bagger

Unser kleiner Chef liebt Bagger. Seit er 15, 16 Monate alt ist, kann er gar nicht genug von den mächtigen Fahrzeugen bekommen. Mittlerweile interessieren ihn auch Traktoren, Betonmischer und Flugzeuge, doch bleibt er auch als Zweijähriger den grabenden Riesen treu. Als ich das Bilderbuch Schau, der große Bagger aus der BUNT + Filzfederleicht®-Serie des Carlsen Verlags erblickte, wusste ich, dass ich dem Krümel damit eine Riesenfreude bereiten könnte. Begeistert kleine Bagger-Fans: Schau, der große Bagger weiterlesen

Lucy Inglis: Zwischen Licht und Finsternis

Lucy Inglis: Zwischen Licht und Finsternis
Lucy Inglis: Zwischen Licht und Finsternis

Während der Schulferien unterstützt die 16-jährige Lily ihren Vater bei seiner Arbeit als Anwalt. Er vertritt eine illegal eingereiste Frau und die talentierte Teenie-Hackerin durchforstet das Internet nach Hinweisen auf Schlepperbanden und Passfälschern. Als sie sich die Aufnahmen von Überwachungskameras anschaut, fällt ihr etwas auf, dem sie auf den Grund gehen will. Doch anstatt einen stillen Briefkasten in einer Sackgasse zu finden, entdeckt sie ein geheimnisvolles Haus, wird von einem zweiköpfigen Hund fast umgebracht und fällt dem unglaublich attraktiven und mysteriösem Regan in die Arme. Mit dem 19-jährigen Weisen an ihrer Seite stolpert das Mädchen von einer Gefahr zur nächsten und lernt viel mehr vom übernatürlichen London kennen, als ihr lieb ist.

Die Idee des Jugendromans ist an sich wirklich nett und eigentlich sollte man mit dem Thema (Jugendliche verliebt sich in Unsterblichen und sie retten gemeinsam die Welt) momentan nichts falsch machen können. Dennoch gelingt es der Autorin. Also, das Falschmachen. Lucy Inglis: Zwischen Licht und Finsternis weiterlesen

Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging

Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging
Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging

Die Britin Kate Hamer (selbst Mutter zweier Kinder) behandelt in ihrem Debutroman ein sehr heikles, schwieriges, berührendes Thema.

Carmel ist acht Jahre alt als sie ihre Mutter (aus den Augen) verliert. Ein Mann sagt, er wäre ihr Großvater, ihre Mutter sei nach einem Unfall schwer verletzt, sie müsse bei ihm bleiben. Also bleibt das verträumte, phantasiereiche Mädchen bei ihm. Glaubt ihm, dass er ihr Großvater ist, dass ihre Mutter ihren Verletzungen erlegen ist, dass ihr Vater sie nicht haben will. Viele Jahre lang.

Carmels Mutter Beth wurde nicht verletzt. Doch der Verlust ihrer Tochter schmerzt viel stärker als Knochenbrüche schmerzen würden. Nur mühsam gelingt es ihr, weiter zu machen, weiter zu leben. Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging weiterlesen

The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß

The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß
The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß

Die Rotzlöffel Boss und Hoss möchten Cowboys sein. Doch egal was sie versuchen, sie scheitern. Reiten, Lasso werfen, Feuer machen – nichts gelingt. Die coolen Schrecklichen Sechs lachen sie aus. Bis ein geheimnisvoller Fremder seine Gitarre zurück lässt. Hoss spielt eine Melodie, Boss singt dazu. Das kommt bei den alten, fiesen Cowboys prima an. Nun gehören die Pimpfe dazu, werden akzeptiert, sogar gefeiert. Ende. Oha!

Ich finde es höchst bedenklich, dass hier Kinder etwas versuchen, scheitern und dann von Erwachsenen – schlimmer noch: von ihren Idolen (den ollen Cowboys) – ausgelacht und ausgeschlossen werden. Um etwas richtig zu können, muss man doch gerade Dinge ausprobieren. Das Wenigste klappt beim ersten Versuch. Menschen lernen durch Fehler! Wo kämen wir hin, wenn wir einfach aufgeben würden, wenn etwas nicht sofort funktioniert? Wir könnten weder laufen noch sprechen. Die Botschaft, dass man nur Erfolg hat, wenn etwas von Anfang an klappt, finde ich sehr, sehr kurzsichtig, demotivieren, grundlegend falsch. The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß weiterlesen

Kosmos-Naturführer: Was blüht denn da?

Was blüht denn da? Der Fotoband (Kosmos-Naturführer)
Was blüht denn da? Der Fotoband (Kosmos-Naturführer)

Ach, wie sehr wünsche ich mir eine App, mit der ich einfach ein Blümchen scanne und sie mir sagt, welches es ist, was es kann, ob ich es essen darf oder nicht. Bisher gibt der Markt da aber nur Enttäuschendes her. Und selbst wenn ich doch bald eine befriedigende Möglichkeit der Online-Bestimmung finden würde, dann gäbe es im tiefsten Westerwald oder im rauen Erzgebirge bestimmt nicht die nötige Netzverbindung. Damit bleibe ich ganz altmodisch auf ein analoges, auf Papier gedrucktes Buch angewiesen. Der Kosmos-Naturführer Fotoband Was blüht denn da? soll bei der Bestimmung von gut 550 Pflanzenarten helfen. Kosmos-Naturführer: Was blüht denn da? weiterlesen