Sally Green: Half Bad – Das Dunkle in mir

Sally Green: Half Bad - Das Dunkle in mir

Sally Green: Half Bad – Das Dunkle in mir

Da meiner Aufmerksamkeit wegen meines kleinen Monsters derzeit starke Grenzen gesetzt sind, lese ich zwischendurch gerne etwas Fluffiges. Jugendbücher kommen mir da gerade recht. Fans fantastischer Literatur ab 14 Jahren empfiehlt der cbj-Verlag seinen neuen Roman Half Bad – Das Dunkle in mir.  Der erste Teil der Fantasy-Trilogie soll als gebundenes Buch am 31. März erscheinen (17,99 €). Dank des amazon-vine-Programms durfte ich Sally Greens Erstlingswerk jedoch schon weit vor seiner offiziellen Veröffentlichung lesen.

Der 432-seitige Schmöker der britischen Aussteigerin (vom Finanzwesen auf den Bauernhof) liest sich wirklich sehr unkompliziert und fix, so dass ich ihn ohne Probleme an wenigen Abenden las.

Nathan, der Halbcode

Sally Green: Half Bad - Das Dunkle in mir

Sally Green: Half Bad – Das Dunkle in mir

Mitten unter uns leben sie, schwarze (böse) und weiße (gute) Hexen und Hexer. Die wenigsten von uns wissen von ihnen und das ist ihnen auch sehr recht. Die gut organisierten, herrschenden weißen Hexen jagen und vernichten die gesetzlosen, chaotischen schwarzen Hexen. Alle! Gilt man als Schwarzer, gibt es keine Rehabilitation. Man ist und bleibt in den Augen der strahlenden Saubermann-Gesellschaft böse. Genauso gelten die Kinder und Kindeskinder als böse, grausam und gemein.

Doch hin und wieder, wirklich nur selten, also eigentlich bisher nur ein einziges Mal, verliebt sich eine weiße Hexe in einen schwarzen Hexer. Und wir alle wissen, was passiert, wenn sich ein Mann und eine Frau ganz doll lieb haben. Nun, diese Liebe führte zu einem kleinen Hexling: Nathan, dem Halbcode.

Seit seiner Geburt trägt Nathan das Stigma des Unreinen und Bösen. Seine Mutter beging Selbstmord, als er noch ganz klein war; seinen Vater lernte er nie kennen, da dieser im Untergrund, immer auf der Flucht vor den Jägern der Weißen lebt. Der jugendliche Hexling wuchs bei seiner Großmutter und seinen Stiefgeschwistern auf, deren Vater pikanter Weise von seinem Vater ermordet wurde. Von anderen weißen Hexen wird er im besten Fall gemieden, im schlimmsten Fall schikaniert und gefoltert. Die Hexengesellschaft betrachtet ihn als Geschwulst in ihrer blütenreinen Haut.

So ist es auch fraglich, ob Nathan zu seinem siebzehnten Geburtstag drei Geschenke erhalten und damit ein vollwertiger Hexer werden wird. Gerüchten zu Folge sterben schwarze Hexen gar, wenn sie die Geschenke nicht erhalten. Zur Schenkungszeremonie gehört es unverzichtbar, das Blut eines Ahnen zu trinken. Wird Nathans Vater ihm helfen? Welche Pläne verfolgt der Rat der (weißen) Hexen mit Nathan? Und für welche Seite wird der Junge sich entscheiden? Schwarz oder weiß? Gut oder böse? Für seinen (dunkler als dunklen) Vater oder seine große (blendend weiße) Liebe?

Konsequenzlosigkeit und moralisches Hickhack

Trotz der (Achtung: Wortwitz) Schwarz-Weiß-Zeichnung, sprach mich die Idee sehr an. Im Grunde geht es um Rassismus und darum, wie eine Gesellschaft Individuen behandelt, von denen sie denkt, sie seien anderes. Guter Stoff für ein pädagogisch wertvolles Jugendbuch.

Anfangs setzt Green das auch ganz gut um. Nathan erzählt dem Leser in einfachen Worten, kurzen Sätzen und sehr unkompliziert seine Story. Dabei wirkt er erst einmal auch sehr liebenswert. Man hat Mitleid mit ihm, schlägt sich unweigerlich auf seine Seite. Verachtet die bürokratischen, unethischen, vorurteilsbehafteten weißen Hexen. Sympathisiert mit dem armen Jungen, der doch nur das Richtige tun möchte.

Aber im Laufe der Geschichte handelt Nathan dann ebenfalls unethisch und böse, schreckt auch vor Mord nicht zurück. Den bereut er zwar (ein wenig), negative Konsequenzen haben seine zweifelhaften Entscheidungen jedoch nicht wirklich. Dieses moralische Hickhack verärgerte mich sehr. Es vermittelte mir den Eindruck, dass jede Handlung ok ist, wenn das Endergebnis für den Handelnden positiv ist. Sorry, aber eine solche Einstellung möchte ich meinem Sohn nicht vermittelt wissen.

Unnötig Grausam

Sally Green: Half Bad - Das Dunkle in mir

Sally Green: Half Bad – Das Dunkle in mir

Auch störte mich manch unnötig grausame Szene. Ja ja, die weißen Hexen wenden fiese Taktiken an, schon gut. Ja, auch die Schwarzen stehen ihnen in Nichts nach. Ein, zwei Mal kann man das detailliert schildern, dann ist aber auch mal gut. Zwar können solche Beschreibungen zur unangenehmen Grundstimmung beitragen, hier zog und zerrte die ein oder andere Erzählung begangener Gräuel die recht dünne Story nur unnötig in die Länge. Die Grausamkeiten erzeugten auf Dauer keinen Thrill, sie waren einfach nur noch langweilig und eklig. Gewalt sollte aber abschrecken. So wie sie hier vom Protagonisten geschildert wird, wirkt sie eher wie etwas Normales, etwas was man hinnehmen und austeilen muss. Das finde ich arg bedenklich. Und das obwohl ich sonst wirklich nicht pingelig bin.

So fällt mein Urteil leider ziemlich negativ aus. Obwohl es mit seiner einfachen Sprache und simplen Geschichte genau dem unkomplizierten Buch entsprach, das ich für entspannte Kopf-aus-Abende suchte, enttäuschte mich die Moral und die unnötige Grausamkeit. Und auch wenn ich etwas Einfaches suchte, ein wenig dichter, inspirierter und ausgefeilter hätte das Half Bad-Universum schon ausfallen dürfen.

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