Peter Heller: Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte

Peter Heller: Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte

Peter Heller: Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte

Ich weiß nicht warum, aber dieses Jahr reizen mich Dysopien ungemein. So fiel auch Peter Hellers Endzeitroman Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte voll in mein derzeitiges Beuteschema. Der 320-seitige Debütroman des gebürtigen New Yorkers beschreibt auf fast schon poetische Weise das Ende der Welt …oder zumindest das Ende der Zivilisation.

Vor über neun Jahren dezimierte eine verheerende Grippe-Epidemie die Menschheit ziemlich drastisch. Nun  schlagen sich nur noch einzelne Individuen und versprengte Grüppchen durch die raue, vom Klimawandel geprägte Gegend. Der ehemalige Gelegenheitsarbeiter und Poet Big Hig gehört zu diesen Überlebenskünstlern.

Als seine junge, schwangere Frau während der Krankheitswelle stirbt, rettet der Hobbypilot seinen Hund Jasper und seine Gedichtsbände vor dem aufziehenden anarchischen Chaos und besetzt einen kleinen Flughafen. Irgendwann gesellt sich der misanthropische Waffennarr Bangley zu ihm. Seitdem bilden Big Hig, Jasper, eine alte Cessna und der waffenstarrende Bangley eine unbesiegbare Einheit, die den Flughafen bis auf den Tod gegen jeden Eindringling verteidigt. Doch an das Töten gewöhnt sich Hig nie. Noch immer hofft er auf das Gute im Menschen und noch immer wagt er es, auf anderen Menschen zuzugehen.

Peter Heller schuf eine ruhige, sehr bedächtige, apokalyptische Zukunftsvision. Sein Protagonist ist kein Held, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Hig versucht zu überleben und die Hoffnung nicht zu verlieren. Das mit der Hoffnung scheint der schwierigere Teil zu sein. Zumindest, seit der wortkarge Bangley auf den sensiblen Piloten aufpasst. Der Leser begleitet Hig bei seinem routinierten Endzeitleben. Das schockiert hin und wieder, sonderlich aufregend ist es jedoch nicht. Bis Hig nach einem Schicksalsschlag aufbricht und sich auf die Suche begibt. Nach Menschen, Menschlichkeit, Lebenssinn.

Das alles erzählt uns Big Hig höchst persönlich. Genauer: Er lässt den Leser an seinen Gedanken teilhaben. Das wirkt oftmals recht wirr. Der Mensch denkt nun mal nicht immer stringent und chronologisch korrekt. So springt Hig schon einmal zwischen dem aktuellen Geschehen und seinen Erinnerungen. Erinnerungen von vor der Epidemie, Erinnerungen vom Chaos direkt danach, Erinnerungen an sein Leben auf dem Flughafen, an getötete Besucher und Jagdausflüge mit Jasper. Ungeordnet und manches Mal wahllos. In seinen Gedanken setzt Hig auch keine Anführungszeichen. Der Leser erkennt die direkte Rede anderer Charaktere somit zumindest semantisch nicht direkt als solche. Was Hig hört und was er selber macht und denkt geht so fließend ineinander über. Dem Leser obliegt, es (mühsam) auseinander zu friemeln.

Auf all das muss sich ein Leser einlassen können. Wer sich von dem langsamen Erzählfluss, der (für einen Endzeitroman) recht anspruchsvollen Sprache, den Erzählsprüngen und der fehlenden Zeichensetzung irritiert fühlt, der wird sich bei Hig nicht wohl fühlen.

Der Verlag wirbt damit, dass Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte, eine Liebeserklärung an die Welt sei, wie sie hätte sein können. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Aussage vehement ablehnen oder ihr zustimmen soll. Zwar mag die Welt in Higs Universum nicht hoffnungsfrei und lieblos sein, doch die negativen Entwicklungen, das grausame Gesicht der Menschheit, manifestieren sich so viel häufiger, realer, glaubhafter. Und dennoch verliert er seinen Glauben nicht, entdeckt Liebens- und Lebenswertes, so dass am (offenem) Ende zwar vielleicht nicht alles gut wird, aber doch unter Umständen besser. Eventuell.

Ein dystopischer Roman, der zum Nach- und Mitdenken auffordert.

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