Tanja Heitmann: Das Haus am Fluss

Tanja Heitmann: Das Haus am Fluss

Tanja Heitmann: Das Haus am Fluss
Tanja Heitmann: Das Haus am Fluss

Ach wie freute ich mich auf meinen kleinen Vorsaisonsurlaub an der Nordsee. Noch mehr freute ich mich, als dann auch noch pünktlich die passende Reiselektüre ins Haus flatterte. Denn Tanja Heitmanns romantische, 576 Seiten umfassende Familiensaga “Das Haus am Fluss” spielt im idyllischen Tiedewall, am Ende der Welt, dort wo sich Elbe und Nordsee küssen.

Marie flüchtet mit ihrem zehnjährigen Sohn aus ihrem tristen Leben in Frankfurt in das sehr renovierungsbedürftige, einsam am Deich liegende Häuschen eines entfernten Verwandten. Hier hofft sie auf einen Neuanfang. Auf einen Hoffnungsschimmer, der sie aus dem Loch lockt, in welchem sie steckt, seit vor drei Jahren plötzlich ihr Ehemann starb. Und tatsächlich entdeckt sie mit ihrem charmanten Nachbarn zusammen, welch romantisch-traurige Geschichte sich in dem einstmals prächtigen Kapitänshaus abspielte.

Sowohl die Geschichte um Marie und ihren Schäfer, als auch die Tragödie um ihre wunderschöne Ahnin Mina, sind an sich sehr nett. Marie lebt heute, flüchtet aber lieber in vergangene Zeiten. Wie praktisch, dass sie Stück für Stück herausfindet, was in den 20er-bis 40er-Jahren im Haus am Deich geschah, sich mit ihrer starken Vorfahrin identifizieren und von edlen Männer träumen kann. Dadurch gewinnt sie selbst Kraft und Mut, so dass ihr eigenes Glück wieder greifbar wird. Keine neue Story, aber ein solider Stoff, der immer gut für herzerwärmende Stunden taugt.

Nur leider bereitete mir das Lesen überhaupt keine Freude. Alle Charaktere agieren hölzern, bleiben unnahbar, nicht greifbar. Ein Schicksal wie Maries oder Minas würde mich normalerweise dazu bringen, dass ich wohlig in Tränen aufgelöst auf der Couch hocke. Heitmann schafft es noch nicht einmal, dass ich feuchte Augen bekomme. Vielmehr nervten mich die zähen Annährungsversuche, das wiedergekäute Leid, das übertriebene Gesäusel und Gezweifel. Sympathie für die Leidenden? Fehlanzeige!

Die ellenlangen, umständlichen, zerfaserten Sätze weckten nach und nach eher Aggression als Verständnis in mir. Heitmanns Erzählweise ufert aus, kommt nicht von der Stelle und verklebt die Handlung – zäh wie ein Kaugummi. Handlung und Stil, alles wirkt erzwungen und steif.  Demnächst greife ich für rührselige Lesemomente lieber wieder zur amerikanischen Liebesflüsterin Nora Roberts. Ihre Geschichten sind durchaus vergleichbar, ihre Worte und Charaktere schaffen es aber viel eher mich zu berühren.

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