Lucy Inglis: Zwischen Licht und Finsternis

Lucy Inglis: Zwischen Licht und Finsternis
Lucy Inglis: Zwischen Licht und Finsternis

Während der Schulferien unterstützt die 16-jährige Lily ihren Vater bei seiner Arbeit als Anwalt. Er vertritt eine illegal eingereiste Frau und die talentierte Teenie-Hackerin durchforstet das Internet nach Hinweisen auf Schlepperbanden und Passfälschern. Als sie sich die Aufnahmen von Überwachungskameras anschaut, fällt ihr etwas auf, dem sie auf den Grund gehen will. Doch anstatt einen stillen Briefkasten in einer Sackgasse zu finden, entdeckt sie ein geheimnisvolles Haus, wird von einem zweiköpfigen Hund fast umgebracht und fällt dem unglaublich attraktiven und mysteriösem Regan in die Arme. Mit dem 19-jährigen Weisen an ihrer Seite stolpert das Mädchen von einer Gefahr zur nächsten und lernt viel mehr vom übernatürlichen London kennen, als ihr lieb ist.

Die Idee des Jugendromans ist an sich wirklich nett und eigentlich sollte man mit dem Thema (Jugendliche verliebt sich in Unsterblichen und sie retten gemeinsam die Welt) momentan nichts falsch machen können. Dennoch gelingt es der Autorin. Also, das Falschmachen.

An den Protagonisten liegt es nicht. Lily wirkt clever, selbstständig und sympathisch. Vielleicht hier und da ein wenig zu nachlässig, zu vertrauensselig, aber ich kann mich durchaus mit ihr identifizieren. Regan besitzt das richtige Maß an geheimnisvollem Understatement mit sexy Ausstrahlung. Von ihm wäre ich auch gerne gerettet worden. Die beiden stürzen von einer Gefahr in die nächste, suchen die Wahrheit und bekämpfen einen übermächtig erscheinenden Gegner. Das hätte alles eine sehr kurzweilige, spannende Lektüre ergeben können. 

Doch leider krankt die Erzählung an vielen Kleinigkeiten. Logikblasen, Story-Löcher und Widersprüchlichkeiten verderben den Spaß. So sind die durch London streifenden Fabelwesen zwar aus allen Himmelsrichtungen zusammen gewürfelt, die Vielfalt bleibt aber arg begrenzt. Regan ist als Mischling (Vater Eldritch, Mutter Mensch) das einzige Wesen, das sich mit einer Menschenfrau zusammen tun kann. Wie entstand er bitteschön? Es passiert sehr viel, und doch gar nichts. Viele Fäden werden aufgenommen, keiner zu Ende erzählt. Insgesamt wirkt die Geschichte wie ein leicht wirrer, zu voll gestopfter und löchriger erster Band einer Serie.

Lucy Inglis – ihres Zeichens in London lebende Spezialistin fürs 18. Jahrhundert und Gründerin des erfolgreichen Georgian London blog – veröffentlichte mit Zwischen Licht und Finsternis ihren ersten Roman. Obwohl ich nichts über die Autorin wusste und mein Leseexemplar mir auch nichts über sie verriet, vermutete ich schon, dass sie sehr london- und geschichtsaffin sein müsste. Viel zu akkurat und detailverliebt beschreibt sie die Straßen und Plätze der englischen Hauptstadt. Das ist zwar interessant, passt aber in seiner Kleinteiligkeit nicht in dieses actionreiche Teenie-Spektakel.

Dazu ist die Sprache geradezu nervtötend einfach. Kurze, umgangssprachliche Sätze; viel wörtliche Rede. Jede Winzigkeit wird beschrieben, alles erklärt und aufgezählt. Das ermüdete mich, obwohl der Text so schnell hätte gelesen sein können.

So konnte mich Zwischen Licht und Schatten leider nicht begeistern, obwohl ich mich so gerne hätte mitreißen lassen.

Empfehlenswert für London-liebende Fantasy-Fans, die über Plot-Löcher hinweg schauen können und gerne mal etwas Einfaches lesen.

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