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Hans Christian Andersen: Oz

Hans Christian Andersen: Oz
Hans Christian Andersen: Oz

Seit ein paar Wochen nennt sich ein Amazon Kindle Paperwhite mein Eigen. Um es ausgiebig zu testen, dabei aber meinen Geldbeutel möglichst wenig bis gar nicht zu  belasten, stöberte ich auf amazon.de in den urheberrechtsfreien, kostenlosen Klassikern. Dabei stieß ich auf ein Buch mit Namen Oz und musste natürlich an den Kinderbuchklassiker Der Zauberer von Oz denken. Doch halt! Hans Christian Andersen sollte das besagte Oz geschrieben haben. Und der berühmte Märchenerzähler war doch Däne?! Der Autor vom Zauberer war aber doch Amerikaner?! Nun war ich verwirrt! Das hinderte mich aber nicht daran, dass Buch dennoch auf meinem E-Book-Reader zu packen.

Titelverwirrungen

Nun, Oz hat wirklich rein gar nichts mit dem Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum zu tun! Die Verwechslungen hätten etwas eingeschränkt werden können, wenn der Titel (wie auf älteren, gedruckten Ausgaben) O.Z. geschrieben worden wäre. Denn das sind die Initialen des Protagonisten – Otto Zostrup. Noch eindeutiger wäre O.T. gewesen, wie das Buch in vielen älteren Versionen heißt. Ebenfalls nach dem Protagonisten, der dort dann jedoch den Namen Otto Thostrup trägt. Warum, wieso, das weiß ich nicht.

Nachdem ich mich recht schnell von den Gedanken an Zauberer und gelbe Kopfsteinstraßen verabschiedet hatte, gelang es mir flott mich in Andersens 1836 erschienenes, autobiographisch angehauchtes Gesellschaftsdrama einzufinden.

Dänisches Gesellschaftsdrama

Die Geschichte handelt vom gut situierten, introvertierten Otto Zostrup, der während seiner Studentenzeit Freundschaft mit dem munteren Baron Wilhelm schließt. Die beiden genießen ihre Zeit in der Kopenhagener Gesellschaft und auf dem Landgut von Wilhelms Familie. Bis Otto von seiner Vergangenheit eingeholt wird, die eh schon auf seinem Gemüt lastet.  Der Leser begleitet die beiden Studenten durch einige Jahre ihres Lebens. Durch Zeit- und Literaturgeschehen und durch eine uns heute fremd erscheinende Gesellschaft voller moralischer Tabus.

Ungewohnter Satzbau und Rechtschreibung

An Sprache und Schreibstil muss sich der moderne Leser allerdings erst einmal gewöhnen. Die Fähigkeit über die – nach heutigen Regeln – falsche Rechtschreibung und ungewohnte Satzbauten hinwegzusehen, ist unabdingbar, wenn man das Buch auch nur halbwegs genießen will.

Ein kleiner Auszug aus dem zweiten Kapitel verdeutlicht das:

Die Gläser wurden emporgehoben, der junge Baron lachte, stieß an und rief den jungen Leuten rings im Kreise umher zu: »du, du!« In der ganzen Art und Weise lag indeß etwas Gezwungenes, was jedoch den jungen Gemüthern entging. Noch vielweniger stieg in einem der lustigen Studenten der Gedanke auf, daß sein plötzliches Zurücktreten während des ersten Smollirens vielleicht einzig und allein deshalb geschah, um demselben aus dem Wege zu gehen.

Gelingt es aber, sich mit dem ungewohnten Stil anzufreunden, erhält man Einblick in eine spannende Zeit der europäischen Geschichte, in Rituale und Moralansichten der damaligen Zeit. So las ich die 435 Kilobyte (das Äquivalent zu den 353 Seiten der gedruckten Ausgabe) auch mit Interesse recht zügig und fühlte mich vom Gesellschaftsdrama Oz gut unterhalten.

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