Großer Bärenzirkus, großer Spaß! (Für Große und Kleine.)

Benjamin Chaud: Großer Bärenzirkus
Benjamin Chaud: Großer Bärenzirkus

An einem wunderschönen Frühlingsmorgen wacht der kleine Bär alleine in der Bärenhöhle auf und beschließt den Wald zu erkunden. Da entdeckt er ein Leuchten hinter den Bäumen. Er folgt ihm und findet eine belebte Lichtung. Der sonnige Weg führt ihn in eine Höhle. Ein Rohr zu einem Zirkus.  Und – hach – was der kleine Bär dort alles erlebt und entdeckt, das findet Ihr am besten selber heraus.

Im Bilderbuch “Großer Bärenzirkus” des französischen Illustrators Benjamin Chaud begleiten wir den kleinen Bären auf 32 kunterbunten Seiten durch das Gewusel, Gewimmel und Gewühle seiner Traumwelt. Wirkt anfangs alles noch realistisch und bekannt, werden Figuren und Handlung Seite für Seite verrückter und traumhafter. Im Wald ist alles friedlich. Es gibt zwar viel zu sehen, aber es sieht so aus, als ob der Bär wirklich nur einen kleinen Ausflug macht. In der Höhle schläft dagegen ein Mammut, ein U-Boot befindet sich auf Tauchfahrt im unterirdischen See und ältere Kinder identifizieren vielleicht sogar einen weißen Hasen, der auf seine Taschenuhr schaut und Alice in ihr Wunderland folgt.

Doch das ist nichts zur Fülle an skurrilen, bezaubernden und überraschenden Figuren, die vor und im Zirkuszelt auf den Leser warten. Akrobaten balancieren auf Wäscheleinen, ein zylindertragender Hund serviert Getränke, ein Pferd lässt sich die Hufe lackieren, eine riesige Giraffe spielt Trompete, der kleine Bär fliegt bis zu den Sternen und ein winziger Bär schlüpft aus einer Dose. Und das ist nur ein klitzekleiner Einblick in das spannende, fantasieanregende, inspirierende Getümmel zwischen den Buchdeckeln. Am Ende der aufwühlenden Reise landet die vierköpfige Bärenfamilie wieder in der Stille des Waldes. Doch wie es mit kleinen Bären nun mal so ist: Der nächste Ausflug in den Traumzirkus lässt bestimmt nicht lange auf sich warten.

Die Zeichnungen waren für mich zunächst ungewohnt unrealistisch. Die Augen der Tiere gruselig groß, die Arme und Beine der Menschen lang und knochenlos. Nach zahlreichen Leserunden habe ich mich vollständig an den ungewohnten Anblick gewöhnt und genieße die surrealen Bilder. Sie ergänzen die traumhafte Geschichte perfekt. Meinem Zweieinhalbjährigen gefielen die Bilder von Anfang an super. Auch ältere Kindergartenfreunde waren begeistert. Gefühlte Ewigkeiten hingen wir über dem Buch. Zweijähriger, Dreijähriger, Vierjährige, Mama und Papa.

Das groß- und hochformatige Buch lädt dazu ein, seine Geheimnisse im Liegen zu entdecken. Wir legen es gerne auf den Boden und fläzen uns bäuchlings davor. Oder hocken uns darüber. Oder beugen uns mal hier und mal dort in die Bilder hinein. Denn es gibt viel zu sehen, ein Perspektivenwechsel lohnt sich. Wir haben den Bärenzirkus bestimmt schon Dutzende Male durchgeblättert und immer wieder entdecken wir Neues. Fragen uns, ob diese wandernde Blume wirklich schon immer da war. Ob dieses Tier (ein Hund?) auch schon das letzte Mal Trommel gespielt hat. Wir zählen die Sterne und die Wäsche auf der Leine. Wir suchen das Kamel mit den roten Haaren und der kleinen Melone obendrauf. Und wer entdeckt die Clownskatze? Ich kann mir nicht vorstellen, dass uns dieses Buch irgendwann einmal langweilig wird.

Erwachsene und größere Kinder freuen sich über den Detailreichtum, über einfallsreiche Anspielungen und interessante Interpretationsmöglichkeiten.  Und natürlich über die wunderschöne Umsetzung. Durch Ausstanzungen im festen Papier erhascht der kleine Bär (und wir als seine Begleiter) einen Ausblick auf das was ihn auf der nächsten Seite erwartet. Manches Mal entpuppt sich das Erblickte nicht als das, was er erwartete. So ist das. Man muss erst alles sehen, bevor man eine Situation beurteilen kann.

Die klangvolle Sprache der kurzen Texte verführt zu gewagten Vorlese-Experimenten. “Trapp, trapp”, “plitsch, platsch”, “hopp, hopp” und “tipp, tapp” geht es von Blatt zu Blatt, von Abenteuer zu Abenteuer.

Großer Bärenzirkus weckt Entdecker- und Leselust.  Auch wenn der Gerstenberg Verlag es erst für Kinder ab drei Jahren empfiehlt lehrt uns die Erfahrung, dass auch Zweijährige daran Freude haben. Mein kleiner Chef ist voll bei der Sache, wenn er das Buch auswählt und entschieden zu uns bringt. Er sucht und entdeckt und geht auf Schatzsuche. Das ganze Ausmaß und die Geschichte verstehen aber erst größere Kinder. Doch gerade, weil es kleine Kinder fordert und große Kinder nicht langweilt ist es ein wunderbares Buch für die ganze Familie.

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