Manche Gefühle wirken overacted

Fotokarten Gefühle: Für Kindergarten, Schule, Elternbildung und Teamarbeit
Fotokarten Gefühle: Für Kindergarten, Schule, Elternbildung und Teamarbeit

Die 32 schwarz-weißen Fotokarten “Gefühle: Für Kindergarten, Schule, Elternbildung und Teamarbeit” von Sandra Irmler und Jeanette Boetius sollen der “emotionalen Erziehung” dienen. Das heißt, Kinder (und Erwachsene) sollen daran lernen Gefühle zu deuten und Mimik zu lesen; sich selbst und ihr Gegenüber besser zu verstehen.

Die Gesichtsausdrücke auf den Fotos wurden von verschiedenen Kindern (und mir) nicht immer passend zum dafür verantwortlichen Gefühl gewertet. So wurde z.B. Neugier als Schock, Interesse als Rumalbern, Stärke als Aggression und Enttäuschung als Arroganz gedeutet.

Laut der beiliegenden Infokarten sind die Fotos über viele Jahre, in intensiven Gesprächen und Sitzungen mit den fotografierten Kindern entstanden. Die Kinder hätten bei den Gesprächen genau das Gefühl empfunden, dass auf der Karte zu sehen sei. Das unterschiedliche Menschen unterschiedliche Gefühle in die Gesichtsausdrücke hineininterpretieren, sei normal und für Diskussionen über die Wahrnehmung durchaus gewollt. Nun ja. Das mag im Grunde ja so stimmen, dennoch: Ich empfinde einige Karten als arg überzogen, overacted und dadurch unpassend. Gerade, wenn man doch eigentlich das Feingefühl für Mimik und Gefühlswelt schulen möchte… Manche Gefühle wirken overacted weiterlesen

Eine herzerwärmend Geschichte mit liebenswerten Protagonisten, aber…

„Und jetzt lass uns tanzen“ von Karine Lambert
„Und jetzt lass uns tanzen“ von Karine Lambert

Manchmal mag ich die taumelnd-leichte Melancholie französisch-sprachiger Autoren. Und wenn ich ältere Herrschaften sehe, die Händchen haltend und verliebt durch die Straßen gehen, bekomme ich umgehend feuchte Augen. Damit hatte der zweite Roman der Brüsselerin Karine Lambert grundsätzlich gute Karten bei mir. Dennoch schaffte Und jetzt lass uns tanzen nicht, mich zu packen. Eine herzerwärmend Geschichte mit liebenswerten Protagonisten, aber… weiterlesen

Heilige Makrele! Das macht auch kleinen Lesemuffeln Spaß!

Hilo 01: Der Junge, der auf die Erde krachte
Hilo 01: Der Junge, der auf die Erde krachte

Daniel Jacksons (D.J.) großer Bruder Louis ist ein Tennis-Ass. Sein großer Bruder Dexter ist ein Chemie-Nerd. Seine kleine Schwester Jennifer “spielt Geige. Und singt. Und tanzt Ballett.” Und seine kleine Schwester Lisa ist erst sieben, geht aber schon in die dritte Klasse. D.J. dagegen kann nichts besonders gut. Und nichts besonders schlecht. Er ist stinknormal. Und etwas langweilig. Bis er in einem Krater einen kleinen Jungen in silberner Unterhose entdeckt.

Der lustige, rülpsende, super schnell lernende Hilo entpuppt sich als mega-krasser Roboter, der zur Erde gekommen ist, um die Menschheit zu beschützen. Vor dem ultrabösen Razorwark und seinen Hightech-Monstern. D.J. und seine allerbeste Freundin aus Kindergartentagen Gina unterstützen den sehr menschlichen Weltenretter nach besten Kräften. Heilige Makrele! Das macht auch kleinen Lesemuffeln Spaß! weiterlesen

Auch Bären können selbstsüchtige Riesen sein

Ciara Flood: Bruno und die Nervkaninchen
Ciara Flood: Bruno und die Nervkaninchen

Bruno der Bär mag es ruhig. Bruno der Bär ist gerne allein. Als ein quirliger Haufen Kaninchen ins Nachbarhaus ziehen und immer wieder bei ihm vorbeischauen, gefällt das dem Griesgram gar nicht. Immer wieder und wieder wimmelt er sie missmutig ab. Behauptet, er habe keinen Honig, keine Bücher, keine Zeit. Dabei hat er von allem reichlich. Als ihm die Kaninchen ein Geschenk vor die Tür stellen, mit allem, was er – wie er sagt – nicht hat, beginnt der Bär zu begreifen, dass er vielleicht falsch lag. Dass das Leben mit Freunden wohl doch schöner ist.

40 wundervoll, in warmen Farben illustrierte Seiten erzählen die Geschichte des Brummelbären Bruno. Detailreich, aber nicht überladen, regen die Bilder dazu an, nicht nur vorzulesen, sondern auch das zu entdecken, was die wenigen Sätzen nicht sagen. Zum Beispiel, dass Bruno gar nicht so alleine lebt. Ein (nerviges) kleines Mäuslein wohnt bei ihm und stört ihn offensichtlich gar nicht. Obwohl es ihm ständig Dinge stibitzt. Mein Zweijähriger lauschte seinem Papa ganz andächtig, als der ihm Bruno und die Nervkaninchen von Ciara Flood vorlas. Durch kleine Suchspielchen a la “Wo ist die Maus?”, “Siehst Du den grummeligen Schneebären?”, “Da hat der Bär aber viel Holz gehackt” oder “Boah, machen die Kaninchen ein Chaos!” blieb er alle Seiten über aufmerksam.

Mittlerweile ist er fast drei Jahre alt und  noch immer begeistert von dem grummeligen Bären und den quirligen Langohren, kommentiert das Verhalten des selbstsüchtigen Riesen und würde am liebsten auch neben solch Kaninchen-Nachbarn leben.

Eine herzwärmende Geschichte über das Abschiednehmen

Benji Davies: Opas Insel
Benji Davies: Opas Insel

Sams Opa wohnt im Haus am Ende des Gartens. Unter dem Blumentopf liegt immer ein Schlüssel für Sam bereit. Eines Tages findet Sam Opa erst nach langem Suchen. Vom Dachboden aus begeben sich die beiden auf eine Reise zu einer exotischen, weit entfernten Insel. Einer bunten, warmen Insel voller Pflanzen und Tiere. Opa fühlt sich hier sehr wohl. So wohl, dass er gar nicht mehr nach Hause möchte. Sam verabschiedet sich von Opa und fährt mit dem großen Schiff alleine zurück nach Hause.

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Spannend, lehrreich und lustig – für Groß und Klein.

Dave Shelton: Bär im Boot
Dave Shelton: Bär im Boot

Ein Junge steigt in ein winziges Ruderboot. Er möchte rüber auf die andere Seite. Dem Bär ists recht und los geht die 304 Seiten lange Reise.

Ein Kinderbuch mit über 300 Seiten? Das klingt erst einmal viel. Doch die großen Buchstaben und die zahlreichen Illustrationen relativieren diese Zahl gründlich. Bär im Boot lässt sich flott und wunderbar vorlesen.

Langeweile kommt nicht auf. Und das, obwohl Kulisse und Charaktere arg begrenzt sind. Da gibt es das Boot. Um das Boot herum viel Wasser und über dem Boot den Himmel. Viele, viele Seiten lang bestimmt diese blaue Landschaft die Reise der beiden Bootreisenden, die einsam durch das Blau rudern. Spannend, lehrreich und lustig – für Groß und Klein. weiterlesen

Leila Sales: This Song Will Save Your Life

Leila Sales: This Song Will Save Your Life
Leila Sales: This Song Will Save Your Life

Elise ist viel zu perfektionistisch, viel zu eloquent, viel zu uncool – und viel zu unbeliebt. Elise will Freunde, will beliebt sein, will nicht sie selbst sein. Elise kann alles, kann sich nicht leiden, kann sich nicht ändern. Elise will nicht mehr. Doch weil die 16-Jährige nicht blöd ist, merkt sie, dass sie nicht wirklich sterben will. Ihr halbherziger Selbstmordversuch eigentlich nur ein Hilferuf war. Schlaflos spaziert der – in Punk- und Indie-Musik verliebte – Teenie durch die Nächte und entdeckt dabei einen angesagten Underground Club. Elise entdeckt eine neue Welt. Eine Welt in der sie kein Looser ist, in der ihr Musikgeschmack geschätzt wird, in der sie gefeiert und nicht gemobbt wird. Leila Sales: This Song Will Save Your Life weiterlesen

Leipziger Buchmesse 2016: Mitten ins Herz

Astrid Desbordes, Pauline Martin: Ich hab dich unendlich lieb …
Astrid Desbordes, Pauline Martin: Ich hab dich unendlich lieb …

Freitag, 17 Uhr irgendwas. Ich bin komplett fertig und mäandere nur noch ein wenig durch die Messestände. Bis mich zauberhafte Cover an den Stand des Verlags Kleine Gestalten locken. Ich halte ein Buch in den Händen. Blättere durch die Seiten. Und blinzele prompt hinterhältige, dicke Tränchen fort. Das Buch, das mich so schnell und vollständig überrumpelte? Das Bilderbuch “Ich hab dich unendlich lieb …” der Französinnen Astrid Desbordes (Autorin) und Pauline Martin (Illustrationen). Leipziger Buchmesse 2016: Mitten ins Herz weiterlesen

Großer Bärenzirkus, großer Spaß! (Für Große und Kleine.)

Benjamin Chaud: Großer Bärenzirkus
Benjamin Chaud: Großer Bärenzirkus

An einem wunderschönen Frühlingsmorgen wacht der kleine Bär alleine in der Bärenhöhle auf und beschließt den Wald zu erkunden. Da entdeckt er ein Leuchten hinter den Bäumen. Er folgt ihm und findet eine belebte Lichtung. Der sonnige Weg führt ihn in eine Höhle. Ein Rohr zu einem Zirkus.  Und – hach – was der kleine Bär dort alles erlebt und entdeckt, das findet Ihr am besten selber heraus.

Im Bilderbuch “Großer Bärenzirkus” des französischen Illustrators Benjamin Chaud begleiten wir den kleinen Bären auf 32 kunterbunten Seiten durch das Gewusel, Gewimmel und Gewühle seiner Traumwelt. Wirkt anfangs alles noch realistisch und bekannt, werden Figuren und Handlung Seite für Seite verrückter und traumhafter. Im Wald ist alles friedlich. Es gibt zwar viel zu sehen, aber es sieht so aus, als ob der Bär wirklich nur einen kleinen Ausflug macht. In der Höhle schläft dagegen ein Mammut, ein U-Boot befindet sich auf Tauchfahrt im unterirdischen See und ältere Kinder identifizieren vielleicht sogar einen weißen Hasen, der auf seine Taschenuhr schaut und Alice in ihr Wunderland folgt. Großer Bärenzirkus, großer Spaß! (Für Große und Kleine.) weiterlesen

Anschauliches Porträt über die Gesellschaft zur Zeit des ersten Weltkriegs

Herbert Günther: Zeit der grossen Worte
Herbert Günther: Zeit der grossen Worte

Paul ist 14 Jahre alt, als der erste Weltkrieg beginnt. Pauls Vater und sein älterer Bruder gehören zu den ersten, die sich freiwillig als Soldaten melden. Wie der Großteil des Volkes begrüßen sie die Entwicklung, sind Feuer und Flamme. Der Krieg wird sicher schnell zu Ende sein. Mit den Deutschen legt man sich nicht an. Doch schnell zeigt sich, dass ein Krieg keinen Spaß macht und weder ehrenwert noch befreiend ist. Und schnell vorbei ist er schon gar nicht.

Hunger, Armut, Verzweiflung, ein Heer Verwundeter und Toter, die ständige Angst um Bruder und Vater – es ist eine harte Zeit, in der Paul erwachsen wird. Anschauliches Porträt über die Gesellschaft zur Zeit des ersten Weltkriegs weiterlesen