Poetische Literatur mit nervigem Protagonisten

Marion Poschmann: Die Kieferninseln
Marion Poschmann: Die Kieferninseln

Gilbert Silvester träumt, dass seine Frau ihn betrügt. Zack – fliegt der Bartforscher (im Auftrag von Wissenschaft und Werbung) nach Japan, wo er den Spuren des klassischen Dichters Bashō folgt. Er begibt sich auf eine Pilgerreise zu den sagenumwobenen Kieferninseln. Mehr oder weniger freiwillig begleitet vom Freitod suchenden japanischen Studenten Yosa. Der wiederrum versucht, dem „Complete Manual of Suicide“ zu folgen. So die Geschichte.

Poschmann schrieb mit Die Kieferninseln ein – ohne Frage – literarisch wunderschönes Buch. Poetisch. Wohlformuliert. Melodisch. Die Geschichte ist absurd; Gilbert Silvester ein schrullig-verkopfter Wissenschaftler in seiner Midlifecrisis. Ein sonderlicher Einzelgänger.  Der Geschichte folgte ich gerne. Die Stationen von Yosas Selbstmordbuches machten Spaß. Die wohlgesetzten Wörter genoss ich. Nur leider blieb mit Gilbert fern. Ich fand ihn unerträglich in seinen intellektuellen, pseudophilosophischen Betrachtungen. In seiner arroganten Art. Anfangs fand ich ihn noch irgendwie witzig. Doch mit jedem Satz nervte er mich mehr. Leider schmälerte das doch arg meinen Lesegenus.

Fachjurys waren da weit begeisterter als ich. Die Kieferninseln erhielt den Berliner Literaturpreis 2018 und stand auf der Shortlist des Deutschen Lilteraturpreises 2017.

Auch andere Eltern haben…kreative Kinder

Dinge, die mein Kind kaputt gemacht hat
Dinge, die mein Kind kaputt gemacht hat

Dinge, die mein Kind kaputt gemacht hat war (oder ist?) eine Rubrik der Zeitschrift Nido (Stern). Das 48-seitige Büchlein aus dem arsEdition-Verlag ist eine Sammlung der eingesendeten Leserbilder. Die Dinge, die die Kinder kaputt gemacht haben reichen vom Telefon in der Spülmaschine über bemalte Bettdecken und verbogenen Brillen bis zu verschmorten Smartphones, zerschnittenem Geld oder einem sorgfältig mit dem Schraubenschlüsselt zertrümmerten Mülleimer. Auch andere Eltern haben…kreative Kinder weiterlesen

Bilderbuch oder Musikspielzeug? Beides!

Christine Georg: Mein liebstes Klavierbuch
Christine Georg: Mein liebstes Klavierbuch

Das Pappbilderbuch „Mein liebstes Klavierbuch“ bezaubert mit den knuffigen Illustrationen der Kommunikationsdesignerin Christine Georg. Auf den liebevoll gestalteten Seiten tanzen zum Beispiel Igel und Eichhörnchen miteinander; toben Zappelmänner über, hinter und auf Pilzen herum; kümmern sich Ente, Maus und Bär um den kranken Hasen in der Grube; plantscht ein Frosch mit Gummistiefeln durch den Regen; bekommt ein Waschbär Post; sind wir zu Gast auf einer Schmetterlingshochzeit, reisen mit der Schneckenpost und lassen uns von einer Grille in den Schlaf fiedeln. Bilderbuch oder Musikspielzeug? Beides! weiterlesen

Oberflächlich, sexistisch, brutal und einfach schlecht geschrieben

Candice Fox: Eden
Candice Fox: Eden

Die australische Schriftstellerin Candice Fox wird als australisches Ausnahmetalent der Kriminal-Literatur gefeiert. Der Debütroman der 1980 geborenen Autorin wurde mit dem Ned Kelly Award in der Kategorie Bester Erstlingsroman ausgezeichnet. Der Nachfolger Eden bekam ebenfalls einen Ned Kelly Award (Auszeichnung für australische oder in Australien lebende Kriminalschriftsteller). Diesmal als bester Roman. Und da tun mir die Australier nun sehr leid. Denn wie schlecht muss es um das Genre in Down Under stehen, wenn dieser Schund den Preis für den besten Roman bekommt? Oberflächlich, sexistisch, brutal und einfach schlecht geschrieben weiterlesen

Manche Gefühle wirken overacted

Fotokarten Gefühle: Für Kindergarten, Schule, Elternbildung und Teamarbeit
Fotokarten Gefühle: Für Kindergarten, Schule, Elternbildung und Teamarbeit

Die 32 schwarz-weißen Fotokarten “Gefühle: Für Kindergarten, Schule, Elternbildung und Teamarbeit” von Sandra Irmler und Jeanette Boetius sollen der “emotionalen Erziehung” dienen. Das heißt, Kinder (und Erwachsene) sollen daran lernen Gefühle zu deuten und Mimik zu lesen; sich selbst und ihr Gegenüber besser zu verstehen.

Die Gesichtsausdrücke auf den Fotos wurden von verschiedenen Kindern (und mir) nicht immer passend zum dafür verantwortlichen Gefühl gewertet. So wurde z.B. Neugier als Schock, Interesse als Rumalbern, Stärke als Aggression und Enttäuschung als Arroganz gedeutet.

Laut der beiliegenden Infokarten sind die Fotos über viele Jahre, in intensiven Gesprächen und Sitzungen mit den fotografierten Kindern entstanden. Die Kinder hätten bei den Gesprächen genau das Gefühl empfunden, dass auf der Karte zu sehen sei. Das unterschiedliche Menschen unterschiedliche Gefühle in die Gesichtsausdrücke hineininterpretieren, sei normal und für Diskussionen über die Wahrnehmung durchaus gewollt. Nun ja. Das mag im Grunde ja so stimmen, dennoch: Ich empfinde einige Karten als arg überzogen, overacted und dadurch unpassend. Gerade, wenn man doch eigentlich das Feingefühl für Mimik und Gefühlswelt schulen möchte… Manche Gefühle wirken overacted weiterlesen

Eine herzerwärmend Geschichte mit liebenswerten Protagonisten, aber…

„Und jetzt lass uns tanzen“ von Karine Lambert
„Und jetzt lass uns tanzen“ von Karine Lambert

Manchmal mag ich die taumelnd-leichte Melancholie französisch-sprachiger Autoren. Und wenn ich ältere Herrschaften sehe, die Händchen haltend und verliebt durch die Straßen gehen, bekomme ich umgehend feuchte Augen. Damit hatte der zweite Roman der Brüsselerin Karine Lambert grundsätzlich gute Karten bei mir. Dennoch schaffte Und jetzt lass uns tanzen nicht, mich zu packen. Eine herzerwärmend Geschichte mit liebenswerten Protagonisten, aber… weiterlesen

Heilige Makrele! Das macht auch kleinen Lesemuffeln Spaß!

Hilo 01: Der Junge, der auf die Erde krachte
Hilo 01: Der Junge, der auf die Erde krachte

Daniel Jacksons (D.J.) großer Bruder Louis ist ein Tennis-Ass. Sein großer Bruder Dexter ist ein Chemie-Nerd. Seine kleine Schwester Jennifer “spielt Geige. Und singt. Und tanzt Ballett.” Und seine kleine Schwester Lisa ist erst sieben, geht aber schon in die dritte Klasse. D.J. dagegen kann nichts besonders gut. Und nichts besonders schlecht. Er ist stinknormal. Und etwas langweilig. Bis er in einem Krater einen kleinen Jungen in silberner Unterhose entdeckt.

Der lustige, rülpsende, super schnell lernende Hilo entpuppt sich als mega-krasser Roboter, der zur Erde gekommen ist, um die Menschheit zu beschützen. Vor dem ultrabösen Razorwark und seinen Hightech-Monstern. D.J. und seine allerbeste Freundin aus Kindergartentagen Gina unterstützen den sehr menschlichen Weltenretter nach besten Kräften. Heilige Makrele! Das macht auch kleinen Lesemuffeln Spaß! weiterlesen

Auch Bären können selbstsüchtige Riesen sein

Ciara Flood: Bruno und die Nervkaninchen
Ciara Flood: Bruno und die Nervkaninchen

Bruno der Bär mag es ruhig. Bruno der Bär ist gerne allein. Als ein quirliger Haufen Kaninchen ins Nachbarhaus ziehen und immer wieder bei ihm vorbeischauen, gefällt das dem Griesgram gar nicht. Immer wieder und wieder wimmelt er sie missmutig ab. Behauptet, er habe keinen Honig, keine Bücher, keine Zeit. Dabei hat er von allem reichlich. Als ihm die Kaninchen ein Geschenk vor die Tür stellen, mit allem, was er – wie er sagt – nicht hat, beginnt der Bär zu begreifen, dass er vielleicht falsch lag. Dass das Leben mit Freunden wohl doch schöner ist.

40 wundervoll, in warmen Farben illustrierte Seiten erzählen die Geschichte des Brummelbären Bruno. Detailreich, aber nicht überladen, regen die Bilder dazu an, nicht nur vorzulesen, sondern auch das zu entdecken, was die wenigen Sätzen nicht sagen. Zum Beispiel, dass Bruno gar nicht so alleine lebt. Ein (nerviges) kleines Mäuslein wohnt bei ihm und stört ihn offensichtlich gar nicht. Obwohl es ihm ständig Dinge stibitzt. Mein Zweijähriger lauschte seinem Papa ganz andächtig, als der ihm Bruno und die Nervkaninchen von Ciara Flood vorlas. Durch kleine Suchspielchen a la “Wo ist die Maus?”, “Siehst Du den grummeligen Schneebären?”, “Da hat der Bär aber viel Holz gehackt” oder “Boah, machen die Kaninchen ein Chaos!” blieb er alle Seiten über aufmerksam.

Mittlerweile ist er fast drei Jahre alt und  noch immer begeistert von dem grummeligen Bären und den quirligen Langohren, kommentiert das Verhalten des selbstsüchtigen Riesen und würde am liebsten auch neben solch Kaninchen-Nachbarn leben.

Eine herzwärmende Geschichte über das Abschiednehmen

Benji Davies: Opas Insel
Benji Davies: Opas Insel

Sams Opa wohnt im Haus am Ende des Gartens. Unter dem Blumentopf liegt immer ein Schlüssel für Sam bereit. Eines Tages findet Sam Opa erst nach langem Suchen. Vom Dachboden aus begeben sich die beiden auf eine Reise zu einer exotischen, weit entfernten Insel. Einer bunten, warmen Insel voller Pflanzen und Tiere. Opa fühlt sich hier sehr wohl. So wohl, dass er gar nicht mehr nach Hause möchte. Sam verabschiedet sich von Opa und fährt mit dem großen Schiff alleine zurück nach Hause.

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Spannend, lehrreich und lustig – für Groß und Klein.

Dave Shelton: Bär im Boot
Dave Shelton: Bär im Boot

Ein Junge steigt in ein winziges Ruderboot. Er möchte rüber auf die andere Seite. Dem Bär ists recht und los geht die 304 Seiten lange Reise.

Ein Kinderbuch mit über 300 Seiten? Das klingt erst einmal viel. Doch die großen Buchstaben und die zahlreichen Illustrationen relativieren diese Zahl gründlich. Bär im Boot lässt sich flott und wunderbar vorlesen.

Langeweile kommt nicht auf. Und das, obwohl Kulisse und Charaktere arg begrenzt sind. Da gibt es das Boot. Um das Boot herum viel Wasser und über dem Boot den Himmel. Viele, viele Seiten lang bestimmt diese blaue Landschaft die Reise der beiden Bootreisenden, die einsam durch das Blau rudern. Spannend, lehrreich und lustig – für Groß und Klein. weiterlesen