The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß

The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß
The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß

Die Rotzlöffel Boss und Hoss möchten Cowboys sein. Doch egal was sie versuchen, sie scheitern. Reiten, Lasso werfen, Feuer machen – nichts gelingt. Die coolen Schrecklichen Sechs lachen sie aus. Bis ein geheimnisvoller Fremder seine Gitarre zurück lässt. Hoss spielt eine Melodie, Boss singt dazu. Das kommt bei den alten, fiesen Cowboys prima an. Nun gehören die Pimpfe dazu, werden akzeptiert, sogar gefeiert. Ende. Oha!

Ich finde es höchst bedenklich, dass hier Kinder etwas versuchen, scheitern und dann von Erwachsenen – schlimmer noch: von ihren Idolen (den ollen Cowboys) – ausgelacht und ausgeschlossen werden. Um etwas richtig zu können, muss man doch gerade Dinge ausprobieren. Das Wenigste klappt beim ersten Versuch. Menschen lernen durch Fehler! Wo kämen wir hin, wenn wir einfach aufgeben würden, wenn etwas nicht sofort funktioniert? Wir könnten weder laufen noch sprechen. Die Botschaft, dass man nur Erfolg hat, wenn etwas von Anfang an klappt, finde ich sehr, sehr kurzsichtig, demotivieren, grundlegend falsch.

The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß
The BossHoss: Kleine Cowboys ganz groß

Die Aussage des weisen Fremden, dass “wer im Herzen ein Cowboy ist, sein Ziel erreicht, egal wie staubig und steinig die Straße ist und welchen Umweg man gehen muss” ist für die Vorschulkinder, die laut Verlag das Zielpublikum darstellen, viel zu komplex. Die Sinnbilder, die der unbekannt Cowboy von sich gibt, werden weder im Text noch in den Bildern näher erklärt. Was sollen die Kleinen von der Geschichte lernen? Dass sie alles, was nicht sofort klappt (und bei dem ihnen niemand hilft) aufgeben sollen? Wird ja eh nichts? Einfach solange suchen und hoffen, dass man doch irgendwann was entdeckt, bei dem man nicht direkt versagt? Schrecklich! Von grundlegend falschen und gefährlichen Aussagen wie “auch ohne Lagerfeuer schlafen Boss und Hoss” in der saukalten, nächtlichen Prärie “wie die Murmeltiere,” einmal ganz abgesehen.

Die karikaturhaften Zeichnungen sind Geschmackssache, ich mag sie. Sie sind lebendig und bieten auch kleineren Kindern Einiges zum Entdecken, wie ein putziges Gürteltier, eine lustige Eidechse oder eine dusselige Schlange. Der Text wirkt stilistisch reingerotzt und typografisch extrem unruhig. Die Sätze machen keinen Spaß, scheinen lieblos zusammengezimmert, haben keinen Rhythmus, keine Melodie.

Was mich immer mehr stört, desto länger ich drüber nachdenke, ist das Branding. Das BossHoss-Logo prangt auf dem Cover, die Jungs heißen Boss und Hoss und sie machen tolle Musik. Jaja, es soll ja autobiographisch sein, aber das interessiert die kleinen Leser bestimmt nicht. Wenn die Geschichte das Wichtigste gewesen wäre, die Moral, dass man alles erreichen kann, manchmal nur eben auf Umwegen, dann hätte es doch gereicht die beiden als Autoren anzuführen. Gerne auch mit ihren richtigen Namen. Wäre natürlich viel weniger werbewirksam. Würde bei mir aber nicht das Geschmäckle hinterlassen, dass dieses Bilderbuch frühprägend die nächste Fan-Generation heranzüchten soll.

Fazit: Die Zeichnungen sind nett, die Moral bedenklich, der Werbecharakter unmöglich! Nur was für große (Alter wie Ausmaß) Fans.

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